News
 

Journalisten in Ägypten weiter bedroht

Berlin (dpa) - Ausländische Journalisten sind im Krisenherd Ägypten weiterhin bedroht. Die Sender ARD und ZDF wollen ihre Korrespondenten trotz gewalttätiger Übergriffe aber vorerst nicht abziehen.

In den vergangenen Tagen berichteten Medien von einer gezielten Verfolgungsjagd auf ausländische Journalisten. Regimeanhänger von Husni Mubarak schlugen auf Reporter ein und nahmen ihnen ihre Ausrüstung weg. Wie der arabische Nachrichtensender Al-Arabija am Freitagabend meldete, habe inzwischen die Armee den Befehl erhalten, den ausländischen Medien zu helfen.

Nachdem das ARD-Studio in Kairo aus Sicherheitsgründen geräumt werden musste, waren der Korrespondent Jörg Armbruster, sein Kollege Alexander Stenzel, ein Kameramann und ein kleines lokales Team in der Nacht zum Freitag in ein Hotel ausgewichen. Tagsüber hätten sie sich auf die Suche nach einem Quartier in einer sicheren Gegend in der ägyptischen Hauptstadt gemacht, sagte ein Sprecher des zuständigen Südwestrundfunks (SWR). Ähnliches gilt für das ZDF-Team um Reporter Dietmar Ossenberg. Eine am Freitag festgenommene Arte-Journalistin kam inzwischen wieder auf freien Fuß.

Das ARD-Studio habe sich, so der SWR-Sprecher weiter, als gefährlicher Ort erwiesen, nachdem dort in das benachbarte Quartier des Senders Al-Arabija Schlägertrupps eingedrungen seien. Auch das Hotel wurde als unsicherer Platz eingestuft.

Eine Arte-Reporterin und ihr ägyptischer Begleiter wurden am Freitagmorgen nach Angaben des Senders von Geheimpolizisten festgenommen. Die Französin, die seit drei Jahren für den deutsch-französischen Kultursender aus der Region berichtet, habe sich auf dem Weg von einem Hotel ins andere befunden und sei dabei in die Fänge der Miliz geraten. Erst nach einem mehrstündigen Verhör wurden sie und ihr Begleiter freigelassen.

Der Deutsche Journalisten-Verband kritisierte das Vorgehen der ägyptischen Sicherheitskräfte. «Attacken auf Journalisten sind ein Verbrechen!», sagte der Bundesvorsitzende Michael Konken. Er forderte die Bundesregierung auf, sich stärker als bisher für die Sicherheit der Journalisten einzusetzen. «Der Bundesaußenminister sollte sich nicht auf die Bekanntgabe von Reisewarnungen beschränken», sagte Konken. «Zu seinen Aufgaben gehört auch, der Pressefreiheit Geltung zu verschaffen. Journalisten sind kein Freiwild, auch nicht im Ausland.»

ZDF-Reporter Dietmar Ossenberg, der mit seiner Mannschaft das Studio zwei Tage zuvor verlassen hatte, fand am Donnerstag Schutz in der deutschen Botschaft. Inzwischen seien er und seine lokalen Begleiter nicht mehr dort, sondern hätten einen neuen Standort in einem sicheren Teil der Hauptstadt gefunden, sagte ein ZDF-Sprecher. Ein ZDF-Team sei noch in Hurgharda, der Korrespondent Axel Becher wurde aber inzwischen abgezogen.

Das ZDF teilte am Freitag mit, dass der ZDFinfokanal und die Online-Seite von heute.de ab sofort in Teilen das laufende Programm des Nachrichtensenders Al-Arabija übernehmen. Die Entwicklung der Ereignisse in Kairo und anderen Brennpunkten im Nahen Osten würden von einem Team von Reportern und Dolmetschern des ZDF kommentiert und im Dialog mit Experten eingeordnet. Der ZDFinfokanal ist digital über DVB-T, Satellit und Kabel zu empfangen.

Medien / Fernsehen / Unruhen / Ägypten
04.02.2011 · 23:04 Uhr
[0 Kommentare]

Die aktuellen Schlagzeilen

 
 

 

Weitere Themen