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Köhler: Unsere Gesellschaft braucht die Kirchen

Unter dem Motto «Damit ihr Hoffnung habt» feiern über 100 000 Gläubige das große Ökumene-Treff in München.Großansicht
München (dpa) - Bundespräsident Horst Köhler hat bei der Eröffnung des 2. Ökumenischen Kirchentages am Mittwochabend trotz der beschämenden Missbrauchsskandale die Christen zu mehr Selbstbewusstsein ermutigt angesichts ihrer Verdienste für eine gerechte Welt. Die dpa dokumentiert in Auszügen das Grußwort Köhlers:

«Dieser Ökumenische Kirchentag kommt zur rechten Zeit. In den letzten Jahren hatte man den Eindruck, der ökumenische Schwung hätte nachgelassen. Deswegen haben sich viele - auch ich - auf diesen Kirchentag gefreut, ihn geradezu herbeigesehnt. Wir sind davon überzeugt: Nur in ökumenischer Gesinnung, nur in Zusammenarbeit und nur in einem sichtbaren und wahrhaftigen Miteinander können die Christen heutzutage der Welt ein Zeugnis ihres Glaubens geben. (...)

Viele dunkle Wolken haben sich in den vergangenen Monaten über der Kirche zusammengezogen. Führungsversagen, Missbrauch, Misshandlung - all das hat zu einer schweren Krise geführt. Viele haben der Kirche den Rücken gekehrt, viele klagen sie an, verspotten sie. Viele Gläubige schämen sich, viel Vertrauen ist verloren gegangen. Die vergangenen Untaten sind nicht ungeschehen zu machen. Jetzt kommt alles darauf an, wie wir damit umgehen. Aufklärung und Zuwendung zu den Opfern sind das Gebot der Stunde. Aber auch der Blick nach vorn, der Wille zur Selbsterforschung und zur Umkehr.

Wenn Christen zusammenkommen, ob im Gottesdienst oder auf dem Kirchentag, dann bekennen sie voreinander und vor Gott ihre Schuld, dann bitten sie um die Kraft zur Erneuerung und Umkehr, dann bitten sie um Gottes Gnade. Das ist heute wichtiger denn je. Nur so werden Glaubwürdigkeit und Vertrauen wiedergewonnen. (...)

Wir dürfen aber heute uns selbst und auch die, die von außen auf die Kirchen schauen, daran erinnern, wie viel Gutes wir durch die Gemeinschaft und durch den Glauben erlebt haben - und wie viel Gutes durch gläubige Menschen getan wird. (...)

Wir dürfen heute uns selbst und alle, die uns zuhören, daran erinnern, wie viel an gelebter Barmherzigkeit, an tatkräftiger Solidarität, an Dienst am anderen durch gläubige Menschen in dieser Gesellschaft lebendig ist. Das braucht unsere Gesellschaft. Das hat Dank und Anerkennung verdient. Wir dürfen schließlich auch daran erinnern, dass das Wort Ökumene ursprünglich den ganzen Erdkreis meint. Die Kirchen haben viel früher als andere ihre Verantwortung für die Eine Welt entdeckt, auf der es gerecht zugehen soll. Werke wie Adveniat, Misereor oder "Brot für die Welt" sind unübersehbare Zeichen der Hilfsbereitschaft und Großherzigkeit der Christen in Deutschland. (...)»

Kirchen / Kirchentag
13.05.2010 · 12:55 Uhr
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