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Kämpfe im Regierungsviertel von Damaskus

Bombe DamaskusGroßansicht

Damaskus/Beirut (dpa) - In Syrien haben die Rebellen die Kämpfe mitten in die streng abgeschirmten Regierungsviertel von Damaskus getragen. Vor einer Kommandozentrale der syrischen Armee explodierte am Morgen eine Bombe.

Stunden später griffen Aufständische mit Panzerfäusten die iranische Botschaft und die syrische Regierungszentrale an. Syrien steht vor der Aussetzung seiner Mitgliedschaft in der Organisation der Islamischen Kooperation (OIC). Die USA warnen den Iran vor einer Einmischung in den Konflikt.

Das staatliche syrische Fernsehen berichtete nach dem Bombenanschlag von drei Verletzten, zeigte Schäden an der Fassade und Feuerwehrfahrzeuge beim Löschen eines Brandes neben dem Gebäude. Der Sprengsatz war in einem Tanklaster auf dem Parkplatz versteckt. In der Nähe befindet sich auch das Dama Rose Hotels, in dem die Mitglieder der UN-Beobachtermission untergebracht sind. Die gesamte Umgebung gilt als schwer abgesichert. Die UN-Beobachter blieben nach syrischen Regierungsangaben unverletzt.

Über den Angriff auf die iranische Botschaft und das Ministerpräsidentenamt berichteten syrische Menschenrechtsbeobachter in London. Regimetruppen hätten mit schweren Waffen den Kampf mit den Aufständischen aufgenommen, hieß es in ihrem Bericht. Angaben über Opfer lagen zunächst nicht vor.

Zum Bombenanschlag bekannte sich die Rebellen-Armee FSA (Freie Syrische Armee). «Diese Operation war eine Antwort auf die im ganzen Land von den Sicherheitskräften verübten Morde», sagte ein Sprecher dem Fernsehsender Al-Dschasira. Zuletzt waren am 18. Juli vier führende Vertreter des Sicherheitsapparates bei einem Bombenanschlag im Inneren des Gebäudes des nationalen Sicherheitsrates getötet worden, unter ihnen der Verteidigungsminister und ein Schwager von Machthaber Baschar al-Assad.

US-Verteidigungsminister Leon Panetta sagte in Washington, es gebe Hinweise, dass der Iran gegenwärtig versuche, in Syrien Milizen aufzustellen und zu trainieren. Diese sollten auf der Seite der Regierungstruppen kämpfen. «Wir sehen einen steigenden Einfluss des Irans, und das gibt Anlass zu tiefer Sorge.» Zugleich hob die US-Regierung am Dienstag ihre Sanktionen gegen den syrischen Ex-Ministerpräsidenten Riad Hidschab auf, der zur Opposition übergelaufen und nach Jordanien geflohen war.

Das Regime in Damaskus wird indes von der Islamstaaten-Konferenz gemaßregelt. Die saudische Tageszeitung «Al-Hayat» zitierte aus einem Entwurf des Schlussdokuments für das Gipfeltreffen der Organisation, das derzeit in der heiligen saudischen Stadt Mekka stattfindet. Der Resolutionsentwurf, der in der Nacht zum Donnerstag angenommen werden sollte, bezeichnet das Assad-Regime als «illegitim». Es müsse die Anwendung von Gewalt und die Verletzung der Menschenrechte «unverzüglich stoppen», heißt es darin weiter.

Der OIC gehören 57 islamische Staaten an. Für die Billigung des Beschlusses über die Aufhebung der syrischen Mitgliedsrechte ist eine Zweidrittelmehrheit erforderlich. Diese gilt als so gut wie sicher. Saudi-Arabien, das die Rebellen in Syrien unterstützt, dominiert die OIC. An dem zweitägigen Treffen in Mekka nimmt mit dem iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad aber auch der engste Verbündete des Assad-Regimes in der Region teil.

Kampfjets des Regimes sollen in der umkämpften Stadt Aleppo ein von den Aufständischen beherrschtes Krankenhaus angegriffen haben, sagte ein Mitarbeiter der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch. Das klar gekennzeichnete Al-Schifaa-Spital im Stadtteil Al-Schaar sei zweimal in drei Tagen mit Raketen beschossen worden. Dies sei kein Zufall, sagte der Mitarbeiter. Angriffe auf Krankenhäuser verstoßen gegen das Kriegsrecht.

Kriegsverbrechen werden in Syrien nach Erkenntnissen unabhängiger Ermittler nicht allein vom Assad-Regime begangen, sondern auch von der bewaffneten Opposition. Allerdings sei das Ausmaß der von Rebellen verübten Mordtaten deutlich geringer als die systematischen und zielgerichteten Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die von Regierungstruppen und den mit ihr verbündeten Schabiha-Milizen verübt werden, hieß es in einem am Mittwoch in Genf veröffentlichten Bericht der unabhängigen Syrienkommission des UN-Menschenrechtsrates.

Seit Beginn des Syrienkonflikts im März 2011 starben nach UN-Schätzungen mindestens 17 000 Menschen, Oppositionsgruppen sprechen sogar von mehr als 20 000 Toten. Die Zahl der Flüchtlinge steigt täglich; allein im Nachbarland Türkei sollen es inzwischen mehr als 61 000 sein. Türkische Zeitungen berichteten, die Regierung habe den Bau von Unterkünften für weitere 40 000 Syrer angeordnet. In der Türkei gibt es zudem Überlegungen, auf syrischer Seite eine Schutzzone einzurichten, sollte es zu einem Massenandrang von Flüchtlingen kommen.

Konflikte / Syrien / Jordanien
15.08.2012 · 18:56 Uhr
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