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Jemenitischer Minister: Deutsche Geiseln leben noch

Bergdorf im JemenGroßansicht
Sanaa/Dresden (dpa) - Die aus Sachsen stammenden deutschen Geiseln im Jemen sind nach Angaben der jemenitischen Regierung noch am Leben.

Der Vize-Ministerpräsident für Sicherheit und Verteidigung, Raschad al-Alami, sagte am Donnerstag in der Hauptstadt Sanaa, die fünfköpfige Familie aus der Lausitz und ein gemeinsam mit ihnen verschleppter britischer Ingenieur befänden sich in der Gewalt der schiitischen Houthi-Rebellen. Sie würden von den Rebellen, die in der nördlichen Provinz Saada gegen die Regierungstruppen kämpfen, gezwungen, verwundete Kämpfer zu versorgen. Weiter teilte Al-Almai mit, Deutschland und Großbritannien hätten eine von der jemenitischen Polizei vorgeschlagene Befreiungsaktion abgelehnt. Die Regierungen in Berlin und London hätten Sicherheitsbedenken geltend gemacht.

Das deutsche Ehepaar und der Brite hatten in einem Krankenhaus in Saada gearbeitet, bevor sie bei einem Ausflug zusammen mit zwei jungen deutschen Pflegehelferinnen und einer Koreanerin entführt wurden. Allerdings ist keiner von ihnen Arzt. Die Houthi-Rebellen haben jede Beteiligung an der Entführung von sich gewiesen. Sie hatten erklärt, es wäre widersinnig, ausgerechnet Deutsche zu entführen, wo doch ein Bruder ihres Anführers Abdulmalik al-Houthi als Flüchtling in Deutschland lebe.

Laut Auswärtigem Amt gibt es «keinen neuen Stand». Die Bundesregierung bemühe sich weiterhin, das Geiseldrama zu einem guten Ende zu bringen. Ende vergangenen Jahres war laut einem Bericht der «Bild»-Zeitung ein Video der Kidnapper aufgetaucht, auf dem die drei Kleinkinder des Ehepaares aus Sachsen lebend zu sehen waren, allerdings ohne ihre Eltern. Al-Alami teilte am Donnerstag mit, die Sicherheitsbehörden des Landes hätten vor einiger Zeit ein solches Video erhalten. Die beiden Pflegehelferinnen und die Südkoreanerin waren kurz nach der Entführung tot aufgefunden worden.

Angesichts der fehlenden Bestätigung von deutscher Seite bleiben die Angehörigen der Entführten in Sachsen skeptisch. «Wir sind sehr vorsichtig», sagte der Schwager des Entführten, Pfarrer Reinhard Pötschke, der dpa in Dresden. Es habe schon mehrere solcher Lebenszeichen gegeben, die sich aber nicht bestätigt hätten. «Wir werten das aber auch als Zeichen, dass etwas im Gange ist und hoffen weiter auf einen glücklichen Ausgang.»

Der Vorsitzende der Deutschen Evangelischen Allianz, Jürgen Werth, lobte indes in einer Mitteilung, dass die Entführten jene Menschen pflegten, «die ihnen Schlimmes angetan haben und durch die Geiselhaft weiter antun.» Es sei die Aufgabe der Christen, «auch seine Feinde zu lieben und ihr Leben zu retten». Die Allianz werde in der kommenden Woche in besonderer Weise für die entführte Familie beten, so Werth.

Konflikte / Entführungen / Jemen / Deutschland
07.01.2010 · 19:28 Uhr
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