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Japan weitet Sperrgebiet um AKW Fukushima aus

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Tokio (dpa) - Der Atomunfall in Japan vertreibt immer mehr Menschen aus ihren Heimatorten. Die japanische Regierung forderte rund 10 500 Bewohner mehrerer Städte am Freitag ultimativ auf, ihre Häuser wegen der Strahlengefahr bis Ende Mai zu räumen.

Damit weitete sie die erst am Donnerstag eingerichtete 20-Kilometer-Sperrzone um die Atomruine von Fukushima faktisch aus. Dort mussten schon etwa 80 000 Überlebende des Tsunamis vor sechs Wochen vor der Radioaktivität fliehen. Außerdem legten die Behörden einen vorläufigen Grenzwert für die Strahlenbelastung an Schulen fest.

Schulen und Spielplätze dürfen demnach nur benutzt werden, solange die Strahlendosis unter freiem Himmel nicht mehr als 3,8 Mikrosievert pro Stunde beträgt, wie die japanische Nachrichtenagentur Jiji Press berichtete. Wenn sich ein Mensch bei diesem Strahlenwert jeden Tag acht Stunden lang draußen aufhält, sammelt er nach Regierungsangaben binnen Jahresfrist eine Radioaktivität von rund 20 Millisievert an.

Nach Angaben des Erziehungsministeriums entspricht der festgelegte Wert den Bestimmungen der internationalen Strahlenschutzorganisation, die bei einem Atomunfall eine jährliche Strahlendosis von bis zu 20 Millisievert sowohl für Erwachsene als auch für Kinder zulässt. Kinder reagieren allerdings viel empfindlicher auf eine Strahlenbelastung als Erwachsene.

Das Münchner Institut für Strahlenschutz am Helmholtz Zentrum bewertete die Einstufung positiv. «Der Grenzwert wurde niedriger eingestuft, als es in Deutschland für den Katastrophenfall vorgesehen wäre», sagte der Leiter der Abteilung Medizinische Strahlenforschung und Diagnostik, Christoph Hoeschen.

Regierungssprecher Yukio Edano sagte am Freitag, über die offizielle Sperrzone hinaus müssten auch die Bürger von Iitate, Katsurao, Namie und teilweise von Kawamata und Minamisoma ihre Häuser verlassen. Er begründete dies mit der hohen radioaktiven Strahlung. Die Sperrzone trat um Mitternacht (Ortszeit) in Kraft. Das Gebiet im Umkreis von 20 Kilometer um das zerstörte Atomkraftwerk herum darf jetzt nur noch mit staatlicher Genehmigung betreten werden.

Derweil versucht Japan, die Auswirkungen der Katastrophe auf die Wirtschaft einzudämmen. So lässt der Staat ab kommenden Donnerstag japanische Überseeschiffe und Container auf radioaktive Strahlen untersuchen. Das soll nach Angaben von Transportminister Akihiro Ohata Befürchtungen im Ausland ausräumen.

Für Japans Steuerzahler wird der Wiederaufbau der Tsunami- und Erdbebenregion extrem teuer. Das Kabinett von Ministerpräsident Naoto Kan einigte sich auf einen Entwurf für einen Nachtragshaushalt im Volumen von 4,02 Billionen Yen (33,4 Milliarden Euro). Mit den Milliarden will der Staat unter anderem die Beseitigung von Trümmern, den Wiederaufbau von Straßen und Häfen finanzieren. Kan erklärte nach Angaben der Nachrichtenagentur Kyodo, man wolle bis Ende Mai auch 30 000 vorübergehende Unterkünfte errichten.

Damit nicht neue Staatsanleihen die ohnehin maroden Staatsfinanzen belasten, will die Regierung die geplante Erhöhung des Kindergeldes streichen. Einige Politiker halten allerdings weitere Nachtragshaushalte für erforderlich. Am Ende könnten sich die Kosten auf über 10 Billionen Yen laufen, hieß es.

Hart treffen die Folgen des Erdbebens auch die Autoindustrie. So rechnet der weltgrößte Autobauer Toyota erst gegen November oder Dezember mit einer Normalisierung der Produktion. Erst in dieser Woche war die Fertigung an allen Standorten in Japan wieder angelaufen, allerdings vorerst nur mit halber Auslastung. Es fehlen immer noch Teile von Zulieferern.

Der japanische Kaiser Akihito reiste mit seiner Frau, Kaiserin Michiko, in die von der Naturkatastrophe betroffene Stadt Kitaibaraki, wie Medien meldeten. Es ist bereits das zweite Mal, dass das Kaiserpaar direkt in das Katastrophengebiet reiste, um den Menschen auch vor Ort Trost zu spenden und Mut zu machen.

Wie der AKW-Betreiber Tepco bekanntgab, hatte das ins Meer geflossene radioaktive Wasser Anfang des Monats eine Strahlendosis von geschätzt 5000 Terabecquerel. Das entspricht dem 20 000-fachen der erlaubten Jahresmenge. Ein Leck an dem Kraftwerk war am 6. April geschlossen worden. Es seien 520 Tonnen belastetes Wasser ausgesickert, hieß es nun. Noch immer sind Zehntausende Tonnen radioaktiv verseuchten Wassers in den Reaktorgebäuden.

Erdbeben / Atom / Japan
22.04.2011 · 16:03 Uhr
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