News
 

Keine «Ampel» für Fertiggerichte

Lagerhalle mit FertiggerichtenGroßansicht
Straßburg/Berlin (dpa) - Eine Ampelkennzeichnung für Fette, Zucker und Salz in Fertiggerichten wird es europaweit nicht geben. Nach heftigen Kontroversen lehnte das Europaparlament diesen Vorschlag von Grünen und Linken am Mittwoch ab.

Zwar sollen die Nährwerte deutlicher gekennzeichnet werden, eine rot-gelb-grüne Farbmarkierung fällt zur Enttäuschung von Verbraucherschützern aber unter den Tisch.

In Straßburg betrachtet die Mehrheit der Volksvertretung unter Führung der Christdemokraten die Nährwert-Ampel als irreführend und wissenschaftlich nicht haltbar. Dagegen sagte die Grünen-Abgeordnete Rebecca Harms: «Es ist bedauerlich, dass es für Konsumenten keine klare und verständliche Information über Nährwerte geben wird.» Die Sozialdemokratin Dagmar Roth-Behrendt sprach von einer «Ohrfeige».

Einzig in Großbritannien gibt es ein Ampelsystem auf freiwilliger Basis. Rot weist dabei auf viel Fett, Zucker oder Salz in den Nahrungsmitteln hin, Gelb steht für eine mittlere und Grün für eine geringe Menge davon.

Das Bundesverbraucherministerium in Berlin hält die Entscheidung gegen eine Lebensmittelkennzeichnung in Ampelfarben für nachvollziehbar. «Die Ampel hat sich aus wissenschaftlicher Sicht - und wie der Blick nach England zeigt, auch in der Praxis - nicht bewährt», sagte ein Ministeriumssprecher. Er begrüßte, dass sich das Parlament für die Nährwertkennzeichnung entschieden habe, die in Deutschland bereits freiwillig praktiziert werde.

Nach dem jetzt verabschiedeten Konzept sollen Nährwertangaben auf der Grundlage von Portionen oder des durchschnittlichen Tagesbedarfs eingeführt werden. Die sind in Prozenten des Bedarfs eines Erwachsenen ausgedrückt und kompliziert zu errechnen.

Umfragen haben nach Angaben von Verbraucherschützern ergeben, dass Konsumenten einfache und verständliche Angaben brauchen, um beim Einkauf auf heimliche Dickmacher zu achten. Besonders für Kinder sei das wichtig, sagen Verbraucherorganisationen.

Enttäuscht vom Aus für die Ampelkennzeichnung zeigten sich Grüne, die Verbraucherorganisation Foodwatch und der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte in Berlin. Die Grünen-Fraktion warf der Mehrheit der EU-Abgeordneten vor, sie habe sich «vor den Karren der Lebensmittelindustrie spannen lassen».

Foodwatch kritisierte: «Obwohl die Vorzüge der Ampelkennzeichnung gegenüber allen anderen Systemen vielfach durch wissenschaftliche Studien belegt wurden und die meisten Verbraucher die Ampel wollen, haben sich die Parlamentarier unter dem Einfluss der Industrielobby gegen die Ampel entschieden.» Die Kinder- und Jugendärzte erklärten, ein «kinderleichtes» System komme nun nicht.

Der Weg zu einem endgültigen Gesetz ist allerdings noch lang. Es ist frühestens Mitte des kommenden Jahres zu erwarten. Nun befasst sich erst wieder der EU-Ministerrat mit dem Thema. Dort favorisiert eine Mehrheit der EU-Länder - auch Deutschland -, Nährwert- Informationen auf der Grundlage eines Tagesbedarfs, je 100 Gramm oder je Portion zu geben.

EU / Gesundheit / Verbraucher
16.06.2010 · 18:25 Uhr
[7 Kommentare]

Die aktuellen Schlagzeilen

 
 

 

News-Archiv

 
Diese Woche
Letzte Woche
Vorletzte Woche
Top News

Weitere Themen