News
 

Karsai ruft Taliban erneut zu Verhandlungen auf

Hamid Karsai in der ersten Loja Dschirga nach dem Sturz des Taliban-Regimes am 14. Juni 2002.Großansicht
Kabul (dpa) - Vor dem Ende des gewaltsamsten Jahres seit dem Sturz des Taliban-Regimes in Afghanistan hat Präsident Hamid Karsai die radikal-islamischen Aufständischen erneut zu Friedensverhandlungen aufgefordert.

«Wenn die Taliban unsere Aufrufe zum Frieden Millionen Mal ablehnen, werden wir sie Millionen Mal öfter wiederholen», sagte Karsai bei einem Besuch von NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen am Dienstag in Kabul. «Wenn sie (die Taliban) wollen, dass die ausländischen Truppen Afghanistan früher verlassen, dann sollten sie kommen, verhandeln und Frieden bringen.» Die Taliban haben alle früheren Verhandlungsangebote abgelehnt und machen einen Abzug der ausländischen Truppen zur Vorbedingung für Gespräche.

Rasmussen sagte angesichts der geplanten massiven Truppenverstärkung im kommenden Jahr: «Die Mission geht nun in eine neue Phase, eine Phase, die dem afghanischen Volk mehr Sicherheit und mehr Entwicklung bringen wird.» Zusätzlich zu den derzeit rund 110 000 ausländischen Soldaten in Afghanistan haben die USA die Entsendung von 30 000 Soldaten angekündigt. Andere NATO-Staaten wollen 7000 weitere Soldaten zur Verstärkung der Internationalen Schutztruppe ISAF schicken. «Die ISAF-Mission wird viel größer sein», sagte Rasmussen. «Wir werden uns mehr darauf konzentrieren, die Bevölkerung zu schützen, die Straßen zu schützen und Entwicklungsprojekte zu schützen.»

Rasmussen betonte bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit Karsai, die NATO werde Afghanistan nicht «zu früh» verlassen. «Die Internationale Gemeinschaft wird an Ihrer Seite stehen, wird Sie schützen und dabei helfen, das Land wiederaufzubauen, bis Sie auf ihren eigenen Füßen stehen können.» Die Übergabe von Verantwortung an die afghanischen Sicherheitskräfte werde sich an der Lage und nicht am Kalender orientieren. «Wir bezahlen wie auch das afghanische Volk und die afghanischen Sicherheitskräfte einen hohen Preis», sagte Rasmussen. «Aber wir wissen, dass der Preis bei einem verfrühten Abzug weitaus höher wäre.»

US-Präsident Barack Obama hatte angekündigt, nach der nun geplanten Verstärkung bereits ab Mitte 2011 wieder Truppen abzuziehen. Kritiker bemängeln, durch Abzugsankündigungen würden die Taliban in ihrem Kampf zum Durchhalten ermutigt. Die NATO-geführte ISAF teilte am Dienstag mit, bei einem Gefecht im Süden Afghanistans sei bereits am Sonntag ein britischer Soldat getötet worden. Beim Einsatz in Afghanistan starben seit Jahresbeginn nach Angaben des unabhängigen Internetdienstes icasualties.org 489 ausländische Soldaten, so viele wie in keinem Jahr zuvor seit dem Sturz der Taliban Ende 2001.

Der Sprecher der Bundesregierung, Ulrich Wilhelm, betonte unterdessen, eine Entscheidung über eventuelle Gespräche mit gemäßigten Taliban werde die deutsche Regierung nicht vor der Londoner Afghanistan-Konferenz entscheiden. Es werde keinen nationalen Alleingang geben, versicherte Wilhelm am Dienstag in Berlin. Entscheidend für die Aufnahme von Gesprächen sei die Achtung der afghanischen Verfassung seitens der Gesprächspartner sowie deren Bereitschaft zum Gewaltverzicht.

Konflikte / NATO / Afghanistan
22.12.2009 · 14:45 Uhr
[0 Kommentare]

Die aktuellen Schlagzeilen

 
 

News-Suche

 

News-Archiv

 
Diese Woche
Letzte Woche
Vorletzte Woche
Top News

Weitere Themen