News
 

Jaroslaw Kaczynski kandidiert für Präsidentenamt

Jaroslaw KaczynskiGroßansicht
Warschau (dpa) - Kaczynski will Kaczynski beerben: Der polnische Oppositionsführer Jaroslaw Kaczynski will die Nachfolge seines tödlich verunglückten Zwillingsbruders Lech als Staatspräsident antreten.

Der Chef der nationalkonservativen Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) gab seine Bewerbung um das höchste Staatsamt bei der vorgezogenen Wahl in acht Wochen am Montag bekannt. «Das tragisch unterbrochene Leben des Präsidenten und der Tod der patriotischen Elite Polens bedeuten für uns eins: Wir müssen ihre Mission beenden», hieß es in einer Erklärung von Jaroslaw Kaczynski. Er und seine Anhänger seien verpflichtet, «das Testament der Verstorbenen zu erfüllen».

Lech Kaczynski und ihn begleitende Politiker, Parlamentarier, Geistliche und Militärs wollten in Katyn bei Smolensk der polnischen Offizieren gedenken, die 1940 vom sowjetischen Geheimdienst erschossen worden waren. Die Flugzeugkatastrophe habe «neue Öffnung» in Polens Politik ermöglicht, sagte die Chefin des Wahlstabes, Joanna Kluzik-Rostkowska. Sie rechne mit einem «ruhigen und sachlichen» Wahlkampf, betonte die PiS-Abgeordnete.

Ursprünglich wollte die PiS bei der zunächst für diesen Herbst geplanten Wahl den Amtsinhaber Lech Kaczynski unterstützen. Nach seinem Tod vor gut zwei Wochen waren für den 20. Juni vorgezogene Präsidentenwahlen angesetzt worden. Jaroslaw Kaczynski gilt als der einzige Oppositionspolitiker, der dem Kandidaten der liberal- konservativen Regierungspartei Bürgerplattform (PO), Bronislaw Komorowski (57), Paroli bieten kann. Der Parlamentschef, der kommissarisch die Geschäfte des Staatsoberhauptes übernommen hat, gilt als klarer Favorit. Alle anderen Kandidaten haben laut Meinungsumfragen keine Chance, die entscheidende zweite Wahlrunde am 4. Juli zu erreichen.

Der Jurist Jaroslaw Kaczynski (60) hatte bereits in den 1970er Jahren zusammen mit seinem Bruder regimekritische Arbeiter unterstützt. Nach dem demokratischen Umbruch von 1989 agierte er zunächst ohne größere Erfolge. Mit Antikorruptionsparolen führte er dann im Herbst 2005 seine Partei zum überraschenden Sieg bei der Parlamentswahl und leitete in den Jahren 2006 - 2007 als Ministerpräsident selbst das Kabinett. Seine durch tiefes Misstrauen gegenüber Deutschland und Russland geprägte Politik führte zu Spannungen mit Polens Nachbarn. In der Innenpolitik verursachte er eine Spaltung der Gesellschaft. Seit Herbst 2007 muss der Politiker die Oppositionsbank drücken.

Wahlen / Präsident / Polen
26.04.2010 · 17:43 Uhr
[1 Kommentar]

Die aktuellen Schlagzeilen

 
 

 

News-Archiv

 
Diese Woche
27.03.2017(Heute)
Letzte Woche
Vorletzte Woche
Top News

Weitere Themen