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Karsai gegen neue US-Strategie

General Petraeus trifft KarsaiGroßansicht
Kabul/Washington/Berlin (dpa) - Der neue US-Oberbefehlshaber in Afghanistan, David Petraeus, ist mit einem Plan zur Bekämpfung der Taliban bei Präsident Hamid Karsai auf starken Widerstand gestoßen.

Nach einem Bericht der «Washington Post» kam es beim ersten Treffen der Beiden in der vergangenen Woche zu Spannungen. Demnach äußerte Karsai erhebliche Einwände gegen den US-Plan, afghanischen Dorfbewohnern verstärkt dabei zu helfen, die Taliban in eigener Regie zu bekämpfen. Die Bundeswehr setzte unterdessen im Norden des Landes erstmals Artillerie gegen Aufständische ein.

Der von Karsai kritisierte Plan wurde von Stanley McChrystal, dem im Juni entlassenen Vorgänger von General Petraeus, entwickelt und wird nach Angaben der «Washington Post» bereits an etwa einem Dutzend Orten in Afghanistan umgesetzt. Petraeus will diese Zahl verdoppeln, aber beißt damit anscheinend bei Karsai auf Granit. Es gebe Bedenken, dass ein derartiges Vorgehen das Problem unkontrollierbarer Milizen und Kriegsherren noch vergrößere, schreibt die Zeitung.

In einem Gefecht in der nördlichen Provinz Kundus feuerte die Bundeswehr am Samstag erstmals fünf Schuss mit Panzerhaubitzen ab. Das schwere Geschütz sei zum Einsatz gekommen, um die Bergung eines bei einem Bombenanschlag beschädigten Fahrzeugs zu ermöglichen, sagte ein Sprecher des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr in Potsdam am Sonntag. Es war nach Einschätzung von Experten der erste Einsatz von schwerer Artillerie in der Geschichte der Bundeswehr überhaupt.

Im Unruhedistrikt Char Darah, der als besonders gefährlich gilt, waren bei der Detonation von zwei Sprengfallen am Samstag zwei Bundeswehrsoldaten leicht verletzt und Fahrzeuge beschädigt worden. Das Artilleriegeschütz vom Typ Panzerhaubitze 2000 war Ende Mai nach Afghanistan verlegt worden, um den 4500 deutschen Soldaten in den immer häufigeren Gefechten mit den Taliban Rückendeckung zu geben.

Bei weiteren Anschlägen und Kämpfen in Afghanistan wurden am Wochenende mindestens 19 Menschen getötet, darunter sechs ausländische Soldaten und ein Regionalpolitiker. Die NATO-Soldaten starben nach Angaben der Internationalen Schutztruppe ISAF, bei Bombenanschlägen im Süden und Osten des Landes. Einzelheiten nannte die ISAF wie üblich nicht.

In der Provinz Kundus kam am Samstag der Verwaltungschef eines Distrikts ums Leben, als dessen Auto von einem Sprengsatz getroffen wurde. Wie Gouverneur Mohammad Omar mitteilte, starb auch dessen Fahrer. Die Taliban bekannten sich zu der Tat. Unweit der Grenze zu Tadschikistan töteten Aufständische nach Angaben des Gouverneurs zudem sechs Polizisten. Fünf weitere Sicherheitskräfte starben nach Polizeiangaben bei einem Bombenanschlag in der nordöstlichen Provinz Badachschan, die wie Kundus zum Einsatzgebiet der Bundeswehr gehört.

Konflikte / Bundeswehr / Afghanistan
11.07.2010 · 15:27 Uhr
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