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IW Köln-Direktor Michael Hüther fordert Entlastung der Steuerzahler

Köln (dts) - Michael Hüther, der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW Köln), fordert von der Bundesregierung die Einkommensteuer zu reformieren und die Steuerzahler zu entlasten. Angesichts der erwarteten gewaltigen Mehreinnahmen der öffentlichen Hand sei es an der Zeit, das Steuersystem gerechter zu machen. "Die Einkommensteuer ist trotz vieler Versprechen im Wahlkampf immer noch schreiend ungerecht", sagte Hüther im Gespräch mit der "Welt".

Durch eine Glättung des Einkommensteuertarifs könnten die Steuerzahler um 24 Milliarden Euro entlastet werden. "Wenn man die Glättung ab 2013 in drei Stufen machen würde, wären das alle zwei Jahre rund acht Milliarden Euro", sagte Hüther. "Am Ende könnte die Entlastung dann bei 24 Milliarden Euro liegen. Das versprechen Politiker seit Jahren." Hüther gehört zu den führenden Ökonomen Deutschlands. Der Institutschef fordert außerdem den Ausgleich der kalten Progression, die entsteht, weil der Steuertarif die Inflation nicht berücksichtigt. "Wenn die Löhne steigen, um die Inflation auszugleichen, rutschen Arbeitnehmer immer noch durch das Plus in eine höhere Steuerklasse", sagte Hüther. "Diese kalte Progression frisst häufig einen Großteil der Lohnerhöhung wieder auf." Angesichts der schwelenden Diskussion über einen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone, warnte Hüther vor den Konsequenzen eines solchen Schritts: "Von einem Austritt Griechenlands hat niemand etwas. Es ist eine Illusion zu glauben, die griechische Volkswirtschaft würde durch eine eigene schwächere Währung wettbewerbsfähiger", sagte Hüther im Gespräch mit der "Welt". Ende vergangener Woche hatte es Gerüchte gegeben, das hochverschuldete Land plane den Austritt aus der Währungsunion. Befürworter eines solchen Schritts verweisen darauf, dass Griechenland dann seine eigene Währung gegenüber dem Euro abwerten könnte, um so seine internationale Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. Solche Überlegungen hält Hüther für naiv: "Griechenland war seit 1975 noch nie wettbewerbsfähig und hatte immer eine negative Leistungsbilanz - selbst mit der Drachme. Die negativen Risiken eines Austritts würden deshalb alle positiven Folgen überwiegen", sagte der Ökonom. Hüther erwartet nicht, dass Griechenland sein Staatsschuldenproblem aus eigener Kraft lösen können wird. "Griechenland kann seine Auslandsschulden nicht aus eigener Kraft bewältigen", sagte der Wirtschaftswissenschaftler der "Welt". "Um eine Umschuldung und die Beteiligung ausländischer Gläubiger kommt man nicht herum."
DEU / Finanzindustrie / Wirtschaftskrise / Steuern
10.05.2011 · 18:30 Uhr
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