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Israels Ex-Regierungschef Scharon ist tot

Ariel Sharon, hier im Jahr 2005, ist im Alter von 85 Jahren gestorben. Foto: Kevin Frayer

Tel Aviv (dpa) - Der frühere israelische Ministerpräsident Ariel Scharon ist im Alter von 85 Jahren in einem Krankenhaus bei Tel Aviv gestorben. Der frühere Militär und Politiker hatte nach einem Schlaganfall acht Jahre im Koma gelegen. Politiker in aller Welt würdigten seine Verdienste für Israel.

US-Präsident Barack Obama bezeichnete Scharon als einen, der dem Staat Israel sein Leben gewidmet habe. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) würdigte Scharon als Patrioten mit großen Verdiensten für sein Land. Scharon soll an diesem Sonntag in der Knesset, dem Parlament in Jerusalem, aufgebahrt werden. Das Staatsbegräbnis wurde für Montag angekündigt. Die USA werden dabei von Vize-Präsident Joe Biden vertreten. Scharon soll auf seiner Farm im Süden Israels seine letzte Ruhestätte finden.

Palästinenser bezeichneten Scharon dagegen als Kriminellen und erklärten, sein Name werde für immer mit Schmerz, Blut, Folter, Vertreibung und Verbrechen verbunden sein. Auf Scharon warte nun Gottes Strafe, sagte das führende Fatah-Mitglied Dschamal Muhessen. «Er wird für seine Verbrechen bestraft werden, vor allem für Sabra und Schatila», betonte Muhessen. Während des Libanon-Krieges hatten mit Israel verbandelte libanesische Milizen 1982 Hunderte Palästinenser in den Flüchtlingslagern Sabra und Schatila ermordet.

Im kollektiven Gedächtnis der Araber wird Scharon deshalb wohl immer der «Schlächter von Beirut» bleiben. Der Sprecher der radikal-islamischen Hamas im Gazastreifen, Salah al-Bardawil, sagte sogar: «Wir beten zu Allah, dass Scharon und all die zionistischen Führer, die Massaker gegen unser Volk verübt haben, zur Hölle gehen.»

Der ebenso schillernde wie umstrittene Politiker und Militär hatte nach einer dramatischen Verschlechterung seines Gesundheitszustandes seit Tagen mit dem Tode gerungen. Der engste Familiekreis harrte seit mehr als einer Woche an seinem Krankenbett in der Spezialklinik in Tel Haschomer aus. Zuletzt hatten die Ärzte von mehreren Organschädigungen berichtet.

«Mein lieber Freund, Ariel Scharon, hat heute seinen letzten Kampf verloren», erklärte Präsident Schimon Peres. Er würdigte Scharon als einen der größten Beschützer und wichtigsten Architekten Israels. «Ariel war ein tapferer Soldat und kühner Führer, der seine Nation liebte und sein Land liebte ihn.» Regierungschef Benjamin Netanjahu bezeichnete Scharon als großen militärischen Führer und mutigen Kämpfer, dessen Erinnerung immer im Herzen der Nation bleiben werde.

«Das ist es. Er ist von uns gegangen. Er ist gegangen, als er sich entschieden hatte zu gehen», sagte Scharons Sohn Gilad. Er sprach den Ärzten und Pflegern seinen Dank aus, die seinen Vater all die Jahre umsorgt hatten. Scharon hinterlässt zwei erwachsene Söhne und mehrere Enkelkinder. Er wäre am 27. Februar 86 Jahre alt geworden.

Scharon war von 2001 an fünf Jahre Regierungschef. Der als Kriegsheld verehrte Politiker setzte 2005 den einseitigen Rückzug aus dem Gazastreifen durch. Merkel hob diesen Schritt besonders hervor: «Mit seiner mutigen Entscheidung, die israelischen Siedler aus dem Gazastreifen abzuziehen, hat er einen historischen Schritt auf dem Weg zu einem Ausgleich mit den Palästinensern und zu einer Zwei-Staaten-Lösung getan», erklärte sie in Berlin. Seit Ende Juli verhandeln Israel und die Palästinenser wieder über eine Friedenslösung auf Basis der Zwei-Staatenlösung, bei der ein in Frieden neben Israel lebender Palästinenserstaat angestrebt wird. Dafür müsste sich Israel aus weiten Teilen des Westjordanlandes zurückziehen.

Obama bekräftigte angesichts des Todes von Scharon, die USA seien der Sicherheit Israels «unerschütterlich» verpflichtet und schätzten die dauerhafte Freundschaft zwischen beiden Ländern und beiden Völkern, hieß es in einer in Washington veröffentlichten Erklärung Obamas. «Wir streben weiter nach einem dauerhaften Frieden und Sicherheit für das israelische Volk, so auch, indem wir dem Ziel von zwei Staaten verpflichtet sind, die in Frieden und Sicherheit Seite an Seite leben.» Auch er bezog sich dabei auf die laufenden Friedensgespräche zwischen Israel und den Palästinensern.

Der Sohn jüdischer Einwanderer aus Osteuropa war während seiner langen Karriere in Armee und Politik von Anhängern verehrt, aber von Gegnern gefürchtet und gehasst. Sein legendäres Stehvermögen in politischen Auseinandersetzungen brachten ihm den Spitznamen «Bulldozer» ein.

Den Bau israelischer Siedlungen in den 1967 besetzten arabischen Gebieten unterstützte Scharon anfangs massiv. Als besondere Provokatation empfanden die Palästinenser einen Besuch des damaligen Oppositionspolitikers im September 2000 auf dem Muslimen wie Juden heiligen Tempelberg (Haram al-Scharif) in der Alstadt von Jerusalem. Die Unruhen mündeten in einen bewaffneten Aufstand der Palästinenser (Zweite Intifada).

Zum Ende seiner politischen Karriere vollzog er den Wandel zum angesehenen und in Israel sehr beliebten Staatsmann. Seine Vision von einer endgültigen Regelung des Konflikts mit den Palästinensern konnte er aber nicht mehr umsetzen.

Innenpolitik / Israel
11.01.2014 · 19:02 Uhr
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