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Karsai und Rivale Abdullah beanspruchen Wahlsieg

Stimmabgabe im WahllokalGroßansicht
Kabul/Berlin (dpa) - Einen Tag nach der Präsidentschaftswahl in Afghanistan haben sowohl Amtsinhaber Hamid Karsai als auch sein schärfster Rivale, der frühere Außenminister Abdullah Abdullah, den Wahlsieg beansprucht.

«Unsere Zahlen zeigen, dass wir genügend Stimmen haben, um zu gewinnen, ein zweiter Wahlgang ist damit nicht nötig», sagte Karsais Wahlkampfmanager Hadschi Din Mohammad. Ein Sprecher Abdullahs wies die Angaben als «Propaganda» zurück und bezeichnete den Ex-Außenminister als Wahlsieger. Die Unabhängige Wahlkommission (IEC) teilte mit, Ergebnisse, die nicht von der Kommission mitgeteilt würden, seien «nicht verlässlich».

Erste Teilergebnisse der Wahl würden vom kommenden Dienstag an veröffentlicht, sagte einer der IEC-Direktoren, Daoud Ali Nadschafi, in Kabul bei einer Pressekonferenz. Der Wahlgewinner werde aber erst feststehen, wenn alle Stimmen ausgezählt und von der Wahlkommission überprüft worden seien. Anfang September werde ein vorläufiges Ergebnis verkündet werden. Nadschafi wies Medienberichte als voreilig zurück, wonach die Wahlbeteiligung zwischen 40 und 50 Prozent gelegen haben soll. Konkrete Daten zur Wahlbeteiligung lägen der Kommission noch nicht vor, betonte er.

Die EU-Kommission rief die Kandidaten zur Zurückhaltung auf. «Wir möchten derzeit alle Kandidaten ermutigen, den Wahlablauf zu respektieren und keine verfrühten Ankündigungen über einen möglichen Ausgang zu machen», sagte ein Sprecher der Kommission in Brüssel. Die Beobachtermission der EU, die die meisten ausländischen Beobachter stellt, will sich an diesem Samstag in Kabul zum Wahlverlauf äußern. Die Kommission und die schwedische EU-Ratspräsidentschaft gratulierten Afghanistan zu den Wahlen. Die Präsidentschaft sprach von einem «Meilenstein für die Demokratie in Afghanistan».

Karsais Wahlkampfmanager Mohammad erklärte, der Sieg des Präsidenten gehe aus den Daten hervor, die das Wahlkampfteam von den eigenen Beobachtern bei der Stimmenauszählung in den Wahllokalen erhalten habe. Abdullahs Sprecher Sayed Fazel Sangcharaki sagte dagegen, nach ersten Ergebnissen der Wahlkommission aus den meisten Provinzen liege der Herausforderer mit 62 Prozent der Stimmen vor Karsai, der nur 32 Prozent erhalten habe. Aus einigen Provinzen im Süden und Südosten gebe es noch keine Angaben. Dort sei es zu «groß angelegtem und organisiertem Betrug» durch Regierungsbeamte gekommen. Beobachtern im Auftrag Abdullahs sei der Zugang zu Wahllokalen verweigert worden.

Im Südosten des Landes hatten nach Ansicht von Experten auch die Einschüchterungsversuche der Taliban Erfolg. «Ausgenommen von wenigen städtischen Zentren gab es eine sehr geringe Wahlbeteiligung», sagte der Co-Direktor des Afghanistan Analysts Networt, Thomas Ruttig, am Freitag in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. «Die Kampagne der Taliban hat schon ziemlich weit getragen und die Wahlbeteiligung auf jeden Fall gedrückt.» Zudem seien vielerorts Wahllokale geschlossen geblieben, so Ruttig, der die Wahl in der südostafghanischen Provinz Paktia beobachtet hat.

Nach Angaben der Kommission waren am Freitag die Stimmen der Präsidentschaftswahl in den Provinzen ausgezählt. Die Stimmen würden nun zur Überprüfung nach Kabul gebracht und dort im Beisein von Beobachtern erneut geprüft. Das amtliche Endergebnis werde zwischen dem 17. und 21. September veröffentlicht. Sollte keiner der Bewerber um das Präsidentenamt eine absolute Mehrheit erreichen, kommt es nach derzeitiger Planung Anfang Oktober zu einem weiteren Wahlgang. Dann würden nur noch der Spitzenreiter und der Zweitplatzierte antreten. Karsai war als Favorit ins Rennen gegangen. Insgesamt stellten sich 30 Kandidaten den Wählern. Es war die zweite Präsidentenwahl seit dem Sturz des Taliban-Regimes Ende 2001.

300 000 Sicherheitskräfte waren bei der Wahl im Einsatz. Dennoch kamen binnen weniger Stunden mehr als 50 Menschen bei verschiedenen Anschlägen und Gefechten ums Leben, rund die Hälfte davon waren Aufständische. Das britische Verteidigungsministerium teilte am Freitag mit, am Wahltag seien in der südafghanischen Provinz Helmand außerdem zwei britische Soldaten getötet worden. Nach Angaben der Internationalen Schutztruppe ISAF starb am Freitag ein Soldat, der im Osten Afghanistans bei einem Anschlag verletzt worden war. Das afghanische Verteidigungsministerium zählte am Wahltag landesweit insgesamt 135 Zwischenfälle, darunter vier Selbstmordanschläge.

Trotz blutiger Gewalt und Manipulationsvorwürfen wurde der Ablauf der Wahl international gelobt. Obwohl es mehr Zwischenfälle als an anderen Tagen gegeben habe, sei es den afghanischen Sicherheitskräften gelungen, den Menschen die Teilnahme an der Abstimmung zu ermöglichen, sagte ISAF-Kommandeur Stanley McChrysal am Freitag in Kabul.

Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) erklärte in Berlin, die Wahlen hätten in «einem sicheren Umfeld» stattgefunden, so dass 90 Prozent der Wähler in der Lage gewesen seien, ihre Stimme abzugeben. Der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Gernot Erler, wertete die Wahl am Freitag im Deutschlandradio Kultur als Niederlage für die Taliban: «Es ist doch eine große Leistung, unter solchen Umständen - wo brutalste Drohungen im Raum stehen, wo Anschläge nicht nur angedroht, sondern auch durchgeführt worden sind - doch so viele Afghanen den Mut hatten, dann auch zu diesen Wahlen hinzugehen.»

Auch der UN-Sicherheitsrat gratulierte den Afghanen. «Die Mitglieder des Sicherheitsrats beglückwünschen die Menschen in Afghanistan zu ihrer Beteiligung an diesen historischen Wahlen», hieß es in einer in New York verbreiteten Erklärung. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon lobte die Afghanen für ihren Mut, trotz Terrorattacken und Drohungen den Weg in die Wahllokale gewagt zu haben. US-Präsident Barack Obama nannte die Wahl «anscheinend erfolgreich».

Konflikte / Wahlen / Afghanistan
21.08.2009 · 22:44 Uhr
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