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Jemens Regierung verhandelt mit Entführern

Jemenitisches BergdorfGroßansicht
Sanaa (dpa) - Die Regierung des Jemen hat nach eigenen Angaben Verhandlungen mit den Entführern der Familie aus Sachsen aufgenommen, die vor sieben Monaten im Norden des Landes verschleppt worden war.

Außenminister Abu Bakr al-Kirbi sagte am Dienstag vor der Presse in der Hauptstadt Sanaa: «Wir verhandeln jetzt über ihre Freilassung.» Die Geiselnehmer und die Entführten hielten sich in der nördlichen Provinz Saada auf. Wer die Entführer sind, sagte der Minister nicht.

Das Ehepaar mit seinen drei Kleinkindern war im vergangenen Juni gemeinsam mit einem britischen Ingenieur in der Provinz Saada entführt worden. Von den Kindern war vor einigen Wochen ein Video aufgetaucht. Von den drei Erwachsenen gibt es bisher kein Lebenszeichen.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle hatte am Montag zum Abschluss einer Reise an den Golf einen Abstecher nach Sanaa gemacht, wo er mit Regierungsvertretern unter anderem über das Schicksal der deutschen Geiseln sprach. Nach einem Treffen mit Präsident Ali Abdullah Salih hatte er erklärt, dieser habe ihm gesagt, die jemenitische Führung kenne den Aufenthaltsort der Geiseln.

Die jemenitische Regierung hatte bislang die Anhänger des schiitischen Rebellenführers Abdulmalik al-Houthi beschuldigt, gegen die ihre Truppen seit August im Norden des Landes Krieg führen. Die Rebellen bestreiten jede Beteiligung an der Entführung und behaupten, militante Gruppen, die mit der Regierung in Verbindung stünden, hätten die Deutschen entführt. Dies solle der Regierung einen Vorwand für eine neue Militäroffensive in Saada liefern.

Drei weitere Geiseln - zwei deutsche Bibelschülerinnen und eine Koreanerin - hatten die Kidnapper kurz nach dem Überfall auf die Ausländergruppe erschossen.

Das Innenministerium in Sanaa meldete, die Regierungstruppen hätten in der Stadt Saada, wo die Ausländer in einem Krankenhaus gearbeitet hatten, bei Gefechten und Razzien 19 Houthi-Rebellen getötet. 25 Rebellen seien gefangen genommen worden.

Durch die Kämpfe im Norden wurden nach einer Schätzung des UN- Flüchtlingshilfswerks bereits rund 200 000 Menschen vertrieben. Außer der jemenitischen Armee beteiligt sich inzwischen auch die Armee des Nachbarlandes Saudi-Arabien an den Angriffen auf die Rebellen. Der saudische Vize-Verteidigungsminister Prinz Chalid bin Sultan sagte, bislang seien im Kampf gegen die Houthi-Rebellen 82 Soldaten der saudischen Armee «den Märtyrertod gestorben».

Einige westliche Beobachter werfen der jemenitischen Regierung vor, sie konzentriere sich zu sehr auf den Kampf gegen die Houthi- Bewegung und die Separatisten im Süden des Landes und habe darüber den Kampf gegen die El-Kaida-Terrorzellen vernachlässigt. Der Nigerianer, der am Weihnachtstag versucht hatte, in einem Flugzeug nach Detroit einen Sprengsatz zu zünden, war vorher im Jemen indoktriniert und auf den Anschlag vorbereitet worden.

In dem südarabischen Land lebt auch Anwar al-Awlaki, der eine Art Mentor für den US-Militärpsychiater Nidal Hasan war. Hasan hatte im vergangenen November auf dem Militärstützpunkt Fort Hood in Texas 13 US-Soldaten erschossen. In einem Interview, das die Zeitung «Yemen Post» in der vergangenen Woche veröffentlicht hatte, sagte Al-Awlaki: «Einem Muslim ist es nicht erlaubt, in der US-Armee zu arbeiten, es sei denn, er plant, in die Fußstapfen unseres Bruders Nidal zu treten.»

Entführungen / Jemen / Deutschland
12.01.2010 · 14:04 Uhr
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