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Karsai ruft «Hohen Friedensrat» ins Leben

Der afghanische Staatspräsident Hamid Karsai (M.) betet mit Mitgliedern des neuen «Hohen Friedensrates».Großansicht

Kabul (dpa) - Der afghanische Staatspräsident Hamid Karsai geht erneut auf die Taliban zu. Mit Hilfe eines unabhängigen «Hohen Friedensrates» sollen die Aufständischen an den Verhandlungstisch gebracht und damit der seit Ende 2001 andauernde Konflikt am Hindukusch beendet werden.

Am neunten Jahrestag des Kriegsbeginns in Afghanistan rief Karsai offiziell einen «Hohen Friedensrat» ins Leben und forderte die Taliban eindringlich zum Ende der Gewalt auf. «Die Menschen in jedem Dorf und in jedem Distrikt hoffen darauf, dass durch Ihren Einsatz ein dauerhafter Frieden in diesem Land erreicht werden kann», sagte Karsai am Donnerstag in Kabul vor den 70 Mitgliedern des Gremiums.

Der Friedensrat soll unabhängig von der Regierung agieren und Gespräche mit den radikal-islamischen Aufständischen vorantreiben. Karsai hatte die Mitglieder des Rates in der vergangenen Woche ernannt. Darunter sind zwei Ex-Präsidenten, Stammesführer sowie frühere Angehörige des Ende 2001 gestürzten Taliban-Regimes.

Der NATO-Angriff auf das Regime der Gotteskrieger am 7. Oktober 2001 war eine Reaktion auf die Terroranschläge vom 11. September in New York und Washington. Die USA hatten den Taliban vorgeworfen, das für die Anschläge verantwortliche Terrornetzwerk Al-Kaida zu unterstützen. Trotz massiver internationaler Militärpräsenz gelang es den Aufständischen in den letzten Jahren jedoch, sich zu reorganisieren und die Gewalt im Land mit Anschlägen und Angriffen neu zu entfachen.

Weiter sagte Karsai: «Ich rufe die Taliban sowie all jene, die gegen unsere Regierung sind, dazu auf, dem Ruf des Friedens zu folgen und mitzuhelfen, Frieden in unser Land zu bringen.» Die «Washington Post» hatte kürzlich berichtet, Regierung und hochrangige Taliban-Vertreter hätten bereits Geheimverhandlungen aufgenommen.

Der afghanische Präsident setzt sich seit langem für Gespräche mit den Aufständischen im Land ein. Erst im Juni hatten Hunderte Delegierte aus dem ganzen Land während einer «Friedens-Dschirga» die Regierung offiziell zur Gründung des «Hohen Friedensrates» und zu Verhandlungen mit den Taliban über ein Ende des Konflikts aufgerufen.

Die Taliban lehnten bislang alle Offerten ab, unter anderem weil Karsai von ihnen verlangt, die in weiten Teilen westlich geprägte Verfassung zu akzeptieren. Karsai weist seinerseits die Forderung der Extremisten zurück, dass vor möglichen Gesprächen zunächst alle internationalen Truppen aus Afghanistan abziehen müssten.

Ungeachtet dessen will die Regierung bis 2015 mit einem Aussteigerprogramm etwa 36 000 Taliban-Mitläufer in die Gesellschaft reintegrieren. Ranghohen Kommandeuren soll Straffreiheit und Exil in einem sicheren Drittstaat in Aussicht gestellt werden. Nach dem Willen Kabuls soll die Staatengemeinschaft für das Programm fast 600 Millionen Euro zur Verfügung stellen. Karsai hatte den Vorschlag im Juli während einer internationalen Konferenz in Kabul unterbreitet.

Konflikte / Afghanistan
07.10.2010 · 21:48 Uhr
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