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Jobs legt Apple in die Hand seiner Weggefährten

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Cupertino (dpa) - Apple ohne Steve Jobs? Kann man sich eigentlich kaum vorstellen. Auch sichtlich angeschlagen stellte der Firmengründer noch selbst Schlüssel-Produkte wie das iPad 2 und das nächste iPhone-Betriebssystem oder die Vision von der futuristischen neuen Apple-Zentrale vor.

An die krankheitsbedingten Auszeiten des charismatischen Konzernlenkers hatten sich inzwischen alle gewöhnt - schließlich lief das Geschäft auch unter der Regie seines Stellvertreters Tim Cook stets prächtig. Allerdings wirkte Steve Jobs nie wie ein Mann, der loslassen kann.

Und so wussten Investoren und Apple-Fans stets: Im Hintergrund ist der Steve immer noch da, zieht die Fäden und kümmert sich notfalls selbst um jedes noch so kleine Detail. Am Mittwoch erinnerte Jobs selbst daran, dass das nicht immer so bleiben wird.

Der 56-Jährige gab den Chefposten offiziell ab und zog sich an die Spitze des Verwaltungsrates zurück. Es ist eine Position mit viel Macht in US-Unternehmen, doch Jobs machte deutlich, dass erst seine Gesundheit ihn aus dem Alltagsstress drängte. Ihm sei klargeworden, dass er nicht mehr in der Lage sei, den Pflichten eines Konzernchefs gerecht zu werden, stellte er traurig fest.

Die Apple-Aktie sackte vorbörslich um mehr als fünf Prozent ab. Die Investoren machen sich Sorgen: Denn auch wenn sich Jobs bereits weitgehend aus dem Tagesgeschäft zurückgezogen haben soll, gilt er nach wie vor als geistiger Vater und Garant des aktuellen Apple-Siegeszugs. Jobs steckte als Firmenchef hinter den genialen Ideen, die von vielen Rivalen kopiert, deren Erfolg aber nie erreicht wurde. Millionen Menschen schreiben ihre E-Mails auf ihrem iPhone-Handy, hören Musik über ihren iPod oder surfen im Web mit ihrem iPad-Tablet.

Der neue Apple-Chef Cook hat zwar gezeigt, dass er als Manager den Laden auf hohem Niveau am Laufen halten kann - aber ist er auch ein brillianter Produkt-Visionär wie sein Ziehvater Jobs? Das muss Cook - zumindest öffentlich - erst einmal unter Beweis stellen.

So ging am Donnerstag erst einmal die Aktie des Konkurrenten Samsung nach oben, weil einige Investoren darauf setzen, dass die Südkoreaner mit Cook einen leichteren Widersacher haben werden. Als erste große Aufgabe muss Cook im Herbst den Start des nächsten iPhone und des Online-Dienstes iCloud über die Bühne bringen. Die Markteinführung des iCloud-Vorgängers MobileMe ging unter Jobs ziemlich in die Hose - wonach der aufbrausende Gründer das verantwortliche Team in Grund und Boden gerügt haben soll.

Ein anonymer Apple-Manager betonte im «Wall Street Journal», dass Jobs nicht abrupt aussteigen werde. Er wolle sich an der Entwicklung künftiger Schlüsselprodukte und an strategischen Weichenstellungen beteiligen und ein «aktiver Verwaltungsratschef» sein. Die Botschaft: Keine Sorge, Apple wird schon seine Dosis Steve Jobs bekommen. Aber auch ein aktiver Verwaltungsratschef sei nicht dasselbe wie ein Konzernlenker, stellte US-Computerjournalist Walt Mossberg fest.

Nur wenige Zeilen lang ist der Brief, den Jobs am späten Mittwoch an seine Weggefährten bei Apple schrieb. Der Kernsatz: «Ich trete hiermit als CEO von Apple zurück.» Der Entscheidung liegen jahrelange schwere Krankheiten zugrunde - der 56-Jährige hatte gegen einen Tumor gekämpft und eine neue Leber bekommen. Zuletzt wirkte er dünn und angegriffen.

Es liegt aber auch eine Karriere hinter Jobs, die ihresgleichen sucht. Jobs hatte Apple 1976 zusammen mit Steve Wozniak als Computerhersteller gegründet. Erschwingliche Rechner waren rar, Jobs und Wozniak erkannten ihre Chance. Der spätere Mac-Computer erreichte Kultstatus, doch Missmanagement und starke Konkurrenz durch Windows-PC führten Apple an den Rand des Ruins.

Jobs, der 1985 im Streit bei Apple ausgeschieden war, kehrte 1997 an die Firmenspitze zurück und rettete die Firma in letzter Sekunde. Mit neuer Software und elegantem Design kriegten die Macs die Kurve. Ab 2001 krempelte Jobs mit dem iPod und dem Onlineladen iTunes die Musikindustrie um. 2007 folgte mit dem iPhone der Vorstoß ins Handygeschäft - wieder setzte Jobs Trends, indem er auf eine Tastatur verzichtete und stattdessen einen Touchscreen einbauen ließ.

Jedes Unternehmen brauche ein Gravitationszentrum, das es zusammenhalte, hatte Jobs einmal in einem Interview gesagt. Cook muss jetzt beweisen, dass er eine ähnliche Anziehungskraft wie sein legendärer Vorgänger entwickeln kann.

Computer / Internet / USA
25.08.2011 · 21:56 Uhr
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