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Killer im Netz - Mörder mit Facebook-Profil

Früher hatten Mörder nur wenige Möglichkeiten, ihre Sicht der Dinge darzustellen. Eigentlich beschränkte es sich auf Abschieds- und Bekennerbriefe sowie Gerichtsverhandlungen, in denen sie Erklärungen, Entschuldigungen und Rechtfertigungen vorbringen konnten. Doch viele Mörder der vergangenen Jahre haben ihre Spuren im Netz hinterlassen – genauso so, wie wir (fast) alle in Datenbanken, Freundschaftssuchdiensten oder Profilen bei sozialen Netzwerken registriert sind.

Anders Behring Breivik etwa, der norwegische Massenmörder, der im Juli vergangenen Jahres bei einem Bombenanschlag in Oslo und einem Massaker auf der Ferieninsel Utøya insgesamt 77 Menschen tötete, richtete sich seine Internet-Präsenz strategisch ein. Er wollte in der digitalen Welt seine Spuren hinterlassen. So meldete er sich am 17. Juli 2011 bei Facebook an, veröffentlichte auf dem neuen Profil Teile seines kruden 1000-Seiten-Manifests, in dem er eine islamistische Verschwörung für einen Niedergang des Westens verantwortlich machte. Nach dem folgenschwersten Amoklauf der Geschichte suchten Menschen aus der ganzen Welt nach Erklärungen – und fanden sie auch in Breiviks verrückten Einträgen und wirren Manifest-Auszügen auf seinem Facebook-Profil.

Fotos der Einsamkeit und Grusel-Einträge

Luka Magnotta, der mutmaßliche Pornokiller aus Kanada, der einen chinesischen Studenten getötet, die Tat gefilmt und die Leichenteile teilweise per Post an Parteien und Schulen geschickt haben soll, ist – für einen 29-Jährigen typisch – auf mehreren Kanälen im Netz zu finden. Magnotta hat etwa ein Facebook-Profil, angelegt im Jahr 2009. Dort lud Magnotta mehr als hundert Bilder hoch. Mittlerweile haben Facebook-Nutzer fast bei jedem Foto Kommentare hinterlassen, die Magnotta verunglimpfen. Viele Fotos strahlen eine Einsamkeit aus, die frösteln lässt. Magnotta allein vor dem Weihnachtsbaum, Magnotta allein am Paradiesstrand, Magnotta allein in Paris. «Luka verdient viel Fröhlichkeit», ist der einzige Satz, den er selbst gepostet hat.

Ausführlicher, aber nicht unbedingt gehaltvoller, sind seine Twitter-Meldungen: «Was andere über mich denken, interessiert mich nicht», ist etwa zu lesen. Längere Schrift-Passagen veröffentlicht er auf seinem Blog. Hier beschwert er sich über Cyber-Mobbing und Homophobie, über das Justizsystem und Medienpropaganda in langen, kruden Abhandlungen, die stilistisch recht unterschiedlich sind. Ob er alles selbst geschrieben hat, ist deshalb zu bezweifeln – in einer Abhandlung weist er ja darauf hin, wie schwer wahre Urheberschaft im Internet festzustellen sei.

Auch David H., der verdächtige Mörder der kleinen Lena aus Emden, hatte ein Facebook-Profil – genauso wie Jan O., der Ende 2010 zwei Teenager aus dem niedersächsischen Bodenfelde tötete. Bei Jan O. waren es gar die Profile in sozialen Netzwerken, die zum schnellen Fahndungserfolg der Ermittler führte. Welche Fotos und Infos die modernen Killer in sozialen Netzwerken posten, sehen Sie in unserer Fotostrecke.

[news.de] · 15.07.2012 · 08:00 Uhr
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