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Japan: Grenzwerte für Schulen festgelegt

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Tokio (dpa) - Die japanische Regierung verstärkt den Schutz der Menschen rund um die havarierte Atomanlage Fukushima. Sechs Wochen nach der Katastrophe legten die Behörden einen vorläufigen Grenzwert für die Strahlenbelastung an Schulen fest.

Wie die Nachrichtenagentur Jiji Press berichtete, dürfen Schulen und Spielplätze benutzt werden, solange die Strahlendosis unter freiem Himmel nicht über 3,8 Mikrosievert pro Stunde liegt.

Eine Serie von Erdbeben erschütterte am Donnerstag die Nordostküste Japans. Das heftigste erreichte eine Stärke von 6,1, wie es auf der Internetseite der US-Erdbebenwarte hieß. Das Epizentrum lag etwa 60 Kilometer östlich von Tokio. Berichte über Schäden und Opfer lagen nach Angaben der Nachrichtenagentur Kyodo zunächst nicht vor.

Wenn sich ein Mensch bei dem festgelegten Strahlenwert jeden Tag acht Stunden lang draußen aufhält, beläuft sich die insgesamt über den Zeitraum eines Jahres angesammelte Radioaktivität nach Regierungsangaben auf rund 20 Millisievert. Der Grenzwert wurde unter der Bedingung festgelegt, dass fortwährend gemessen wird.

Nach Angaben des Erziehungsministeriums entspricht der festgelegte Wert den Bestimmungen der International Commission on Radiological Protection, die bei einem Atomunfall eine jährliche Strahlendosis von bis zu 20 Millisievert sowohl für Erwachsene als auch für Kinder zulässt. Kinder reagieren allerdings viel empfindlicher auf eine Strahlenbelastung als Erwachsene.

Das Münchner Institut für Strahlenschutz am Helmholtz Zentrum bewertete die Einstufung dennoch positiv. Japan habe sich an Werten orientiert, die von der internationalen Strahlenschutzorganisation empfohlen werden - und sogar noch vorsichtigere Zahlen festgelegt. «Der Grenzwert wurde niedriger eingestuft, als es in Deutschland für den Katastrophenfall vorgesehen wäre», sagte Christoph Hoeschen, Leiter der Abteilung Medizinische Strahlenforschung und Diagnostik.

Japans Ministerpräsident Naoto Kan erklärte am Donnerstag bei einem Besuch in der Provinz Fukushima die Region um das AKW zum Sperrgebiet, das niemand ohne staatliche Genehmigung betreten dürfe. Die 20-Kilometer-Zone um das AKW galt zwar schon zuvor als Evakuierungszone - es gab jedoch kein Verbot, es zu betreten. Die Sperrzonen-Regelung sollte an diesem Donnerstag um Mitternacht (Ortszeit) in Kraft treten. Etwa 80 000 ehemalige Bewohner, die das Erdbeben und den Tsunami vom 11. März überlebt haben, sind davon betroffen.

Immer wieder waren Flüchtlinge trotz der akuten Gefahr durch radioaktive Strahlen auf eigene Faust in ihre Wohngebiete zurückgekehrt, um Habseligkeiten zu holen. Das wird jetzt nur noch mit ausdrücklicher Genehmigung unter Auflagen möglich sein.

So ist es nur einer Person pro Haushalt erlaubt, das Gebiet für etwa zwei Stunden zu betreten. Die Menschen müssen dabei Schutzkleidung und ein Dosimeter tragen, erklärte Regierungssprecher Yukio Edano. Sie sollen in Gruppen mit Bussen ins Sperrgebiet gebracht werden. Dies gilt allerdings nicht für Menschen, deren Wohnungen in einem Umkreis von drei Kilometern um das AKW liegen. Sie dürfen dieses Gebiet überhaupt nicht mehr betreten.

Wie der Betreiberkonzern Tepco bekanntgab, hatte das aus dem AKW ins Meer gesickerte hochradioaktive Wasser Anfang des Monats eine Strahlendosis von geschätzt 5000 Terabecquerel. Das entspricht dem 20 000-fachen der erlaubten Jahresmenge. Ein Leck an dem Kraftwerk war am 6. April geschlossen worden. Es seien 520 Tonnen belastetes Wasser ausgesickert, hieß es nun. Das Wasser soll aus dem Turbinengebäude von Reaktor 2 und angeschlossenen Schächten stammen.

Noch immer sind zehntausende Tonnen radioaktiv verseuchten Wassers in den Reaktorgebäuden. Sie behindern die Versuche, die zerstörten Kühlsysteme zu reparieren. Zumindest ein Teil des Wassers soll deshalb in den nächsten Wochen in spezielle Auffangbecken geleitet werden.

Der weltgrößte Atomkraftwerk-Betreiber EDF will Lehren aus dem schweren Rektorunglück in Fukushima ziehen. Am Konzernsitz in Paris kündigte der staatliche französische Stromkonzern Électricité de France (EDF) die Aufstellung einer schnellen Eingreiftruppe für schwere Störfälle an. Sie solle innerhalb von 24 bis 48 Stunden reaktionsfähig sein, gab die EDF-Führung auf einer Pressekonferenz bekannt.

Erdbeben / Atom / Japan
21.04.2011 · 18:08 Uhr
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