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Klirrende Kälte und Schnee sorgen für Chaos

Ein Streufahrzeug ist in Dortmund im Einsatz. Trotz des Winterdienstes kam es zu zahlreichen Unfälle auf deutschen Straßen.Großansicht
Hamburg (dpa) - Strenger Frost hat Deutschland zum vierten Advent ein weißes Wochenende beschert und vielen Orten die kälteste Nacht des Jahres. Kurz vor dem kalendarischen Winterbeginn am Montag, sackte das Thermometer weit in den Minusbereich ab.

Allerdings stürzten Eis und Schnee das Land vielerorts auch in Chaos. Mindestens sieben Menschen kostete die sibirische Kälte das Leben. Nur Wintersportler und Schneefans freuten sich über die weiße Pracht.

Am Düsseldorfer Flughafen ging am Sonntag fast zwölf Stunden lang bis zum Abend gar nichts mehr. Auch 20 Räumfahrzeuge schafften es bei heftigem Schneetreiben nicht, die Start- und Landebahnen freizuhalten. Insgesamt 300 Flüge mussten umgeleitet oder abgesagt werden. Erst am Abend konnten die ersten Maschinen wieder starten. Einige Tausend Passagiere mussten am Abend von den Fluggesellschaften in Hotels untergebracht oder nach Hause gefahren werden. Andere würden nach Auskunft des Flughafensprechers in den Terminals übernachten und versuchen, eine frühe Maschine am Montagmorgen zu erwischen.

In Thüringen entdeckten Spaziergänger am Sonntag die Leiche eines 81-Jährigen. Er war erfroren, nachdem er sich vermutlich verlaufen hatte. In Mannheim erfror ein 46 Jahre alter Obdachloser, der im Freien schlief. In Reilingen, ebenfalls in Baden-Württemberg, stürzte ein 73-Jähriger auf schneebedeckter Fahrbahn mit seinem Fahrrad und schlug tödlich mit dem Kopf auf. Weitere Tote gab es bei Unfällen auf glatten Straßen etwa in Schleswig-Holstein oder Niedersachsen.

Allein im schwer eingeschneiten größten Bundesland Nordrhein- Westfalen zählte die Polizei von Freitagabend bis Sonntag mehr als 1100 Unfälle mit etwa 100 Verletzten. In Brandenburg gab es an den drei Tagen fast mehr als 140 Glätteunfälle mit 20 Verletzten.

Schnee und Kälte machten auch der Bahn zu schaffen. «Die Züge fahren bundesweit, aber teilweise kommt es zu Verspätungen, und einzelne Züge fallen wetterbedingt aus», sagte ein Bahnsprecher am Sonntagabend in Berlin. Alle verfügbaren Kräfte seien dabei, Schienen und Fahrzeuge in Gang zu halten.

Wie jedes Jahr seien viele Autofahrer auf den plötzlichen Wintereinbruch nicht vorbereitet gewesen, meinte ein Polizeisprecher in Freiburg am Samstag. Die Reisewelle in Richtung Süden hatte am Freitag und Samstag oft gestockt, nachdem in zehn Bundesländern die Weihnachtsferien begonnen hatten.

Die Johanniter-Unfall-Hilfe warnte zudem davor, trotz der klirrenden Kälte zugefrorene Seen zu betreten, weil diese noch nicht tragfähig seien. Grundsätzlich sollten Gewässer erst ab einer Eisdicke von 20 Zentimetern betreten werden.

In der Nacht zum Samstag war es an dem als «Eisloch» bekannten Alpengewässer Funtensee minus 33,6 Grad kalt gewesen. Weil am 9. Januar an dem See jedoch sogar minus 36,4 Grad gemessen worden, nannte Meteomedia die Nächte vom Wochenende nicht «die kältesten des Jahres». In Rheinland-Pfalz wurde am frühen Sonntagmorgen die tiefste Temperatur verzeichnet, die jemals dort gemessen wurde: In Dill im Hunsrück zeigten die Thermometer minus 26,1 Grad an. In Freiburg im Breisgau war es ebenfalls kälter als je zuvor: minus 22 Grad.

Trotz allem: Eine weiße Weihnacht erleben weite Teile Deutschlands laut Wettervorhersage nicht. Tief «Vincent» sorgt in den kommenden Tagen für höhere Temperaturen, Regen und überfrierende Nässe, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Offenbach berichtete. Bis Heiligabend dürfte sich der Schnee fast überall in Matsch verwandelt haben.

Skifahrer und Rodler können sich seit dem Wochenende auch in den Mittelgebirgen über gute Wintersportbedingungen freuen. Bei starken Schneefällen gingen zum Beispiel im Schwarzwald und auf der Schwäbischen Alb zahlreiche Skilifte in Betrieb. Im Harz freuten sich Wintersportler teilweise über eine Scheedecke von bis zu 40 Zentimetern.    

Auch Liebhaber süßen Eisweins haben Grund zur Freude: Winzer von der hessischen Bergstraße verkündeten, sie hätten die für ihre Region «besten je geernteten Riesling-Eisweine» gelesen - mit bis zu 271 Grad Oechsle im Heppenheimer Eckweg. Auch in Baden-Württemberg nutzten Winzer die klirrende Kälte erfolgreich zur Eisweinlese.

Wetter / Verkehr
21.12.2009 · 08:17 Uhr
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