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Jerome gewinnt Familien-Duell - Pfiffe für Kevin

Johannesburg (dpa) - Kein Foul, kein Streit, kein Gift: Beim hochbrisanten Wiedersehen im Gruppen-Finale sind sich Jerome Boateng und sein Halbbruder Kevin-Prince Boateng weitestgehend aus dem Weg gegangen.

Nach dem Schlusspfiff aber konnten sich dann beide freuen. Nach dem 1:0 (0:0) von Johannesburg steht die Familie Boateng im WM-Achtelfinale - ein weiteres WM-Zusammentreffen ist also nicht ausgeschlossen. «Es gab vor dem Spiel keine Gespräche, aber wir haben uns die Hand gegeben», berichtete Jerome Boateng nach dem Abpfiff.

Ganz im Sinne von Michael Ballack, der nach einem Foul von Kevin-Prince Boateng die WM streichen musste, spielte das angeheizte Bruder-Duell im spannenden Spiel nur eine Nebenrolle. Es gehe nicht um Einzelpersonen, sondern um den deutschen Fußball, hatte Ballack vor der Partie betont.

Das Wiedersehen der Boatengs am Mittwochabend nach wochenlanger Funkstille in Johannesburg wirkte unterkühlt - eine Umarmung gab es vor dem Anpfiff im mit 83 391 Zuschauern gefüllten Soccer-City- Stadion auf dem Spielfeld nicht. «Auf dem Rasen gibt es keine Brüder», hatte Ghanas Coach Milovan Rajevac betont. Ihre Emotionen hatten beide im Griff, der böse Bube Kevin-Prince packte auch nicht wie gegen Ballack die gefürchtete Grätsche aus.

Wie schon beim entscheidenden WM-Qualifikationsspiel in Russland hatte Löw den HSV-Abwehrmann Jerome Boateng gebracht. Damals sah er Gelb-Rot, diesmal ließ er sich anders als eine ganze Reihe seiner Mitspieler nicht von der Nervosität anstecken. Hinten links hielt er den Laden bis auf eine nicht verhinderte Flanke von Andre Ayew (32.) dicht. «Ich freue mich, dass ich den Einsatz bekommen habe. Ich denke, es war ganz gut. Wir haben gewonnen, ich bin zufrieden», sagte der DFB-Verteidiger.

Kevin-Prince Boateng, der vor dem Spiel von den deutschen Fans lautstark ausgepfiffen wurde, hatte sich «auf der Playstation für das Duell gegen Deutschland» warmgeballert - sein einziger Schuss-Versuch vor der Pause wurde abgeblockt (38.). Vergeblich und blass mühte er sich als Ballverteiler im Mittelfeld, das von ihm versprochene «geile» Spiel gab es nicht. «Man muss versuchen, ihn auf dem Platz zu bändigen», hatte Bastian Schweinsteiger die Marschroute vorgegeben. Das gelang gegen den Mann mit den vielen Tattoos, der vor dem Spiel mit der Hand auf dem Herzen und geschlossenen Augen der Hymne seines Wahl-Landes gelauscht hatte.

Von einem «Familienkrieg» («ghanasoccernet») hatte der 21-Jährige Jerome Boateng ohnehin nichts wissen wollen. «Er ist mein Bruder und bleibt mein Bruder», sagte der Hamburger. Seine Konzentration gilt jetzt ohnehin dem Achtelfinal-Klassiker gegen England.

Fußball / WM / Boateng / Deutschland / Ghana
23.06.2010 · 23:07 Uhr
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