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Kälterekord - und der Frost hält an

Eis auf der AußenalsterGroßansicht
Hamburg (dpa) - Die kälteste Nacht des Jahres im Norden, «kältefrei» bei der Arbeit und Pannenhelfer im Dauerstress - und es es soll noch frostiger werden. An den Flughäfen in München und Frankfurt fielen am Dienstag wieder Flüge aus, viele Passagiere mussten warten.

Die Bahn kämpfte mit eingefrorenen Weichen und Autofahrer mit glatten Straßen. Die Berliner flüchten vor den eisigen Temperaturen schon ins warme Schwimmbad, die Hamburger hoffen auf das «Alstereisvergnügen». Viele Wildtiere dagegen kämpfen ums Überleben.

Überfrierender Nieselregen führte am Dienstag in ganz Baden-Württemberg zu Verkehrsunfällen. Bei Marbach am Neckar und auf der Autobahn bei Pforzheim kamen zwei Menschen ums Leben, wie die Polizei mitteilte. Auch in Bayern störten langanhaltende Schneefälle den Straßen- und Flugverkehr stark. Zum Wochenende erwarten die Meteorologen im Bayerischen Wald bis zu 50 Zentimeter Neuschnee. Am Münchner Flughafen wurden nach Angaben eines Sprechers rund 60 Flüge gestrichen. Auch am Frankfurter Flughafen gab es erneut Ausfälle. Am Morgen seien 17 Flüge betroffen gewesen, berichtete eine Sprecherin.

Die Mitarbeiter der Stadtverwaltung im niedersächsischen Vienenburg bekamen am Montag einen Tag «kältefrei». Nachdem die Heizung ausgefallen war, sank die Raumtemperatur in den Büros teilweise auf den Gefrierpunkt. «Bei null Grad kann man nicht lange arbeiten», sagte Bürgermeisterin Astrid Eltner.

Davon können die Pannenhelfer derzeit nur träumen. Wegen schlapper Batterien, eingefrorener Türen und kaputter Kühler leisten die Helfer des ADAC zurzeit Rekordarbeit. «Wir haben im Moment alles draußen, was Räder und Beine hat», berichtete ein ADAC-Sprecher in Hamburg. Auch die Patientenzahlen im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) sind stark gestiegen. «Die Unfallchirurgen versorgen derzeit doppelt so viele Patienten wie an anderen Tagen», sagte Sprecherin Christine Jähn. Auffallend hoch ist die Zahl von Knochenbrüchen, Gehirnerschütterungen und mit Prellungen.

Temperaturen um minus 21 Grad wurden am Dienstagmorgen in Mecklenburg-Vorpommern und im Osten Brandenburgs gemessen. «Dagegen ist es auf der Zugspitze mit minus 15 Grad warm», sagte Thomas Globig vom Wetterdienst Meteomedia. «Kälte-Spitzenreiter» dieses Winters im Nordosten waren Ueckermünde mit 21,3 Grad und Goldberg mit 21 Grad unter Null. Zuletzt wurden im Nordosten 2006 und 1997 solche Minusgrade gemessen.

Der Norden erlebte vielerorts die kälteste Nacht des Jahres. Die Hamburger hoffen jetzt auf das «Alstereisvergnügen» an diesem Wochenende. Voraussetzung für die 150 Buden auf der Außenalster ist ein zwanzig Zentimeter dickes Kerneis an 50 verschiedenen Mess-Stellen. Beim letzen Eisvergnügen 1997 strömten an drei Tagen rund eine Million Menschen auf die zugefrorene Alster. Das Eis auf der Nordsee hat inzwischen die Halligen Hooge und Langeneß vom Schiffsverkehr abgeschnitten.

Die Berliner wärmen sich derweil im Schwimmbad auf. Die Besucherzahlen erhöhten in diesem Januar im Vergleich zum Vorjahresmonat um zehn Prozent, sagte ein Sprecher der Bäderbetriebe. «Die Sehnsucht nach Wärme ist stark gestiegen.» Auch die Energieversorger freuen sich: Rekordverdächtige Minustemperaturen kurbeln in Niedersachsen und Bremen den Gas- und Fernwärmeverbrauch an. «Wir gehen von einem deutlichen Mehrabsatz im zweistelligen Prozentsatz aus», sagte Christian Blömer vom Oldenburger Energieversorger EWE.

Den Tieren setzt der anhaltende strenge Winter dagegen stark zu. Durch die harte, vereiste Schneedecke könnten sich vor allem Rehe an den Läufen und am Mund verletzten und fänden nicht genug Nahrung, sagte ein Sprecher des Landesjagdverbandes Brandenburg. Die ersten Landkreise haben inzwischen die «Notzeit für Wildtiere» ausgerufen. Jäger füttern in diesem Fall die Tiere mit Heu, Eicheln oder Kastanien. Nach dem Willen der rheinland-pfälzischen Jäger sollte das gesetzliche Fütterungsverbot für Wildtiere häufiger gelockert werden.

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26.01.2010 · 17:13 Uhr
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