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Japan bittet deutsche Kinderheimleiterin um Hilfe

Berlin/Ichinoseki (dpa) - Japanische Behörden haben eine deutsche Kinderheimleiterin im Katastrophengebiet um Hilfe gebeten. «Die Präfektur Iwate hat uns gefragt, ob wir noch Kinder aufnehmen können», sagte Franziskanerschwester Caelina Mauer in einem Telefongespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.

Sie habe sofort zugesagt und könne noch 15 weiteren Kindern helfen, die obdachlos geworden oder Waisen seien. Die Einrichtung in der Kleinstadt Ichinoseki liegt etwa 150 Kilometer Luftlinie von Fukushima entfernt.

Das Kinderheim im Norden der Hauptinsel Honshu war bei dem verheerenden Erdbeben vor einer Woche selbst beschädigt worden: Es hat nun Risse in den Wänden, zerstörte Fenster und gelöste Deckenplatten. Die Schützlinge im Alter von 2 bis 18 Jahren mussten daher die vergangenen Tage in einer Turnhalle verbringen, die mit Matratzen ausgelegt war. Gegessen wurde draußen am Kohlenfeuer.

«Heute Morgen hatten wir wieder minus drei Grad. Wir haben uns unter anderem deshalb entschlossen, dass es besser ist, wieder ins Heim zu gehen», berichtete die Leiterin aus Heede im Emsland. Die Freude sei allerdings getrübt: «Wir können die Zimmer nicht heizen. Es fehlt an Benzin und Nahrungsmitteln. Die Infrastruktur liegt weiterhin lahm.» Die Kinder seien alle wohlauf, aber verängstigt. «Es braucht eine geraume Zeit, bis sie das verarbeiten.»

Zurzeit seien insgesamt 60 Mädchen und Jungen im Heim. «Über 50 Prozent der Kinder leben wegen erlittener Misshandlungen bei uns», schilderte die 47-Jährige. 30 Prozent seien Kinder psychisch kranker, allein stehender Mütter und nur zehn Prozent Waisen. «Einige Eltern haben auch aus finanzieller Not ihre Kinder bei uns abgegeben.» Das Heim wird von Malteser International unterstützt.

Erdbeben / Hilfsorganisationen / Japan
19.03.2011 · 00:35 Uhr
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