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Italien fürchtet «Exodus in biblischem Ausmaß»

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Rom (dpa) - Die italienische Regierung befürchtet die Flucht von Hunderttausenden aus Libyen, sollte das Land im Chaos untergehen. «Zu erwarten ist ein Exodus in biblischem Ausmaß, ein Problem, das kein Italiener unterschätzen kann und darf», sagte Außenminister Franco Frattini dem Mailänder «Corriere della Sera».

Zu rechnen sei mit einer abnormalen Welle von 200 000 bis 300 000 Immigranten, und das sei nur eine vorsichtige Schätzung, erläuterte der Minister. Zugleich hielt er Schätzungen von bisher rund 1000 Toten bei den Unruhen bezeichnete er als «glaubwürdig».

«Es ist klar, dass die Folgen einer solchen Migration nicht von Italien allein getragen werden können», sagte Frattini am Mittwoch im Parlament in Rom. Die EU müsse in diesem Fall Italien dabei helfen, mit dem möglichen riesigen Flüchtlingsstrom fertig zu werden. Die sehr ernste Lage in Libyen habe sich durch die Erklärung von Staatschef Muammar al-Gaddafi vom Vortag noch verschärft, sein eigenes Volk angreifen zu wollen, warnte Frattini.

Frattini sieht vor allem einen Exodus aus dem südlichen Libyen voraus, wo ein Drittel der Bevölkerung lebe. «Wir sprechen hier von zweieinhalb Millionen Menschen, die sich (bei einem Zusammenbruch des Systems) davonmachen, weil sie keine Arbeit mehr haben», erklärte er. Es würden aber nicht alle Flüchtlinge nach Italien kommen, denn etwa von Bengasi aus liege Griechenland sehr viel näher. Frattini äußerte sich nach einer Krisensitzung der italienischen Regierung zu Libyen.

Die Regierung von Ministerpräsident Silvio Berlusconi blickt mit «großer Sorge» auf die blutige Gewalt in Libyen. Mehrere Hundert der insgesamt etwa 1500 Italiener, die in Libyen arbeiten und leben, sind inzwischen ausgeflogen worden. «Das Problem mit Libyen besteht darin, dass wir, abgesehen von (Staatschef) Muammar al-Gaddafi, niemanden dort kennen», sagte Frattini. So sei es unmöglich, sich vorzustellen, wie die Zukunft des Landes nach den Aufständen aussehen könne.

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Unruhen / Italien / Libyen
23.02.2011 · 12:53 Uhr
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