News
 

Italienische Geisel nach sechs Monaten befreit

Der Italiener Eugenio Vagni nach seiner Befreiung zusammen mit Frau und Kind.Großansicht
Manila (dpa) - Sechs Monate nach der Entführung von drei Mitarbeitern des Roten Kreuzes haben muslimische Extremisten auf den Philippinen ihre letzte Geisel freigelassen. Die Terrororganisation Abu Sayyaf übergab Eugenio Vagni (62) am Sonntag (Ortszeit) einer Lokalpolitikerin.

«Ich fühle mich frei, meine Gesundheit ist in Ordnung», sagte der Italiener auf der Insel Jolo rund 1000 Kilometer südlich der Hauptstadt Manila. In der muslimischen Region kämpfen Extremisten seit Jahren für einen eigenen Staat.

Rebellen hatten Vagni und zwei Kollegen vom Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) im Januar auf Jolo verschleppt. Die drei hatten dort gerade eine Abwasseranlage in einem Gefängnis in Augenschein genommen. Die anderen beiden, eine Philippinerin und ein Schweizer, kamen bereits im April frei.

Nach Angaben der stellvertretende Gouverneurin von Sulu, Anne Sahidullah, bekamen die Terroristen lediglich das Versprechen, dass in der Region mehr Arbeitsplätze geschaffen werden, und 50 000 Pesos (rund 750 Euro) - «für Zigaretten», wie sie sagte. Die Männer hätten kein Lösegeld verlangt.

Das Militär hatte mehrfach versucht, die Geiseln zu befreien. Zeitweise drohten die Entführer, eine Geisel zu enthaupten, und erreichten damit einen vorübergehenden Rückzug der Armee. Im Juni waren bei einem Befreiungsversuch zehn Rebellen ums Leben gekommen.

In Italien wurde die Freilassung Vagnis gefeiert. Staatspräsident Giorgio Napolitano dankte den philippinischen Behörden, dem Roten Kreuz und dem Außenministerium für die erfolgreichen Bemühungen. Mit «besonderer Genugtuung und Erleichterung» reagierte der Vatikan. Papst Benedikt XVI. hatte zwei mal an die philippinischen Behörden appelliert, den Konflikt im Süden des Landes friedliche zu beenden, sagte sein Sprecher. Im toskanischen Heimatort Vagnis Montevarchi nahe Arezzo läuteten die Kirchenglocken. «Alle sollten es wissen und sich freuen», sagt Pfarrer Mauro Frasi. Vagnis Frau und Kinder waren bereits seit einem Monat auf den Philippinen.

Abu Sayyaf kämpft mit Gewalt für einen eigenen muslimischen Staat im Süden der überwiegend katholischen Philippinen. Die Terrorgruppe ist wegen spektakulärer Entführungen berüchtigt. Im Jahr 2000 verschleppten sie 21 Touristen von einer Tauchbasis in Malaysia nach Jolo, darunter die Göttinger Familie Wallert. Die Geiseln kamen erst Wochen später nach einer Lösegeldzahlung frei.

Konflikte / Italien / Philippinen
12.07.2009 · 12:06 Uhr
[0 Kommentare]

Die aktuellen Schlagzeilen

 
 

News-Suche

 

News-Archiv

 
Diese Woche
Letzte Woche
Vorletzte Woche
Top News

Weitere Themen