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Kaczynski geht vor Stichwahl in Offensive

Bronislaw KomorowskiGroßansicht
Warschau (dpa) - Nach dem guten Abschneiden beim ersten Durchgang der Präsidentenwahl in Polen geht der nationalkonservative Kandidat Jaroslaw Kaczynski in die Offensive.

Es sei höchste Zeit für eine direktes Fernsehduell zwischen Kaczynski und seinem Konkurrenten Bronislaw Komorowski, sagte Kaczynskis Wahlkampfleiterin am Montag in Warschau. Über die Nachfolge des tödlich verunglückten Präsidenten Lech Kaczynski wird am 4. Juli in einer Stichwahl entschieden.

Beim ersten Wahlgang am Sonntag hatte der amtierende Parlamentspräsident und Regierungskandidat Komorowski die absolute Mehrheit verfehlt. Nach Auszählung fast aller Stimmen lag der liberalkonservative Komorowski am Montag mit 41,22 Prozent in Führung. Auf Jaroslaw Kaczynski, den Zwillingsbruder des im April bei einem Flugzeugabsturz getöteten Präsidenten Lech Kaczynski, entfielen nach Angaben der Staatlichen Wahlkommission in Warschau 36,74 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei 55 Prozent.

Kaczynskis Wahlkampfchefin Joanna Kluzik-Rostkowska forderte am montag zwei Fernsehduelle über Sozial- und Außenpolitik sowie zu Wirtschaftsthemen in der kommenden Woche. Die Gegenseite meide aber direkte Kontakte, kritisierte sie. Kurz darauf schlug der Wahlkampfchef von Komorowski, Slawomir Nowak, eine Debatte über die Familienpolitik vor.

Unterdessen gingen die beiden verbliebenen Kandidaten sofort wieder auf Stimmenfang. Um ihre Erfolgsaussichten bei der Stichwahl zu verbessern, versuchen sie nun, die ausgeschiedenen Bewerber auf ihre Seite zu ziehen. Vor allem der linke Kandidat, Grzegorz Napieralski, wird stark umworben. Er landete mit 13,6 Prozent auf dem dritten Platz. Den Anhängern der Linken kommt bei der Stichwahl nun eine Schlüsselrolle zu.

Am Sonntag waren insgesamt zehn Kandidaten angetreten, allerdings wurden von Anfang an nur dem Parlamentspräsidenten und dem Bruder des verunglückten Präsidenten Chancen eingeräumt. Nach einer Umfrage des Instituts Millward Brown SMG/KRC dürfte Komorowski den zweiten Durchgang mit 53,7 Prozent klar gegen Kaczynski (39,1) gewinnen. In den verbleibenden zwei Wochen könnte sich die Prognose aber noch verschieben.

Komorowski sagte in einer ersten Reaktion, er fühle sich nach seinem Etappensieg glücklich und erfüllt. «Ich danke und bitte um mehr», sagte der 58-Jährige in Warschau. Er appellierte an seine Wähler, sich nun auf die Stichwahl zu konzentrieren. Vor der Wahl vom Sonntag hatten einige Umfragen für Komorowski ein Ergebnis von «50 plus» ermittelt. «Das Ergebnis fiel geringer als erwartet aus», kommentierte der Politologe Kazimierz Kik.

Kaczynski gab sich vor seinen Anhängern am Wahlabend siegessicher. «Den Schlüssel zum endgültigen Sieg ist unser Glaube, dass wir siegen können», sagte der 61-jährige Oppositionsführer. «Wir müssen für das Vaterland siegen», sagte er. «Alles für Polen, weil Polen am wichtigsten ist.» Kaczynskis Anhänger verweisen auch auf die Situation vor fünf Jahren. Im Herbst 2005 hatte der heutige Regierungschef Donald Tusk als damaliger Präsidentenbewerber die erste Runde gegen Lech Kaczynski gewonnen. Zwei Wochen später verlor er das Rennen doch noch.

Damals konnte Kaczynski linke Wähler auf seine Seite ziehen. Auch diesmal wirbt sein Bruder um die Linke und lobt ihre Ideen für eine Gesundheitsreform. Linken-Kandidat Napieralski wollte sich aber zunächst nicht für die Stichwahl festlegen. Er müsse zunächst seine Wähler fragen, sagte er in einem Fernsehinterview.

Lech Kaczynski war am 10. April bei einem Flugzeugabsturz in Russland ums Leben gekommen. Seitdem führt Komorowski kommissarisch die Geschäfte des Präsidenten. Der kurze Wahlkampf verlief im Zeichen der Trauer. Ursprünglich sollte ein neues Staatsoberhaupt erst im Herbst gewählt werden.

Anders als in Deutschland hat das polnische Staatsoberhaupt laut Verfassung einen wesentlichen Einfluss auf die Sicherheits- und Außenpolitik. Er ist auch der Oberbefehlshaber der Streitkräfte und entscheidet über militärische Auslandseinsätze.

Staatliche polnische Wahlkommission

Wahlen / Präsident / Polen
21.06.2010 · 15:59 Uhr
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