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Joachim Löw: «Jetzt nicht emotional überdrehen»

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Kapstadt (dpa) - Bundestrainer Joachim Löw war nach dem 4:0-Sieg im WM-Viertelfinale gegen Argentinien am Samstag in Kapstadt voll des Lobes auf seine Mannschaft. Er bescheinigte ihr «Champions-Niveau».

4:0 gegen Argentinien, was sagen Sie dazu?

Löw: «Was die Mannschaft an Siegeswillen abgerufen hat, das war nicht nur internationales Niveau, das war Champions-Niveau. Die Mannschaft war von einem unglaublichen Ehrgeiz getrieben. Wenn man gesehen hat, mit welchem Tempo wir in der zweiten Halbzeit dann wieder nach vorne gespielt haben, war das absolute Klasse.»

Waren Sie überrascht von der Spielweise der Argentinier?

Löw: «Nein. Wir haben die Argentinier beobachtet und analysiert. Wir hatten ihre Aufstellung erwartet. Wir haben gewusst, dass sich Messi weit ins Mittelfeld fallen lässt. Er ist ein entscheidender Passgeber, aber wir haben es gut geschafft, ihn aus dem Spiel zu nehmen, weil wir ihn unter Druck gesetzt haben ohne Foulspiel.»

Hat Ihnen überhaupt irgendetwas an Ihrer Mannschaft nicht gefallen?

Löw: «Es ist erst einmal positiv, wenn man gegen eine Weltklassemannschaft wie Argentinien 4:0 gewinnt und so dominant auftritt. Anfang der zweiten Halbzeit waren wir etwas unter Druck geraten. Die ganze Mannschaft hat defensiv hervorragend gearbeitet und unglaubliche Wege gemacht. Wir haben es geschafft, Messi, Higuain und Tevez fast zu eliminieren. Unser Zweikampf-Verhalten war auf höchstem Niveau, so, wie ich mir das vorstelle.»

Wie schwach fanden Sie die argentinische Abwehr?

Löw: «Die Argentinier haben erfahrene Spieler wie Heinze oder Demichelis. Aber sie sind eine zweigeteilte Mannschaft. Wir hatten in den WM-Spielen gesehen, dass sie von ihrer extrem guten Offensive leben und vier oder fünf Offensivspieler nach hinten die weiten Wege nicht gerne machen und in der Abwehr nicht immer so seriös arbeiten. So entstehen Lücken, wenn man mit Tempo kommt. Ich habe zu unseren Spielern gesagt: Ihr seid jünger, ihr seid schneller, ihr seid ausdauernder. Es ist uns gelungen, ihre Abwehr zu entblößen.»

Wie sprachlos macht Sie Thomas Müller und wie schwer wiegt sein Ausfall nach der zweiten Gelben Karte im Halbfinale?

Löw: «Klar, sein Ausfall wiegt natürlich schwer. Thomas Müller hat gezeigt, mit welcher Torgefahr er bei diesem Turnier präsent ist. Das Handspiel war nicht gelb-würdig. Aber wir haben Spieler, die Thomas Müller auch ersetzen können - und das werden wir auch schaffen.»

Was sagen Sie zur Leistung von Bastian Schweinsteiger? War es wieder einmal hier sein bestes Länderspiel?

Löw: «Es war ein grandioses Länderspiel von ihm. Was er gearbeitet hat, was er gelaufen ist im Mittelfeld, wie er die Mannschaft in der Organisation geführt hat, wie er bei fast jedem Angriff mit nach vorne gegangen ist und wie er das Tor von Arne Friedrich vorbereitet - besser kann man das nicht machen. Er war herausragend in jeder Beziehung.»

Wie euphorisch ist das Team jetzt?

Löw: «Es ist wichtig, dass wir jetzt emotional nicht überdrehen. Aber diesen Eindruck hatte ich hier beim Turnier bei dieser Mannschaft nie. Die Freude in der Kabine war riesengroß. Aber ich habe gespürt, dass die Spieler sofort weiterdenken. Wir sind unter den besten vier Mannschaften der Welt und gehören zurecht dahin. Jetzt haben wir die Chance, ins Finale einzuziehen. Da ist es wichtig, dass wir uns in den nächsten Tagen besinnen und konzentrieren auf unsere Aufgaben.»

Ihr Jugendkurs geht hier in Südafrika überragend auf. Was sagen Sie?

Löw: «Die jungen Spieler haben keine Angst. Sie wissen, dass sie gut Fußball spielen können. Wir wollten den Umbruch bewusst machen nach der EM 2008. Wichtig war, dass wir ihnen die Chance gegeben haben, auch wenn wir nicht immer alle Spiele gewonnnen haben. Das Risiko habe ich in manchen Freundschaftsspielen in Kauf genommen.»

Was sagen Sie zur WM-Leistung von Miroslav Klose?

Löw: «Es freut mich unglaublich für den Miro, dass er in seinem 100. Länderspiel gegen Argentinien zweimal getroffen hat. Seine Torquote spricht für ihn. Miroslav Klose hat überragende Qualitäten, daran habe ich nie gezweifelt. Er hat bei allen Turnieren - 2002, 2006 und jetzt 2010 - Klasseleistungen abgerufen. Er hat jetzt 14 WM-Tore, das geht in die Geschichte ein.»

Ohne Michael Ballack ist diese Mannschaft jünger, spielt schneller, wirkt vielleicht sogar befreit. Ist das falsch, eine böse Ansicht oder einfach die Wahrheit?

Löw: «Michael hat über viele Jahre hinweg gerade auch bei den Turnieren gute Leistungen gebracht. Es nützt im Fußball nichts zu sagen, was wäre wenn. Wir haben nach seiner Verletzung gesagt, okay, diese Situation hat sich so ergeben, und wir werden es schaffen, die Verantwortung aufzuteilen und ihn zu ersetzen. Das haben wir in diesem Turnier geschafft.»

Fußball / WM / Deutschland / Argentinien
05.07.2010 · 06:52 Uhr
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