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Kein Jubel für Van Rompuy aus der Türkei

Istanbul (dpa) - Mit der Ernennung Herman Van Rompuys zum ersten ständigen EU-Ratspräsidenten sieht die Türkei Bemühungen um einen Beitritt zur EU weiter erschwert.

Die großen Zeitungen des Landes druckten am Freitag einen Satz, den der Belgier bereits im Dezember 2004 gesagt haben soll. «Die Türkei ist nicht Teil Europas und wird niemals Teil Europas sein», wird der 62-Jährige zitiert. Eine Aufnahme der Türkei bedrohe grundlegende christliche Werte der Europäischen Union.

«Seine einzige Kunst ist die Anfeindung der Türkei», titelt die türkische Zeitung «Vatan» am Freitag. Der Belgier sei «Präsident einer privilegierten Partnerschaft», wie sie Ankara von Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem französische Präsident Nicolas Sarkozy angeboten werde, meint «Hürriyet». Als «schlechte Nachricht» für die Türkei wertet die Zeitung «Radikal» die Entscheidung.

«Politiker kommen und gehen. Sie mögen verschiedene Vorgehensweisen haben, vielleicht aus einem Mangel an Vision. Uns wird das nicht von unserem Weg abbringen», hatte der türkische Staatspräsident Abdullah Gül noch im Mai dieses Jahres an die Adresse Merkels und Sarkozys erklärt. Mit der Entscheidung für Van Rompuys sieht die Türkei die Kräfte, die einen Beitritt der EU ablehnen, nun weiter gestärkt.

Der türkische Außenminister Ahmet Davutoglu wird aber nicht müde, für sein Land zu werben. Eine Aufnahme werde sich für die EU noch als nützlicher erweisen als für die Türkei selbst. Ankara präsentiert sich als Kandidat, der viele wirtschaftliche Chancen bietet und Brücke in den Nahen Osten und die islamische Welt sein will. «Der Beitritt der Türkei zur EU wird den kulturellen kalten Krieg beenden», sagt Davutoglu.

Gleichzeitig hat die islamisch-konservative Regierung ihre Zusammenarbeit mit den Nachbarländern Irak, Syrien und Iran in diesem Jahr kräftig ausgebaut. Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hat vor einigen Tagen versichert, sein Land sei politisch weiter fest im Westen verwurzelt, werde aber dem Osten und Süden nicht den Rücken zuwenden.

EU / Gipfel / Türkei
20.11.2009 · 12:01 Uhr
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