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Kirgistan wählt friedlich - Sehnsucht nach Neuanfang

Wahlen in KirgistanGroßansicht

Bischkek (dpa) - In Kirgistan haben die Menschen nach dem Sturz des autoritären Präsidenten Kurmanbek Bakijew und ethnischen Unruhen friedlich ein neues Parlament gewählt.

Erstmals entscheide sich ein Land in Zentralasien für eine parlamentarische Demokratie, sagte Übergangspräsidentin Rosa Otunbajewa am Sonntag in der Hauptstadt Bischkek. «Das ist ein historischer Tag.» Nach den Ausschreitungen im Juni mit 2000 Toten stimmten die Menschen unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen über einen politischen Neuanfang ab. Aussagekräftige Ergebnisse werden erst für Montag erwartet. Experten rechnen angesichts der 29 angetretenen Parteien mit einer Koalition.

Kirgistan mit seinen 5,5 Millionen Einwohnern kommt auch wegen seiner Nähe zu Afghanistan geostrategische Bedeutung zu. So unterhalten sowohl Russland als auch die USA in der veramten Republik wichtige Militärbasen.

Nach ersten Auszählungen führten die am Sturz Bakijews beteiligten Kräfte. Dabei setzten sich vor allem die Sozialdemokratische Partei und die linke Ata Meken (Vaterland) unter den Mitbewerbern durch, wie Medien berichteten. Seriöse Prognosen gab es keine. Die Wahlbeteiligung in dem Hochgebirgsland an der Grenze zu China lag bei rund 57 Prozent.

Ausländische Wahlbeobachter hatten den lebhaften Konkurrenzkampf unter den Parlamentskandidaten gelobt mit erstmals freiem Zugang zu allen Medien. Offen ist allerdings in dem Land mit seinen festen Clanstrukturen, ob Sieger und Verlierer die Ergebnisse anerkennen - oder ob es zu neuen Unruhen kommt.

In der südlichen Stadt Osch, die von dem ethnischen Konflikt im Juni besonders stark getroffen worden war, wählten die Menschen unter dem Schutz schwer bewaffneter Sicherheitskräfte. Einige Wähler sagten unter Tränen, dass sie sich nach dem «Krieg» nun einen friedlichen Neubeginn wünschten. Die rund 2,8 Millionen Wahlberechtigten konnten unter 29 Parteien wählen - so viele wie nie in der Geschichte dieser Ex-Sowjetrepublik.

Als Favoriten für eine neu gewählte Regierung galten die im April am Sturz Bakijews beteiligten Kräfte. Damals hatte es im Norden des Landes einen blutigen Volksaufstand gegeben. Bakijew lebt heute im Exil in Weißrussland. Diese erste Demokratie in Zentralasien sei ein politischer Leuchtturm in der Region mit den autoritär geführten Ländern wie Kasachstan, Usbekistan und Tadschikistan, sagte der Führer der Partei Ata Meken, Omurbek Tekebajew.

Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) hatte Hunderte Wahlbeobachter nach Kirgistan geschickt. Sie bezeichneten die Atmosphäre als demokratisch. Auch Otunbajewa sprach bei ihrer Stimmabgabe von einer transparenten Abstimmung. Es zeichne sich ab, dass nach der Wahl sowohl regierungstreue als auch oppositionelle Parteien in das Parlament in Bischkek mit seinen 120 Sitzen einziehen würden, sagte die Übergangspräsidentin. «Ich begrüße diese Vielfalt», sagte die Präsidentin.

Der von Russland favorisierte frühere Regierungschef Felix Kulow kündigte eigene Kontrollen durch die Oppositionsparteien an. «Wir werden insbesondere prüfen, ob einzelne Bürger nicht mehrfach gewählt haben», sagte Kulow nach seiner Stimmabgabe.

Kirgistan / Wahlen / Parlament
10.10.2010 · 20:35 Uhr
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