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Kachelmann-Verteidiger halten Richter für befangen

Der Vorsitzende Richter Michael Seidling zu Prozessbeginn in einem Saal des Landgerichts in Mannheim.Großansicht

Mannheim (dpa) - Der mit Spannung erwartete Vergewaltigungsprozess gegen den Fernsehmoderator Jörg Kachelmann ist am Montag nach wenigen Minuten gleich wieder vertagt worden. Die Verhandlung soll am nächsten Montag (13.9.) fortgesetzt werden.

Die Anwälte des 52-Jährigen hatten vor dem Landgericht Mannheim Befangenheitsanträge gegen den Vorsitzenden Richter Michael Seidling und die Richterin Daniela Bültmann gestellt.

Kachelmann wird beschuldigt, seine langjährige Geliebte mit einem Messer bedroht und vergewaltigt zu haben. Er hat die Vorwürfe stets bestritten. Bei einer Verurteilung drohen dem Schweizer bis zu 15 Jahre Haft.

Zu den Gründen des Ablehnungsantrags wollten die Verteidiger nichts Konkretes sagen. «Herr Kachelmann hat den Befangenheitsantrag gestellt, weil die Sorge besteht, dass die beiden abgestellten Richterpersönlichkeiten ihm nicht mit der nötigen Unvoreingenommenheit gegenüberstehen», erklärte sein Verteidiger Reinhard Birkenstock. Man habe dies bewusst nicht mündlich in der Hauptverhandlung geäußert, denn «wir wollten die Richterpersönlichkeiten nicht öffentlich angreifen.»

Vor dem Prozess hatte es Spekulationen gegeben, dass der Vorsitzende Richter privat mit dem Vater des mutmaßlichen Opfers bekannt sei. Auch hatte für Verwunderung gesorgt, dass Seidling zunächst Zeugen aus dem Umfeld Kachelmanns hören will und erst zum Schluss das mutmaßliche Opfer.

Die 5. Große Strafkammer des Landgerichts wird nun voraussichtlich bis nächsten Montag darüber entscheiden, ob sie den Anträgen stattgibt. Hierbei sind die betroffenen Richter ausgeschlossen. Sie werden durch andere Richter des Landgerichts vertreten, sagte eine Gerichtssprecherin. Auch sie wollte sich nicht zur Begründung des Antrags äußern.

Der Befangenheitsantrag gegen gleich zwei Richter war nicht die einzige Überraschung des kurzen Verhandlungstags: Anders als erwartet, erschien das mutmaßliche Opfer in Begleitung seines Anwalts vor Gericht. Die 37 Jahre alte Radiomoderatorin tritt als Nebenklägerin auf. Ihr Verteidiger Thomas Franz bat vor Prozessbeginn darum, die Persönlichkeitsrechte seiner Mandantin nicht zu verletzen und keine Fotos oder Videos von ihr zu veröffentlichen. Nach den Planungen soll sie am neunten Verhandlungstag (13.10.) aussagen.

Kachelmann erschien um kurz nach neun Uhr im Saal 1 des Landgerichts, begleitet von seinen Anwälten. Mit regungslosem Gesicht ließ er die Foto- und Fernsehaufnahmen über sich ergehen. Der Wetterexperte hatte kurz vor Prozessbeginn sein Verteidigerteam erweitert: Neben dem Kölner Rechtsanwalt Birkenstock wird er nun auch von der Heidelberger Strafverteidigerin Andrea Combé vertreten. Außerdem nahm Kachelmanns Medienanwalt Ralf Höcker auf der Verteidigerbank Platz.

Die eigentliche Verhandlung dauerte keine zehn Minuten. Zu Beginn lieferte sich Birkenstock einen kleinen Disput mit Staatsanwalt Lars- Torben Oltrogge über die Frage, an welcher Stelle ein von der Verteidigung benannter Gutachter sitzen soll. Dann unterbrach der Vorsitzende Richter die Verhandlung bis nächsten Montag. Insgesamt sind für das Verfahren 13 Sitzungstage geplant. Neben dem mutmaßlichen Opfer sollen 25 Zeugen vernommen werden, zudem sind fünf Sachverständige geladen. Der letzte planmäßige Termin ist für den 27. Oktober vorgesehen.

Der Prozess begann unter großem Medieninteresse und mit strengen Sicherheitsvorkehrungen. Der ganze Straßenblock wurde von der Polizei überwacht. Seit den frühen Morgenstunden warteten mehr als hundert Journalisten, Fotografen und Kamerateams vor dem Landgericht - darunter auch zahlreiche Medienvertreter aus der Schweiz.

Der Fernseh-Komiker Oliver Pocher nutzte den Prozess für einen skurrilen Auftritt, der allerdings vielen Beobachtern ziemlich deplaziert erschien: Als Kachelmann verkleidet, setzte er sich mit zahlreichen jungen Frauen vor dem Gerichtsgebäude in Szene und gab eine Stellungnahme für die Presse ab.

Die Frauenrechtlerin und Journalistin Alice Schwarzer, die für die «Bild»-Zeitung über das Verfahren berichtet, äußerte großen Respekt vor der Entscheidung der ehemaligen Geliebten, vor Gericht zu erscheinen: «Da hat eine gedemütigte Frau ihren Hut in den Ring geworfen», sagte Schwarzer. Sie betonte jedoch: «Wir wissen nicht, ob sie wirklich vergewaltigt wurde oder nicht.»

Kachelmann war am 20. März bei seiner Rückkehr von den Olympischen Winterspielen in Vancouver am Flughafen Frankfurt verhaftet worden. Kurz darauf hatte ein intensiver «Vor-Prozess» in den Medien begonnen. Nachdem das Landgericht Mannheim den Haftbefehl gegen Kachelmann wiederholt bestätigt hatte, hatte der Moderator schließlich in der nächsthöheren Instanz vor dem Oberlandesgericht (OLG) Karlsruhe Erfolg: Am 29. Juli hob das OLG den Haftbefehl auf. Kachelmann kam nach 132 Tagen aus der Untersuchungshaft frei.

Prozesse / Kriminalität / Medien
06.09.2010 · 18:38 Uhr
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