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Karsai baut Vorsprung vor Abdullah aus

Mitarbeiterinnen der Wahlkommission in Kabul.
Kabul (dpa) - Sechs Tage nach der Präsidentschaftswahl in Afghanistan hat Amtsinhaber Hamid Karsai den zunächst knappen Vorsprung vor seinem Herausforderer Abdullah Abdullah deutlich ausgebaut.

Die Unabhängige Wahlkommission (IEC) teilte am Mittwoch nach Auszählung der Stimmen aus rund einem Sechstel der Wahllokale mit, Präsident Karsai komme nun auf 44,8 Prozent; Ex-Außenminister Abdullah folge mit 35,1 Prozent der Stimmen, von denen bislang 941 797 ausgezählt worden seien. Wegen der geringen Zahl der bislang ausgezählten Stimmen sind die Angaben begrenzt aussagekräftig.

Sollte sich der Trend fortsetzen, würde Karsai weiterhin nicht auf eine absolute Mehrheit im ersten Wahlgang kommen. Dann wäre Anfang Oktober ein zweiter Wahlgang zwischen dem Spitzenreiter und dem Zweitplatzierten notwendig. Ein vorläufiges Endergebnis soll Anfang September vorliegen. Bei der Veröffentlichung der ersten Ergebnisse am Dienstag hatte Karsai nur mit knapp zwei Prozentpunkten vor Abdullah geführt. In absoluten Zahlen kommt Karsai nach IEC-Angaben inzwischen auf 422 137 Stimmen; Abdullah gewann demnach 330 711 Stimmen.

Abdullah hat dem Karsai-Lager Manipulationen vorgeworfen. Bei der Beschwerdekommission waren bis Dienstag beinahe 800 Einsprüche zu Wahl und Stimmenauszählung eingegangen. Kurz nach Veröffentlichung der ersten Teilergebnisse am Dienstagabend war es in der südafghanischen Stadt Kandahar zu einem schweren Anschlag mit mehr als 40 Toten gekommen. Die Taliban, die zu einem Boykott der Wahl aufgerufen und Wähler bedroht hatten, wiesen am Mittwoch jede Verantwortung für den verheerenden Anschlag zurück.

«Wir verurteilen den Angriff scharf», sagte Taliban-Sprecher Kari Jussif Ahmadi der Deutschen Presse-Agentur dpa. Die NATO wies die Behauptung der Taliban zurück. «Die Taliban können ihre Hände nicht in Unschuld waschen», sagte NATO-Sprecher James Appathurai in Brüssel. Die Aufständischen haben in der Vergangenheit häufiger die Verantwortung für Anschläge von sich gewiesen, bei denen sich nach der Tat herausstellte, dass viele Zivilisten ums Leben kamen.

Die Zahl der Toten bei dem schwersten Anschlag in Afghanistan seit Monaten stieg unterdessen weiter an. Das Innenministerium teilte mit, 43 «unschuldige afghanische Bürger» seien getötet und 65 weitere verletzt worden. Ein Hotel und zwölf Wohnhäuser seien bei dem «anti-islamischen Angriff» in der früheren Taliban-Hochburg vollständig zerstört worden. Zum Zeitpunkt der Detonation hatten sich viele Afghanen zum abendlichen Fastenbrechen während des Ramadans in ihren Häusern oder in Restaurants versammelt. Nach Angaben der Provinzregierung in Kandahar sind unter den Toten vier pakistanische Mitarbeiter einer japanischen Baufirma.

Der Polizeikommandeur der Südregion, Gholam Ali Wahdat, sagte, der Sprengstoff sei in einem Lastwagen versteckt gewesen. Die Behörden hatten zunächst von mehreren Autobomben gesprochen. Neben Präsident Karsai verurteilten die Vereinten Nationen, die USA und die EU den Anschlag. Karsais Büro teilte am Mittwoch mit, der Präsident habe ein Dringlichkeitstreffen mit den Sicherheitsbehörden in Kabul einberufen und eine Entschädigung von 500 Dollar für die Angehörigen jedes Opfers angeordnet. Innenminister Mohammad Hanif Atmar sei für eine eingehende Untersuchung der Tat nach Kandahar entsandt worden.

Bei einem Bombenanschlag der Taliban am nordafghanischen Bundeswehr-Standort Kundus wurde am Mittwoch der Chef der Provinz-Justizbehörde getötet. Ein Sprengsatz sei am Morgen in dem Wagen von Kari Dschahangir in Kundus-Stadt explodiert, als der Behördenchef auf dem Weg zur Arbeit gewesen sei, sagte Provinz-Polizeichef Abdul Rasak Jakubi der dpa. Dschahangir sei der einzige Insasse des Autos gewesen, das bei der Detonation in Brand geraten sei. Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid sagte, Kämpfer der Aufständischen hätten die Bombe in dem Wagen versteckt und ferngezündet.

Konflikte / Wahlen / Afghanistan
26.08.2009 · 16:17 Uhr
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