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Kiloweise Plutonium in Atomanlage aufgetaucht

Bei der Demontage einer Atomanlage in Südfrankreich ist es zu einem Zwischenfall gekommen (Symbolbild).Großansicht
Paris (dpa) - Atomzwischenfall in Südfrankreich: Bei der Demontage einer Atomanlage in Cadarache ist deutlich mehr hochgefährliches Plutonium entdeckt worden als dort vermutet worden war. Die Atomsicherheitsbehörde ordnete an, die Arbeiten an der Anlage umgehend einzustellen.

Zudem habe man die Staatsanwaltschaft eingeschaltet, weil der Betreiber den Vorfall erst mit mehrmonatiger Verzögerung gemeldet hatte, sagte der Vizechef der Sicherheitsbehörde, Alain Delmestre, am Donnerstag in Paris. Es handle sich um den ersten Zwischenfall der Gefahrenstufe zwei auf der aufsteigenden, siebenstufigen internationalen Skala in diesem Jahr in Frankreich.

«Große Mengen Plutonium am selben Ort können zu einer gefährlichen Kettenreaktion führen», sagte Delmestre. In einem solchen Fall könnten Menschen tödlich verstrahlt werden. Nach Informationen der Umweltorganisation Greenpeace entspricht das gefundene Plutonium einer Menge, die für fünf Atombomben ausreichen würde. Der Betreiber der Anlage CEA (Commissariat à l'Energie Atomique) wies die Vorwürfe zurück. «Das Material war auf viele verschiedene Orte verteilt. In dieser Form hätte es auch gar nicht für eine Atomwaffe verwendet werden können», sagte der CEA-Sprecher Henri Maubert.

Beim Abbau der seit mehr als 40 Jahren betriebenen Anlage waren in etwa 450 abgedichteten Behältern große Mengen Plutoniumpulver entdeckt worden. Die Betreiber hatten lediglich mit acht Kilo gerechnet, fanden aber zunächst 22 Kilo und rechnen insgesamt mit 39 Kilo. «Das Pulver befand sich an schwer zugänglichen Stellen. Wir wussten, dass es vorhanden war, aber nicht, dass es so viel war», sagte Maubert. Es habe aber zu keiner Zeit ein Sicherheitsrisiko bestanden. Umweltminister Jean-Louis Borloo zeigte sich schockiert über die verzögerte Bekanntgabe und forderte Aufklärung. «Gerade bei Atomsicherheit muss absolute Transparenz herrschen», betonte er.    

Atomkraftgegner werfen den Betreibern und der Regierung schwere Versäumnisse vor. «Dies ist einer der schlimmsten Vorfälle seit langem in einer Atomanlage», sagte Greenpeace-Chef Yannick Rousselet. Die Betreiber seien offenbar nicht in der Lage, mit dem Plutonium angemessen umzugehen. «Sie lassen kiloweise davon herumliegen, obwohl es so gefährlich ist, dass es auf jedes Gramm ankommt», fügte er hinzu.

Der Vorfall ereignete sich in einem der wichtigsten Atom- Forschungszentren Europas etwa 40 Kilometer nördlich von Aix-en- Provence, das unter anderem mehrere Forschungsreaktoren umfasst. In der im Abbau befindlichen Anlage wurde bis 2003 Plutonium aus französischen Atomkraftwerken zu MOX-Brennstoff umgewandelt. Ein großer Teil davon wurde nach Deutschland exportiert. Später testete der Atomkonzern Areva dort die Umwandlung von Plutonium aus amerikanischen Militärbeständen.

Im Jahr 2006 gab es in der Anlage bereits einen Zwischenfall der Gefahrenstufe zwei. Damals war mehrere Monate lang eine Waage ausgefallen, die das Beladen einer Zerkleinerungsmaschine mit radioaktiven Abfällen regelte.

Atom / Frankreich
15.10.2009 · 17:58 Uhr
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