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Kindernothilfe: Haitis Kinder sind in Gefahr

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Port-au-Prince (dpa) - Haitis Kinder sind nach dem schweren Erdbeben in der vergangenen Woche besonders auf Schutz angewiesen. Mehrere zehntausend Kinder seien bei der Katastrophe ums Leben gekommen, viele Tausende seien nach dem Verlust von Familienangehörigen traumatisiert.

Das sagte der Repräsentant der Kindernothilfe in Haiti, Alinx Jean-Baptiste, am Dienstag in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Die Kindernothilfe will am Mittwoch auf dem Gelände der Heilsarmee in Port-au-Prince mit dem Bau eines Zeltheimes für rund 200 Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren beginnen. Der aus Bonn angereiste Koordinator des Projektes, Ruben Wedel, sagte, später solle das Projekt in die angrenzenden Flüchtlingslager ausgedehnt werden.

Wie geht es den Kindern Haitis nach dem Erdbeben?

Jean-Baptiste: «Die Kinder sind durch das Erdbeben noch mehr verletzt. Sie sind traumatisiert. Viele haben Mutter oder Vater verloren. Viele waren bitterarm, jetzt sind sie noch ärmer. Sie brauchen psychologische Betreuung. Bis heute gibt es nur ganz wenig Abgabe von Lebensmitteln und Wasser. Es gibt 200 000 oder mehr Opfer, darunter bis zu 100 000 Kinder, die einfach auf der Straße leben.»

Aber warum geht es den Kindern schlechter, wenn alle im Freien leben?

Jean-Baptiste: «Sie können sich nicht selbst versorgen. Es geht den Kindern also wirklich schlecht. Jetzt müssen wir speziell ein Programm für sie machen. Denn bei einer Lebensmittelabgabe sind es nur die Starken, die etwas bekommen, und die Kinder werden beiseite geschoben. Kinder können nicht kämpfen. Aber sie sind diejenigen, die die Hilfe am nötigsten gebrauchen könnten.»

Was muss geschehen, damit die Lebensmittel auch bei den Kindern ankommt?

Jean-Baptiste: «Für die Kinder muss es eine spezielle Strategie geben, damit sie an die Versorgung kommen, weil sie von den Erwachsenen vergessen werden. Beispielsweise ist es derzeit sehr schwierig, an Milch heranzukommen, weil die Supermärkte geschlossen sind. Die Menschen haben zudem wegen der geschlossenen Banken kein Geld und könnten nichts kaufen.»

Wie lange halten die Familien das durch?

Jean-Baptiste: «Es ist eine dramatische Situation. Wenn wir nicht in zwei Wochen zur Normalität zurückkehren, kommt es, so befürchte ich, zu Unruhen, weil Kinder verhungern könnten. Das ist eine Notsituarion. Viele Kinder sind gestorben, weil die medizinische Hilfe zu spät kam. Es fehlt an medizinischem Material und Personal.»

Was soll das Kindercamp leisten, das Sie ab morgen in Port-au-Prince aufbauen wollen?

Wedel: «Die Kinder sollen sicher leben, sie sollen gesund ernährt und medizinisch und psychologisch betreut werden. Wir machen das vor allem mit Kräften, die zuvor bereits in unseren Projekten gearbeitet haben. Auch sie wohnen seit dem Beben auf der Straße und in Flüchtlingslagern. Die haben wir zum Glück alle wieder gefunden.»

Interview: Franz Smets, dpa

Erdbeben / Kinder / Haiti
20.01.2010 · 10:21 Uhr
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