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Keine Entwarnung in Moskau

Verzweifelte LöschversucheGroßansicht

Moskau (dpa) - Der giftige Qualm von den Torfbränden raubt den Moskauern den Atem, und das Flammeninferno in Russland bedroht erneut ein atomares Forschungszentrum. In der Nähe des Russischen Föderalen Atomzentrums in Sneschinsk am Ural brach ein Feuer aus.

Die Lage sei aber unter Kontrolle, teilte das Zivilschutzministerium am Sonntag nach Angaben der Agentur Interfax mit. Unterdessen breiteten sich die Waldbrände trotz internationaler Hilfe landesweit aus. Zwar gaben die Behörden erste Erfolge im Kampf gegen die Feuersbrunst bekannt. Doch allein in den vergangenen 24 Stunden brachen mehr als 250 neue Brände aus. Mittlerweile stehen 200 000 Hektar Land in Flammen.

In der Hauptstadt sank die Sichtweite wegen des Rauchs der Torfbrände in der Umgebung stellenweise auf unter 50 Meter. Der Wert von Kohlenmonoxid in der Luft stieg auf weit mehr als das Sechsfache des zulässigen Grenzwertes. Andere Schadstoffe überschritten die Norm gar um das Neunfache.

Der Rauch erreichte am Sonntag auch die zweitgrößte Stadt St. Petersburg. Dort nahmen Passanten Brandgeruch wahr. Starker Wind habe den Qualm von den Torffeuern rund um Moskau nach Nordwesten getrieben, hieß es.

Die Feuer sollten nun rund um die Uhr bekämpft werden, sagte Vize-Zivilschutzminister Alexander Tschuprijan. Bislang seien die Brände nachts lediglich kontrolliert worden. Russland erlebt derzeit eine Rekord-Hitze mit Temperaturen um 40 Grad.

Nach tagelangem Einsatz konnten gut 2000 Feuerwehrleute und Soldaten das atomare Forschungszentrum in Sarow rund 400 Kilometer östlich von Moskau vor den Flammen retten. Die Stadt darf wie Sneschinsk nur mit einer Sondererlaubnis betreten werden.

Die Bundesregierung will an diesem Montag 100 000 Atemschutzmasken nach Moskau schicken. Zudem stelle Deutschland Schläuche, Pumpen und weiteres Gerät zur Verfügung, teilte das Bundesinnenministerium in Berlin am Samstag mit. Das russische Zivilschutzministerium habe um entsprechende Unterstützung ersucht. Berlin hatte Moskau wiederholt Hilfe angeboten.

Frankreich schickt nach Medienberichten ein Löschflugzeug sowie 120 Feuerwehrleute. Zudem entsendet Paris Brandbekämpfungsexperten sowie Dutzende Fahrzeuge. Italien bot ebenfalls an, mehrere Flugzeuge zur Verfügung zu stellen. Aus Polen waren 155 Feuerwehrleute auf dem Weg nach Russland.

Nach offiziellen Angaben starben bislang mehr als 50 Menschen infolge der Wald- und Torfbrände. Hunderte Verletzte liegen in Krankenhäusern, Tausende sind auf der Flucht vor den Flammen. Russische Hilfsorganisationen schätzen, dass die Zahl der Toten weit höher liegt. Kremlchef Dmitri Medwedew spendete aus eigener Tasche knapp 9000 Euro für die Brandopfer. Hohe Beamte sollten sich daran ein Beispiel nehmen, sagte Medwedews Sprecherin Natalia Timakowa.

Ärzte in Moskau warnten vor erheblichen gesundheitlichen Problemen. Hunderte Menschen ließen sich wegen Beschwerden in Kliniken behandeln. Der Rauch drang auch in die bis zu 85 Meter tiefen Schächte der weltberühmten Metro vor.

Die Bevölkerung wurde aufgerufen, nach Möglichkeit zu Hause zu bleiben oder gleich die Stadt zu verlassen. Auf den internationalen Flughäfen kam es wegen der schlechten Sicht zu langen Verspätungen. Mehrere Flüge wurden in andere Städte umgeleitet. Der Smog werde nicht vor Mittwoch kommender Woche abziehen, sagten Meteorologen.

Landesweit kämpften Hunderttausende Feuerwehrleute, Soldaten und Freiwillige mit teils primitiven Mitteln gegen die verheerende Feuersbrunst. Dicker Rauch behinderte die Löscharbeiten aus der Luft. In der Nähe von Perm am Ural mussten knapp 180 Patienten und Betreuer einer einer neuropsychiatrischen Einrichtung in Sicherheit gebracht.

Die USA, Großbritannien und Frankreich rieten von nicht notwendigen Reisen nach Moskau und in die Waldbrandgebiete ab. Am Vortag hatte bereits das Auswärtige Amt einen entsprechenden Sicherheitshinweis veröffentlicht. Vor allem chronisch Kranke, ältere Menschen sowie Kinder sollten die betroffenen Regionen meiden. Russlands oberster Amtsarzt Gennadi Onischtschenko kritisierte die Reisewarnungen als «unfreundlichen Akt».

Reisehinweis des Auswärtigen Amtes

Brände / Wetter / Russland
08.08.2010 · 22:09 Uhr
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