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Karsai: Keine Kandahar-Offensive ohne Zustimmung

Der afghanische Präsident Hamid Karsai hat den Start einer geplanten Großoffensive von der Zustimmung örtlicher Stammesführer abhängig gemacht.Großansicht
Washington/Kabul (dpa) - Der afghanische Präsident Hamid Karsai hat den Start einer geplanten Großoffensive gegen die Taliban in Kandahar von der Zustimmung örtlicher Stammesführer abhängig gemacht.

«Ohne eure Einwilligung wird es in Kandahar keine Militäroperation geben», sagte Karsai nach einen Bericht des Senders CNN am Sonntag vor mehr als 1000 Stammesältesten in der südlichen Unruheprovinz. US-Generalstabschefs Mike Mullen hatte erst vor wenigen Tagen in Kabul angekündigt, internationale und afghanische Truppen würden in den kommenden Monaten in Kandahar massiv gegen die Taliban vorgehen.

Bereits vor Beginn des Osterwochenendes hatte Karsai mit heftigen Vorwürfen über ausländische Wahlmanipulation für Ärger in Washington gesorgt. Unmittelbar danach mühte er sich jedoch in aller Stille um Schadensbegrenzung. In einem Telefonat mit US-Außenministerin Hillary Clinton bestritt er, bei seiner Kritik die USA überhaupt im Visier gehabt zu haben. Gemeint gewesen seien stattdessen die westlichen Medien und ihre Berichterstattung über die Präsidentenwahl im vergangenen Jahr. Wie die «New York Times» berichtete, reagierte Clinton allerdings eher kühl und gab Karsai zu verstehen, man solle sich «nunmehr auf die vor uns liegende Arbeit konzentrieren».

Zuvor hatte Washington in ungewöhnlich schroffer Form auf die Vorhaltungen Karsais reagiert, wonach Ausländer hinter den massiven Manipulationen bei der Präsidentenwahl im August vergangenen Jahres steckten. «Die Annahme, dass die internationale Gemeinschaft in irgendeiner Weise für die Unregelmäßigkeiten bei der Wahl verantwortlich sein könnte, ist grotesk», meinte Philip Crowley, Sprecher des State Departement.

Auf Karsais Rede in Kandahar gab es zunächst keine offizielle Reaktion aus Washington. Der Kommandeur der internationalen Truppen in Afghanistan, US-General Stanley McChrystal, sagte indes gegenüber CNN, er denke weniger über die Worte von Menschen nach als vielmehr über deren Taten. Vor diesem Hintergrund bewerte er die «Partnerschaft» mit Präsident Karsai als zufriedenstellend.

Nach der Offensive «Muschtarak» («Gemeinsam)» in der Provinz Helmand soll in den kommenden Monaten auch in Kandahar verstärkt gegen die Aufständischen vorgegangen werden. US-Generalstabschefs Mullen hatte erklärt, Kandahar sei das Herzland der Taliban und daher «Grundpfeiler unserer verstärkten Anstrengungen» gegen die Extremisten. Ein Großteil der etwa 30 000 zusätzlichen US-Soldaten werde daher vor allem in dieser Region zum Einsatz kommen.

Die US-Regierung ist seit längerem von der Amtsführung Karsais enttäuscht. Sie wirft ihm Laxheit vor und mahnt eine härtere Gangart bei Bekämpfung von Korruption und Opiumanbau an. Auch die afghanischen Sicherheitskräfte sind nach Ansicht Washingtons längst nicht auf dem Stand, auf dem sie sein sollten. Als die UN schwere Manipulationen bei den Wahlen aufdeckte und rund ein Drittel der Stimmen annullierte, fiel Karsai noch mehr in Ungnade. Erst kürzlich war Präsident Barack Obama in Kabul, um Karsai ins Gewissen zu reden.

Karsai räumte in seiner umstrittenen Rede zwar ein, dass es Wahlbetrug gegeben habe, stritt aber jede Schuld ab. «Nicht die Afghanen haben diesen Betrug begangen, die Ausländer waren das.» Gleichzeitig warf er dem Westen vor, sie wollten die im September geplante Parlamentswahl stoppen.

Namentlich machte Karsai den früheren stellvertretende UN-Sondergesandten Peter Galbraith und den Franzosen Philippe Morillon, der Chef der Beobachterkommission der Europäischen Union war, verantwortlich. «Galbraith und Morillon waren das und die Botschaften», sagte Karsai, ohne Einzelheiten zu nennen.

Wahlen / Konflikte / Afghanistan / USA
05.04.2010 · 21:42 Uhr
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