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Karsai: Der Westen hat es begriffen

Karsai und MerkelGroßansicht
Hamburg/Kabul (dpa) - Der afghanische Präsident Hamid Karsai will an seinem Kurs festhalten, die Taliban in das Konzept zur Befriedung seiner Heimat einzubinden.

Vor allem habe der Westen bei der Afghanistan-Konferenz in London «endlich» begriffen, wie wichtig ein Aussöhnungsprogramm mit den Taliban für Afghanistan sei, sagte Karsai in einem Interview des Nachrichtenmagazins «Der Spiegel».

Die Taliban halten davon offensichtlich aber nichts. Sie bekräftigten ihr Festhalten am «Heiligen Krieg gegen alle Invasoren». In einer am Samstag in Kabul verbreiteten Erklärung dementierte die Führung der radikal-islamischen Taliban jede Friedensabsicht oder - bereitschaft.

Berichte vom Vortag über ein angebliches Treffen der Taliban- Führung mit dem Afghanistan-Beauftragten der UN, Kai Eide, wurden als «sinnlose und gegenstandslose Gerüchte» bezeichnet. Nach diesen Berichten soll Eide Anfang Januar in Dubai mit Vertretern der Taliban zusammengekommen sein.

Karsai sagte dem «Spiegel», der Westen habe erst jetzt erkannt, dass sich der Antiterrorkampf nicht gegen afghanische Dörfer richten dürfe, sondern gegen die «Rückzugsgebiete, die Trainingscamps, die finanziellen Unterstützer» der Terroristen. «Hätten die Verbündeten das schon vor acht Jahren eingesehen, stünden wir heute besser da. Leider haben nicht alle auf uns gehört», sagte Karsai.

Unterdessen haben US-Spezialkräfte einen Posten der afghanischen Armee mit einem Rebellen-Stützpunkt verwechselt und vier verbündete Soldaten getötet. Weitere sieben afghanische Soldaten wurden bei dem Zwischenfall in der zentralafghanischen Provinz Wardak verwundet, berichtete ein Sprecher des dortigen Gouverneurs.

Obwohl die Untersuchung noch nicht abgeschlossen sei, werde von einem «Missverständnis» zwischen den Verbündeten ausgegangen. Die US- Spezialeinheit sei im Dunkeln von einem Auftrag zurückgekehrt und dabei auf den erst vor kurzem errichteten Stützpunkt der Afghanen gestoßen. Bei dem Gefecht seien die US-Soldaten auch von einem Kampfbomber der NATO unterstützt worden.

Das Verteidigungsministerium in Kabul verurteilte den Vorfall. Die Verantwortlichen müssten nach den Militärgesetzen zur Rechenschaft gezogen werden. Die Hintergründe werden sowohl von örtlichen afghanischen Behörden wie auch von der NATO untersucht.

In einem davon unabhängigen Vorfall töteten NATO-Soldaten zwei Zivilisten in der südafghanischen Provinz Ghazni. Der Fahrer eines Wagens habe Warnschüsse missachtet und sich mit seinem Auto weiter den NATO-Kräften genähert.

Im Osten Afghanistans kamen am Samstag zwei US-Soldaten und ein US-Zivilangestellter ums Leben. Nähere Angaben zu dem Zwischenfall wurden von NATO-Militärsprechern in Kabul zunächst nicht gemacht.

Konflikte / Afghanistan
30.01.2010 · 14:38 Uhr
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