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Italien zu Krawallen: «Organisierte Gewalt»

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Rom (dpa) - Regierung und Opposition in Italien haben die schwersten Krawalle in Rom seit Jahrzehnten als Ergebnis «organisierter Gewalt» verurteilt.

«Die Bilder der Zusammenstöße sind um die Welt gegangen und haben ein hässliches Licht auf unser Land geworfen», sagte der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi am Mittwoch in einem TV-Interview zu den Ausschreitungen. Hier gehe es nicht um freie Meinungsäußerung von Regierungsgegnern, sondern um «organisierte Randalierer».    

Nach Berlusconis knappem Sieg bei einem Misstrauensvotum hatten sich am Dienstag einige hundert Randalierer Straßenschlachten mit der Polizei geliefert und Teile des historischen Stadtzentrums verwüstet. Sie rissen Steine aus dem Pflaster, nahmen Straßenschilder als Rammböcke, warfen Polizisten zu Boden und bedrohten sie. Ein Foto zeigt, wie ein Polizist in dieser Situation zu seiner Schusswaffe greift.

Mehr als 100 Menschen wurden verletzt, darunter mindestens 57 Polizisten. 41 Menschen wurden festgenommen. Roms Bürgermeister Gianni Alemanno sprach von den schlimmsten Ausschreitungen seit Jahrzehnten. Den geschätzten Schaden bezifferte er auf etwa 20 Millionen Euro. Auch der Chef der größten Oppositionspartei PD (Demokratische Partei), Pierluigi Bersani, verurteilte die Ausschreitungen: «Es gibt keinen Grund, der diese Krawalle rechtfertigen kann.»

Im Zentrum der Kritik steht vor allem Berlusconis Innenminister Roberto Maroni von der rechtspopulistischen Lega Nord. Er habe zwar ein Eindringen der Demonstranten ins Parlament verhindert, aber nicht die Verwüstung der Innenstadt, kritisierten Medien und Opposition. Immerhin sei die geplante gewalttätige Störung der friedlichen Demonstrationszüge durch Autonome seit Tagen bekanntgewesen. Die Präventivmaßnahmen dagegen seien vollkommen unzureichend gewesen.

«Es hätte Tote und Schwerverletzte geben können wie beim G8-Gipfel in Genua 2001», verteidigte Maroni im Interview des Mailänder «Corriere della Sera» sein Vorgehen. «Hätten wir als Alternative Panzer auffahren sollen?», fragte er. Sein Ministerium habe damit rechnen müssen, dass etwa 1000 Menschen versuchen würden, die Abstimmungen im Parlament gewaltsam zu unterbrechen. Diese Art von «neuem Terrorismus» könne nicht geduldet werden, sagte Maroni.     

Allein in Rom hatten am Tag der Abstimmungen nach Angaben der Organisatoren mehr als 100 000 Menschen gegen die Politik des umstrittenen Medienmoguls protestiert. Mehr als 1500 Einsatzkräfte waren zum Schutz der Parlamentsgebäude abgestellt worden.

Regierung / Parlament / Italien
15.12.2010 · 14:00 Uhr
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