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Kachelmanns Anwalt beschuldigt Staatsanwälte

Jörg KachelmannGroßansicht

Mannheim (dpa) - Jörg Kachelmanns Verteidiger setzt voll auf Konflikt. Diesmal schoss Johann Schwenn gegen die Staatsanwaltschaft. Die Ankläger hätten sich möglicherweise strafbar gemacht, weil sie Ergebnisse ihrer Ermittlungen gegen den Wettermoderator an die Presse weitergegeben hätten.

«Die beiden Herren mir gegenüber sind um einiges verdächtiger als Herr Kachelmann», warf Schwenn den Staatsanwälten am Freitag ins Gesicht. Schwenn rügte auch das Gericht. Die Richter würden «minutiös ein Beweisprogramm nachbeten», das von der Staatsanwaltschaft stamme. «Sie sollten sich klar machen, dass sie hier den Beweisanträgen von Tatverdächtigen folgen!», sagte Schwenn. Der Kachelmann-Verteidiger forderte, Staatsanwalt Lars-Torben Oltrogge und Oberstaatsanwalt Oskar Gattner müssten ihre Aufzeichnungen über Telefonate mit möglichen Zeuginnen vorlegen. «Ansonsten werden die Handakten zu beschlagnahmen sein», sagte Schwenn.

Als Oberstaatsanwalt Gattner zu den Vorwürfen Stellung nehmen wollte, fuhr Schwenn wieder dazwischen: Die Vertreter der Anklage müssten als Zeugen vernommen werden und dürften keine dienstlichen Stellungnahmen abgeben. Oberstaatsanwalt Gattner keilte sichtlich wütend zurück: «Sie können hier nicht von Ihrem Recht auf Narrenfreiheit Gebrauch machen!»

Unterdessen versuchte der Vorsitzende Richter Michael Seidlung, die Wogen zu glätten. Doch seine Bemerkung «Ich möchte mir nicht die Prozessführung aus der Hand nehmen lassen» blieb ohne große Wirkung. Schließlich rettete sich das Gericht in eine Beratungspause.

Einen konkreten Straftatbestand, den er den Staatsanwälten vorwirft, wollte Schwenn allerdings auch auf Nachfrage in einer Verhandlungspause nicht nennen. Er beließ es bei Andeutungen, wonach die Ermittler ihre Amtspflichten verletzt hätten. Der Wettermoderator Kachelmann ist wegen schwerer Vergewaltigung angeklagt, bestreitet die Vorwürfe aber.

Bei Andeutungen blieb auch, was die von Schwenn kritisierte Rolle des Verlagshauses Burda angeht. Am Mittwoch hatte er beantragt, die Redaktionen der Zeitschriften «Bunte» und «Focus» durchsuchen zu lassen, weil sie - so Schwenns Verdacht - versucht hätten, Zeuginnen zu beeinflussen. Diesen Vorwurf wiesen die Redaktionen zurück.

Schwenn wehrte sich heftig gegen die mögliche Vernehmung einer Schweizer Zeugin in der Schweiz. Die Frau hatte - wie der «Focus» diese Woche zuerst berichtet hatte - zwar am Telefon gegenüber den Staatsanwälten möglicherweise belastende Angaben gemacht, will nun aber nicht zur Vernehmung vor einem deutschen Gericht erscheinen.

Über den Durchsuchungsantrag gegen «Bunte» und «Focus» wurde am Freitag noch nicht entschieden - doch Schwenn stellte bei einer Zeugenvernehmung neue Mutmaßungen in den Raum. Er fragte den Fernsehdirektor des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR), warum Kachelmann die Sendung «Riverboat» nicht mehr moderierte. «Termingründe», sagte der Fernsehdirektor.

Doch damit war Schwenn nicht zufrieden. Ob nicht vielleicht irgendwie Hubert Burda seinen Einfluss ausgeübt habe, wollte Schwenn wissen - doch hierzu konnte der MDR-Mann nichts sagen. Burda- Konzernsprecher Nikolaus von der Decken erklärte in einer Stellungnahme: «Herr Schwenn kann von seinem Recht auf Narrenfreiheit Gebrauch machen, wenn er meint, dass es seinem Mandanten hilft.»

Prozesse / Kriminalität / Medien
10.12.2010 · 17:28 Uhr
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