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Japan stuft Gefährlichkeit des Atomunfalls hoch

Tokio (dpa) - Japan hat die Gefährlichkeit des Störfalls im Atomkraftwerk Fukushima Eins auf das INES-Level 5 hinaufgestuft. Damit liegt der Unfall zwei Stufen unter der Katastrophe von Tschernobyl.

Diese Atomkatastrophe erreichte mit der Stufe 7 das höchste Level der internationalen INES-Skala. Mit der Skalierung kann die Größenordnung von Atomunfällen eingeordnet werden. Nach der Definition wird die Lage in Fukushima nun als «Unfall mit weiterreichenden Konsequenzen» beschrieben, wie die Internationale Atomenergiebehörde IAEA am Freitag mitteilte. Bisher hatten die japanischen Behörden den Störfall als «Unfall mit lokalen Konsequenzen» auf der INES-Stufe 4 eingeordnet.

Mit der Einstufung auf INES-5 steht Fukushima nun auf der selben Stufe wie der Unfall im US-Atomkraftwerk Three Mile Island 1979 nahe Harrisburg im Bundesstaat Pennsylvania. Damals kam es dort zu einer teilweisen Kernschmelze, eine radioaktive Wolke wurde noch mehrere hundert Kilometer vom Unglücksort gemessen. Mehr als 200 000 Menschen mussten ihre Häuser verlassen.

Schon vor Tagen hatten die französische Atomsicherheitsbehörde (ASN) und das unabhängige US-Institut für Wissenschaft und Internationale Sicherheit (Isis) den Unfall auf der zweithöchsten Stufe 6 - «ernster Unfall» - eingeordnet.

Nach den der IAEA mitgeteilten Informationen machen die Japaner bei der Einordnung Unterschiede zwischen den einzelnen Reaktoren: Die Beschädigung des Kerns (core damage) in den Reaktoren 1, 2 und 3 wurde auf INES 5 eingestuft, das fehlende Wasser und die ausgefallene Kühlung im Abklingbecken für gebrauchte Brennstäbe im Reaktor 4 auf INES-Level 3. Bei allen drei Reaktoren ist nach den der IAEA übermittelten Daten Radioaktivität über dem Grenzwert ausgetreten. Mindestens ein Arbeiter habe mit 106 Millisievert mehr als die jährliche Dosis von Strahlen (100 Millisievert) abbekommen.

Manche Messungen seien aber wegen des Ausfalls der Instrumente nicht möglich gewesen und eine genaue Schätzung könne nicht abgegeben werden, teilten die japanischen Behörden der IAEA mit. Auch die Auswirkungen auf Menschen und die Umwelt könnten nicht abschließend eingeschätzt werden.

Die Lage im Atomkraftwerk Fukushima Zwei (Daini) stuften die japanischen Behörden auf Level 3 («Ernster Zwischenfall») ein. Hintergrund sind nach IAEA-Angaben der Ausfall der Kühlung in den Reaktoren 1, 2 und 4. Alle Reaktoren dort seien aber nun sicher (cold shut down) in der Langzeitabschaltung.

Die Skala für nukleare Ereignisse heißt INES (International Nuclear Event Scale) und reicht von Stufe 0 (keine oder sehr geringe sicherheitstechnische Bedeutung) bis 7 (schwerste Freisetzung mit Auswirkungen auf Gesundheit und Umwelt in einem weiten Umfeld). Sie wurde nach dem Unfall von Tschernobyl erarbeitet und soll Zwischenfälle in Nuklearanlagen vergleichbar und für die Öffentlichkeit nachvollziehbar machen.

Atom / Japan
18.03.2011 · 13:53 Uhr
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