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Japan hofft nach einer Woche Dauereinsatz

Die Schäden am AKW Fukushima I.

Tokio (dpa) - Eine Woche nach der ersten Explosion im Atomkraftwerk Fukushima kämpfen japanische Einsatzkräfte weiter gegen die nukleare Katastrophe.

Techniker, Feuerwehrleute und Soldaten versuchen mit allen Mitteln, die schwer beschädigten Reaktoren des Atomkaftwerks Fukushima Eins zu kühlen, um Kernschmelzen zu verhindern. Weiterhin wird tonnenweise Wasser auf die teilweise zerstörten Hüllen der Reaktoren gespritzt. Welche Kettenreaktionen ablaufen, blieb unklar: Die hohe Radioaktivität macht es unmöglich, ins Innere vordringen. Messgeräte sind längst ausgefallen.

Sollte es eine komplette Kernschmelze in einem der Reaktoren 1 bis 3 oder in einem der vier Kühlbecken geben, wird das gesamte Gelände nach Experteneinschätzung so verstrahlt, dass Menschen dort nicht mehr arbeiten können. Dann würden auch die anderen Reaktoren endgültig außer Kontrolle geraten. Eine vielfache Kernschmelze wäre die Folge. Am vergangenen Samstag hatte sich die erste Explosion in Fukushima als Folge der Naturkatastrophe ereignete.

Die Suche nach den Opfern des Erdbebens mit anschließendem Tsunami vom Freitag vor einer Woche ging unterdessen weiter. 10 902 Menschen galten am Samstag noch als vermisst. Nach Angaben der Polizei wurden 7197 Todesopfer gezählt. Jeden Tag werden hunderte Leichen in den Trümmern der zerstörten Siedlungen gefunden.

Die Regierung verkündete am Samstag hoffnungsvolle Botschaften zu dem Atomkraftwerk. Am Reaktor 3 hätte sich die Situation stabilisiert, sagte Regierungssprechers Yukio Edano. Die Kühlung von außen durch Wasserbeschuss zeige Wirkung. In dem Reaktorbecken habe man jetzt mehr Wasser festgestellt. Seit Samstagmittag (Ortszeit) spritzten Armee und Feuerwehr mit Spezialfahrzeugen mehr als tausend Tonnen Meerwasser auf den Reaktor 3. Auch Reaktor 4 sollte von außen mit Wasser gekühlt werden, sagte Edano.

Gleichzeitig versuchen Techniker, die eigene Kühlung des Atomkraftwerks wieder in Gang zu setzen. Dafür muss zunächst die Stromversorgung wiederhergestellt werden. Stromkabel wurden inzwischen bis zu den Reaktoren 1 und 2 verlegt. Der Reaktor 2, der als einziger mit dem hoch giftigen Plutonium bestückt ist, sollte als erster an die Stromversorgung angeschlossen werden. Danach müssten aber erst die Geräte zur Kühlung des Reaktors getestet werden, erklärte der Kraftwerksbetreiber Tepco. Ob die Pumpen und Leitungen nach den gewaltigen Explosionen an mehreren Stellen im AKW noch funktionieren, ist völlig unklar.

In die Dächer der Reaktoren 5 und 6, in denen ältere Brennstäbe lagern, wurden Löcher gebohrt, durch die Wasserstoff entweichen kann, ohne dass er explodiert. Die Kühlbecken dort wurden mit Notstrom aus Dieselgeneratoren des Reaktors 6 gekühlt. Zuletzt hatte die Nachrichtenagentur Kyodo am Samstag gemeldet, dass die Temperatur im Kühlbecken von Block 5 sinkt.

Ein in Deutschlands gebautes Spezialfahrzeug zur Kühlung ist auf dem Weg zu dem Atomkraftwerk. Wie der Fernsehsender NHK am Samstag berichtete, könne die Maschine Wasser aus sehr großer Höhe versprühen. Das Fahrzeug komme normalerweise auf Baustellen zum Einsatz und pumpe flüssigen Beton.

Spinat und Milch aus der Umgebung des Atomkraftwerks sind nach Regierungsangaben leicht radioaktiv verstrahlt. Die Strahlenwerte für Spinat und Milch würden die zulässigen Höchstgrenzen überschreiten. Eine akute Gesundheitsgefährdung sei aber derzeit nicht zu erwarten.

Die Gemeinden in den japanischen Unglücksgebieten haben nach dem Erdbeben und Tsunami ein Problem mit den vielen Toten. Einem Bericht der Zeitung «Yomiuri» zufolge sind die Krematorien überfordert. In den betroffenen Provinzen werde nun überlegt, die Toten zu beerdigen, was in Japan sonst nicht üblich ist, weil es fast nur Feuerbestattungen gibt.

Die provisorischen Leichenhallen reichten bei weitem nicht aus, schreibt das Blatt weiter. Außerdem fehlt Eis zur Kühlung der Toten. In einigen Gemeinden reihen sich die Toten in Sporthallen aneinander. Früher oder später drohten erhebliche Hygieneprobleme, zitiert die Zeitung die Behörden.

Der Bau von Baracken für die Überlebenden begann vielerorts mit Problemen. Weil Benzin und Diesel knapp seien, konnte Baumaterial nicht geliefert werden, berichtete die Agentur Kyodo.

Die meisten Deutschen haben die japanische Hauptstadt Tokio und ihre Umgebung inzwischen verlassen. Der überwiegende Teil sei nach Westjapan oder ins Ausland gereist. «Ich schätze, dass sich weniger als Tausend deutsche Staatsbürger noch in ganz Ostjapan aufhalten», sagte ein Botschaftssprecher. Im Ballungsgebiet Tokio-Yokohama lebten bis zum Erdbeben etwa 3500 Deutsche. Wegen der dramatischen Lage am Atomkraftwerk verlegte auch die deutsche Botschaft ihren Sitz nach Osaka.

Während Retter fieberhaft versuchen, den Überlebenden zu helfen, kommt die Erde in Japan nicht zur Ruhe. Dem Erdbeben mit der Stärke 9,0 vom vergangenen Freitag sind so viele Nachbeben gefolgt wie nie zuvor. 262 Mal habe die Erde in der Woche danach mit der Stärke 5 oder mehr gebebt, teilte das Meteorologische Institut in Japan am Freitag nach Angaben von Kyodo mit.

Erdbeben / Atom / Japan
19.03.2011 · 15:39 Uhr
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