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Karstadt-Mutter Arcandor ist pleite

Arcandor geht in die InsolvenzGroßansicht
Berlin/Essen (dpa) - Es ist die größte Insolvenz der deutschen Nachkriegsgeschichte: 43 000 Beschäftigte der Karstadt-Mutter Arcandor bangen um ihre Jobs. Kurz vor dem Auslaufen lebenswichtiger Darlehen zog Arcandor die Reißleine und stellte für sich und die Töchter Karstadt, Primondo und Quelle Insolvenzanträge.

Kunden sollen dennoch wie gewohnt bei Karstadt einkaufen können. Bundeskanzlerin Angela Merkel verteidigte die Entscheidung, Arcandor keine staatliche Hilfe zu gewähren. Der Konzern um die traditionsreiche Kaufhaus-Kette Karstadt könnte - 128 Jahre nach der Gründung des ersten Hauses - zerschlagen werden.

«Alle Geschäfte laufen ungehindert weiter», sagte Arcandor- Sprecher Gerd Koslowski. Das erfahrene Duo aus Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg und dem eigens ernannten Arcandor-Bevollmächtigten Horst Piepenburg soll unter dem Schutz des Insolvenzverfahrens Arcandor sanieren und möglichst viele Stellen erhalten.

«Heute ist Deutschlands größtes Insolvenzverfahren eingeleitet worden», sagte Piepenburg am Arcandor-Hauptsitz in Essen. «In erster Linie geht es um den Erhalt von Arbeitsplätzen. Und es geht um den Erhalt des Konzerns.» Dazu biete das Insolvenzverfahren gute Möglichkeiten, sagte Piepenburg. «Ich sehe gute Chancen, dass wir unser Ziel erreichen. Ich übernehme keine aussichtslosen Mandate.»

Merkel betonte: «Wir haben immer wieder gesagt, dass der Insolvenzantrag eine Möglichkeit sein kann, auch das Unternehmen auf neue Füße zu stellen und neue Perspektiven zu eröffnen.» Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) kritisierte: «Es ist bedrückend, wenn ein Unternehmen an den Rand der Zahlungsunfähigkeit gewirtschaftet wird.»

Interessenten für fast alle Unternehmensteile stehen bereit. Arcandor-Konkurrent Metro arbeitet weiter mit Hochdruck an der Gründung einer Deutschen Warenhaus AG mit seinen Kaufhof-Häusern und Karstadt. «An unserem Konzept zur Übernahme von etwa 60 Karstadt- Standorten und damit zur Rettung der großen Mehrheit der Arbeitsplätze halten wir unverändert fest», sagte Metro-Sprecher Michael Inacker. Metro habe ein großes Interesse an einer schnellen Lösung zu kommen, damit die Rettung der Warenhäuser nicht durch die Insolvenz bei Arcandor verzögert werde. Am Wochenende hatte auch die Hamburger Otto Group Interesse an Teilen des Arcandor-Konzerns signalisiert.

Der REWE-Konzern ist ebenfalls an Teilen von Arcandor interessiert. Das Unternehmen betreibe in 50 Karstadt-Warenhäusern Perfetto-Märkte und es sei schade, wenn diese Feinkostgeschäfte geschlossen würden, sagte REWE-Chef Alain Caparros in Köln. Bei einem möglichen Verkauf der profitablen Arcandor-Tourismustochter Thomas Cook würde auch REWE eine Übernahme prüfen.

Namentlich stellte der Konzernchef Karl-Gerhard Eick Insolvenzanträge für die Arcandor AG sowie die Töchter Karstadt Warenhaus GmbH, Primondo GmbH und die Quelle GmbH. Die profitable Tourismustochter Thomas Cook, einige Spezialversender wie hessnatur sowie der Homeshopping-Sender HSE24 sind ausdrücklich nicht von den Insolvenzanträgen betroffen.

Um Arcandor langfristig noch einmal auf die Beine zu stellen, hat Konzernchef Karl-Gerhard Eick ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragt. Dazu hat er die operative Führung aus der Hand gegeben und Piepenburg übertragen. Das Essener Amtsgericht hatte kurz zuvor am Dienstagmittag den Kölner Anwalt Klaus Hubert Görg zum vorläufigen Insolvenzverwalter ernannt.

Am Montag hatte der Bund die beantragte Rettungsbeihilfe über 437 Millionen Euro abgelehnt. «Uns waren die Zusagen der Gläubiger und Eigentümer absolut nicht genug, um sich für Arcandor zu engagieren. Wir haben aber auch auf die Steuergelder zu achten», sagte Merkel am Dienstag. Die Arcandor-Spitze hatte zwar in der Nacht zum Dienstag noch mit allen Beteiligten verhandelt, aber auf den angekündigten neuen Antrag auf Staatshilfe verzichtet. An diesem Freitag läuft eine Kreditlinie von 650 Millionen Euro aus.

Handel / Arcandor
09.06.2009 · 23:01 Uhr
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