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IWF-Chef: Übergreifen der Athen-Krise vermeiden

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Paris (dpa) - IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn warnt vor einem Übergreifen der griechischen Finanzkrise auf andere EU-Staaten und plädiert für eine Wirtschaftsregierung der Euro-Zone. «Wir müssen es schaffen, eine Ansteckung zu verhindern», sagte Strauss-Kahn dem «Parisien».

«Der Umfang des Griechenlandplans (von 110 Milliarden Euro) dient auch dazu. Jeder muss aber extrem wachsam bleiben.»

Kritisch sieht Strauss-Kahn den hohen Zinssatz von fünf Prozent, zu dem die Europäer Athen Geld leihen. In Deutschland hätten Rechtsgründe gegen einen niedrigeren Satz gestanden. «Doch ich denke, man hätte sich mehr anstrengen können, denn je billiger man Kredit gibt, desto besser hilft man den Griechen.» Der IWF bietet sein Geld einen halben Prozentpunkt billiger an. «Die beste Maßnahme gegen die Spekulanten ist ganz einfach, sie Geld verlieren zu lassen», sagte Strauss-Kahn. «Alle, die darauf gewettet haben, dass Griechenland in den nächsten Monaten zusammenbricht, werden das bezahlen.»

Der Internationale Währungsfonds (IWF) habe mit seiner Erfahrung die mit solchen Krisen unerfahrene EU dazu gebracht, ihren Hilfsplan zu modifizieren, sagte Strauss-Kahn. So müssten die Griechen erst 2013/14 und nicht schon 2012 ihr Defizit von mehr als 13 auf drei Prozent drücken. «Zweitens haben wir die Europäer überzeugt, dass man Griechenland 18 Monate lang vor der Spekulation schützen muss.» Dazu habe man mehr Geld bereitstellen müssen als ursprünglich geplant. Drittens habe er darauf geachtet, dass die Ärmsten vor den Folgen der Maßnahmen geschützt würden.

Strauss-Kahn warnte die Griechen, dass die Geber ihre Hilfe zurückziehen könnten, wenn Athen die vereinbarten Sanierungsprogramme nicht umsetze. «Die Pläne werden alle drei Monate kontrolliert», sagte der Franzose. Der Hilfsplan berge die Gefahr, dass die sowieso verbreitete Schattenwirtschaft wachse. «Deshalb hat der IWF auf vielen Maßnahmen gegen Steuerbetrug und Korruption bestanden.» Er verstehe die Wut und das Unverständnis der griechischen Bürger angesichts der Katastrophe. Doch ohne die Maßnahmen wäre die Lage noch schlimmer.

Ein Ausscheiden Griechenlands aus der Euro-Zone schließt Strauss-Kahn aus. «Das könnte das Ende des Euro sein», sagte er. Man könne aber nicht einfach so ohne Abstimmung der Wirtschaftspolitik weitermachen. «Heute sieht man, wie dringend nötig diese famose Wirtschaftsregierung ist, die von vielen gefordert wird und ohne die der Euro nicht wirklich vollendet ist.»

Interview: http://dpaq.de/Interview

Finanzen / IWF / Griechenland
05.05.2010 · 21:42 Uhr
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