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Jetzt 46 Tote bei Massaker auf den Philippinen

Massaker auf den PhilippinenGroßansicht
Manila (dpa) - Die Philippinen unter Schock: Einen Tag nach dem schlimmsten politisch motivierten Massaker in der Geschichte des Landes wird das Ausmaß immer deutlicher. 46 Menschen seien insgesamt getötet worden, teilten die Behörden am Dienstag nach weiteren Leichenfunden mit.

Am Vortag war zunächst von 21 Toten die Rede gewesen. Mehr als 100 Bewaffnete hatten am Montag den Autokonvoi eines Gouverneurskandidaten überfallen und seine Anhänger sowie 17 begleitende Lokaljournalisten brutal ermordet.

Aus Sorge vor blutiger Rache verhängte die Regierung in der Region im Süden des Landes den Ausnahmezustand. Nach Angaben der Armee ist ein einflussreicher Familienclan als Drahtzieher im Visier der Ermittler. Die Opfer sind Angehörige und Sympathisanten des rivalisierenden Clans sowie Menschenrechtsanwälte und die 17 Lokaljournalisten. Angehöriger beider Clans wollten sich im kommenden Mai um das Gouverneursamt in der Provinz Maguindanao bewerben.

Die Polizei entdeckte die verscharrten Leichen in der Umgebung der Stadt Ampatuan in Maguindanao. Die Opfer hätten zahlreiche Schusswunden gehabt. Der stellvertretende Polizeichef der Provinz und drei weitere Beamte standen im Verdacht, an dem Massaker beteiligt gewesen zu sein. Gegen sie werde ermittelt, sagte der Sprecher der nationalen Polizei, Leonardo Espina. Der Polizeichef der Provinz wurde entlassen.

Präsidentin Gloria Macapagal-Arroyo verhängte den Ausnahmezustand in Maguindanao, der Nachbarprovinz Sultan Kudarat und in Cotabato City. Damit haben Polizei und Armee in der Region rund 930 Kilometer südlich von Manila im muslimischen Süden des Landes freiere Hand bei der Verfolgung der Verdächtigen. Sie orderte zudem Hunderte zusätzliche Soldaten in die Region. «Wir werden keine Mühe scheuen, den Opfern Gerechtigkeit widerfahren zu lassen und die Schuldigen zu verfolgen und anzuklagen», kündigte sie an. Brisant: Der verdächtigte Clan ist eng mit ihrer Partei verbündet.

Dem Blutbad liegt ein Machtkampf zwischen rivalisierenden Familien zu Grunde. Die Ampatuan-Familie stellt die Gouverneure der Provinz Maguindanao und der größeren autonomen Region Muslimisch-Mindanao. Der Provinzgouverneur darf nach drei Legislaturperioden nicht mehr antreten. Sein Sohn wollte das Amt übernehmen, das ihm aber ein Mann aus dem Mangadadatu-Clans streitig machen will.

Der Mangadadatu-Clan war am Montag auf dem Weg, um die Papiere für die Kandidatur von Esmael Mangudadatu einzureichen. Die Familie schickte extra Frauen auf die heikle Mission - in der Hoffnung, dass der Ampatuan-Clan Gewaltdrohungen dann nicht wahr machen würde. «Wir dachten, sie wären sicher, weil sie Frauen waren», sagte Mangudadatu. Seine Frau und zwei Schwestern waren unter den Toten. Doch überfielen mehr als 100 Bewaffnete den Autokonvoi. Sie verschleppten die Insassen und erschossen sie später - nach Angaben der Polizei aus nächster Nähe. Vier Angehörige der Mangadadatus überlebten. «Sie saßen in einem anderen Auto und konnten fliehen, als der Konvoi gestoppt wurde", sagte ein Sprecher.

Konflikte / Philippinen
24.11.2009 · 16:01 Uhr
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