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Justiz ermittelt in Sarkozy-Schwarzgeldaffäre

Frankreichs Präsident soll 2007 für seinen Wahlkampf 150 000 Euro Schwarzgeld in bar von der Multimilliardärin Liliane Bettencourt erhalten haben.Großansicht
Paris (dpa) - Die Schwarzgeldaffäre um Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy und die Multimilliardärin Liliane Bettencourt spitzt sich zu. Der Vorwurf illegaler Spenden für Sarkozy und sein Regierungsbündnis beschäftigt jetzt auch die Justiz.

Die Staatsanwaltschaft von Nanterre bei Paris nahm wegen der Aussagen einer Buchhalterin Vorermittlungen auf. Der Präsident soll 2007 für seinen Wahlkampf 150 000 Euro Schwarzgeld in bar von der Erbin des Kosmetikimperiums L'Oréal erhalten haben. Das behauptet zumindest Bettencourts Ex-Buchhalterin Claire Thibout. Sie will unter anderem 50 000 Euro selbst abgehoben haben.

Sarkozy schweigt bislang zu den Vorwürfen. Er will erst am Vorabend des Nationalfeiertags, also am 13. Juli, Stellung nehmen. Während seiner Amtszeit ist der Staatschef ohnehin vor jeder Anklage oder auch nur Befragung durch die Justiz sicher. Illegale Parteienfinanzierung verjährt in Frankreich zudem nach drei Jahren. «Macht Eure Arbeit», soll Sarkozy am Mittwoch schlicht zum Kabinett gesagt haben. «Lasst Euch nicht von den Nachrichten ablenken.»

Die Ermittlungen könnten sich allerdings gegen Arbeitsminister Eric Woerth wenden. Er hatte im Wahlkampf die Finanzen geleitet und soll das Schwarzgeld in Empfang genommen haben. Nach der Wahl wurde er als Budgetminister oberster Steuerfahnder, während seine Frau den Bettencourts bei der Vermögensanlage half. Bettencourt steht jetzt unter Verdacht des Steuerbetrugs und Woerth unter dem Verdacht der Duldung. Er wies alle Anschuldigungen als haltlos zurück.

Ermittler der Polizei haben derweil nach Informationen der Zeitung «Le Monde» einen Beleg gefunden, dass tatsächlich am 26. März 2007 - wie von Claire Thibout behauptet - 50 000 Euro in bar von einem Konto Bettencourts abgehoben wurden. Die übrigen 100 000 Euro für Sarkozys Wahlkampf soll Bettencourts Vermögensverwalter aus der Schweiz geholt haben. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft könnten sich auch gegen den Vermögensverwalter richten.

Staatsanwalt Philippe Courroye überprüft zudem die Echtheit heimlicher Aufnahmen von Gesprächen im Hause Bettencourt. Die Gespräche legen Geldwäsche und Steuerbetrug nahe und bringen damit das Ehepaar Woerth in Verlegenheit. Woerth weist alle Verdächtigungen zurück und erklärt, er kenne Frau Bettencourt so wenig, dass sie ihn nicht einmal erkennen würde. «Ich habe keinen Grund zum Rücktritt», sagte Woerth am Dienstagabend im Fernsehen.

Regierung / Gesellschaft / Frankreich
07.07.2010 · 16:55 Uhr
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