News
 

Jaroslaw Kaczynski startet als Außenseiter

Jaroslaw KaczynskiGroßansicht
Warschau (dpa) - Im Rennen um das Präsidentenamt in Polen startet Oppositionsführer Jaroslaw Kaczynski nach ersten Umfragen als Außenseiter. Dabei geht es um die Nachfolge seines tödlich verunglückten Zwillingsbruders Lech Kaczynski.

Als klarer Favorit gilt nach den am Dienstag veröffentlichten Umfragen Kaczynskis größter Gegner Bronislaw Komorowski. Mehrere Publizisten warnten allerdings davor, Jaroslaw Kaczynski zu unterschätzen.

Auf der Welle des Mitleids sowie der Anerkennung für seinen Bruder könne Jaroslaw Kaczynski besser als erwartet abschneiden, hieß es in den Medien. Lech Kaczynski war bei einem Flugzeugabsturz vor gut zwei Wochen mit seiner Frau und 94 weiteren Menschen ums Leben gekommen. Die vorgezogene Präsidentenwahl findet am 20. Juni statt.

Nach Angaben der Zeitung «Dziennik Gazeta Prawna» (Dienstag) kann Komorowski - Kandidat der liberalkonservativen Regierungspartei Bürgerplattform (PO) - mit 46 Prozent der Stimmen rechnen, Kaczynski lediglich mit knapp 32 Prozent. Das Blatt berief sich auf eine repräsentative Umfrage des Instituts Homo Homini.

Das Meinungsforschungsinstitut Millward Brown SMG/KRC ermittelte einen noch größeren Vorsprung von Komorowski. Der Parlamentschef, der nach dem Tod von Lech Kaczynski die Geschäfte des Staatsoberhauptes übernommen hat, würde danach 47 Prozent der Stimmen bekommen. Seinen Rivalen wollten nur 27 Prozent der Wähler unterstützen. Bei einer Stichwahl könnte Komorowski sogar mit 57 Prozent rechnen, Jaroslaw Kaczynski mit 35 Prozent.

Komorowski befinde sich in einer schwierigen Lage, schrieb «Gazeta Wyborcza» in ihrem Kommentar am Dienstag. Es wäre einfach gewesen, mit dem lebenden Lech Kaczynski zu kämpfen, eine Auseinandersetzung mit der Erinnerung an ihn sei aber fast unmöglich. «Die Tragödie in Smolensk wird vor unseren Augen zu einem Mythos», bemerkte der Kommentator.

Die Nationalkonservativen stellen das Flugzeugunglück in Russland auf eine Stufe mit dem Märtyrertod der polnischen Offiziere, die 1940 vom sowjetischen Geheimdienst erschossen worden waren. Jaroslaw Kaczynski sei unter den Kandidaten der einzige «herausragende Staatsmann», schrieb Publizist Stanislaw Janecki. Am Wahltag werde er fünf Prozentpunkte Vorsprung vor Komorowski haben, prophezeite er in einem Kommentar.

Wegen der Trauer um seinen Bruder und der schweren Krankheit der Mutter will sich Jaroslaw Kaczynski erst Mitte Mai in den Wahlkampf einschalten. Nach einem Bericht der Boulevardzeitung «Fakt» informierte er erst am vergangenen Samstag, zwei Wochen nach der Absturzkatastrophe, die 83-jährige Mutter über Lechs Tod. Er habe Angst gehabt, durch die Nachricht könne sich der Zustand der herzkranken Jadwiga Kaczynska verschlechtern, hieß es.

Jaroslaw Kaczynski hatte erst am Montag nach langem Zögern seine Kandidatur für das höchste Staatsamt bekanntgegeben. Er wolle die Mission des gestorbenen Staatsoberhauptes vollenden, schrieb er zur Begründung. Der nationalkonservative Politiker strebt einen starken zentralistischen Staat an und fordert eine Abrechnung mit den postkommunistischen Eliten. In seinem außenpolitischen Konzept spielt Misstrauen gegen Deutschland und Russland eine zentrale Rolle.

Wahlen / Präsident / Polen
27.04.2010 · 16:28 Uhr
[0 Kommentare]

Die aktuellen Schlagzeilen

 
 

 

News-Archiv

 
Diese Woche
Letzte Woche
Vorletzte Woche
Top News

Weitere Themen