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Joachim Löw: «In der Todesgruppe haben wir sechs Punkte»

Bundestrainer Joachim Löw: «Wir haben das Tor zum Viertelfinale aufgestoßen.» Foto: Andreas Gebert/ArchivGroßansicht

Charkow (dpa) - Fragen an Bundestrainer Joachim Löw nach dem 2:1-Sieg der deutschen Fußball-Nationalmannschaft am Mittwochabend in Charkow gegen die Niederlande:

Wie fällt Ihr Fazit nach dem zweiten Turniersieg aus?

Löw: «Wir haben das Tor zum Viertelfinale aufgestoßen. Wir haben es jetzt selbst in der Hand, gegen Dänemark alles klar zu machen. Es war ein wahnsinnig intensives Spiel. Bei den Temperaturen war es extrem schwierig, über das ganze Spiel hohes Tempo zu gehen. Wir haben es absolut klasse verstanden, defensiv gut zu arbeiten, weil Hollands Spiel auf eine starke Offensive aufgebaut ist. Den Holländern ist wenig eingefallen. In der zweiten Halbzeit hätten wir den Sack früher zumachen können. Wir hätten das dritte Tor machen müssen.»

Wie wichtig ist der Faktor, dass so viele eingespielte Bayern-Spieler im Team sind?

Löw: «Das spielt für mich nicht die entscheidende Rolle. Qualität ist für mich wichtiger. Wir haben gewusst, dass Hollands Defensivspieler im eins gegen eins nicht ihre ganz großen Stärken haben, nicht nur die vier hinten, sondern auch die zwei zentralen Mittelfeldspieler. Und wir haben gewusst, dass Holland in den Schnittstellen große Probleme hat. Genauso sind die Tore dann auch entstanden.»

Bastian Schweinsteiger sagte vor dem Spiel, dass er seine Form im Turnierverlauf noch finden werde. Wie weit ist er?

Löw: «Ich glaube, dass er schon noch Steigerungspotenzial hat. Aber er hat ein klasse Spiel gemacht, absolut. Man spürt seine Präsenz zusammen mit Khedira im Mittelfeld. Sie haben einen überragenden Spieler wie Sneijder weitestgehend aus dem Spiel genommen. Beide haben viel nach vorne getan. Ich war mit Schweinsteiger und Khedira sehr zufrieden. Basti war längere Zeit verletzt, aber er ist allemal in der Lage, ein gutes Tempo über 90 Minuten zu gehen. Und seine Präsenz auf dem Platz ist einfach extrem gut.»

Ist er auch mental wieder auf der Höhe nach den zweiten Plätzen mit dem FC Bayern?

Löw: «Ja, keine Frage. Er ist absolut okay. Diese Dinge aus dem Champions-League-Finale sind lange passé. Roman Abramowitsch war vor dem Spiel bei uns im Quartier und hat kurz mit Bastian gesprochen. Bastian hat ihm gratuliert, beide haben ein bisschen gelacht. Er hat diese Dinge ganz gut verarbeitet. Ich sehe bei ihm keine hinterlassenen Spuren.»

Wo sehen Sie nach dem zweiten Sieg noch Steigerungspotenzial?

Löw: «Ich möchte nicht in einem Turnier, das lang und schwer ist und viele Hürden mit sich bringt, Spiele miteinander vergleichen. Eines ist klar: In der sogenannten Todesgruppe - group of death - haben wir jetzt sechs Punkte geholt und das gegen zwei ganz starke Mannschaften. Das ist eine gute Leistung.»

Wer könnte den gesperrten Boateng gegen Dänemark hinten rechts ersetzen?

Löw: «Es gibt viele Möglichkeiten. Man kann Philipp Lahm nach rechts ziehen und Marcel Schmelzer links spielen lassen. Man kann Lars Bender rechts spielen lassen, das wäre eine gute Möglichkeit. Eine Dreierkette und eine andere Offensivanordnung wären gegen Dänemark auch gut, weil sie defensiv sehr engmaschig stehen.»

Werden Sie, auch wenn man noch nicht ganz durch ist, einigen Spielern gegen Dänemark eine Pause gönnen?

Löw: «Das weiß ich jetzt noch nicht. Wir brauchen ja noch Punkte. Wir können uns nicht darauf verlassen, dass das Spiel zwischen Portugal und Holland unentschieden ausgeht. Darum werde ich nicht viele Wechsel vornehmen. Vielleicht braucht aber jetzt einer ein Spiel Pause, um im Viertelfinale - wenn wir es schaffen - wieder frisch bei Kräften zu sein.»

Mario Gomez hat zwei Tore gemacht. Hat er seine Kritiker damit verstummen lassen? Und wie bewerten Sie die Machart seiner Tore?

Löw: «Was außen über die Spieler gesprochen wird, ist mir egal. Ich habe meine eigene Beurteilungskraft. Mario hat ab und zu auch bei der Nationalmannschaft mal am Boden gelegen. Bei der EM 2008 hat er eine Chance versemmelt und hatte Selbstbewusstsein verloren. Aber er hat sich immer wieder herangekämpft. Klar, im richtigen Moment muss der Trainer ihm das Vertrauen geben, aber ihn muss man nicht lange aufrichten. Er findet seinen Weg selber. Es war wie gegen Portugal, er hatte zwei Chancen und macht zwei Tore. Und dann die Klasse, wie er die Tore macht. Er dreht sich, kommt vor den Torhüter und macht genau das Richtige. Das war sehr wichtig für die Mannschaft.»

Fußball / EM / Deutschland / Niederlande
14.06.2012 · 07:48 Uhr
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