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Israel wegen Gaza-Blockade immer mehr unter Druck

Ein Schiff mit der palästinensischen Flagge vor der Küste von Gaza. (Archivbild)Großansicht
Tel Aviv/Istanbul/Teheran (dpa) - Israel kommt wegen der Blockade des Gazastreifens und der Erstürmung eines türkischen Hilfsschiffes immer mehr unter Druck. Die Türkei forderte am Montag noch einmal ultimativ eine unabhängige Untersuchung des blutigen Einsatzes der Israelis.

Der Iran will zwei eigene Schiffe mit Hilfsgütern für die Palästinenser auf den Weg schicken - begleitet von Revolutionsgarden. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon kündigte seine Vermittlung zwischen Israel und der Türkei an. Israelische Soldaten töteten unterdessen im Küstenbereich vor dem Gazastreifen vier Palästinenser.

Eine Woche nach dem israelischen Angriff auf die Gaza-Hilfsflotte mit neun Toten und 50 Verletzten sprach Palästinenserpräsident Mahmud Abbas am Montag mit der türkischen Führung. Der türkische Außenminister Ahmet Davutoglu sagte, ohne eine internationale Untersuchung werde es keine Normalisierung der Beziehungen zu Israel geben. «Sie haben keine Chance, vor dieser Kommission wegzurennen», sagte er. «Wir erlauben niemandem, unsere Bürger zu töten.»

Auch UN-Generalsekretär Ban hält an der Forderung einer unabhängigen Untersuchung fest. Dazu wolle er zwischen der Türkei und Israel vermitteln, sagte sein Sprecher am Montag in New York. Ban habe mit den Ministerpräsidenten beider Länder telefoniert und setze seine Bemühungen fort, den Vorfall in beider Einvernehmen aufzuklären.

Unterdessen forderte der Iran seinen Erzfeind Israel heraus: Die islamische Republik will Ende dieser Woche zwei Schiffe mit Hilfsgütern für den Gazastreifen entsenden. Das kündigte der Chef des Iranischen Roten Halbmondes, Abdul-Rauf Adibsadeh, nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur IRNA vom Montag an. Eines der Schiffe soll Lebensmittel und medizinische Güter transportieren, auf dem anderen befänden sich hauptsächlich Helfer, sagte Adibsadeh.

Die paramilitärischen iranischen Revolutionsgarden stünden bereit, die Flottille zu eskortieren, hieß es in Teheran. Die Ankündigung wurde von Beobachtern aber auch als Propaganda gewertet. Bereits im Januar 2009 hatte der Iran zwei Schiffe mit Waffen und Hilfsgütern auf den Weg geschickt, sie waren von Ägypten und Zypern aber an der Weiterfahrt gehindert worden.

US-Vizepräsident Joseph Biden bemühte sich am Montag um eine Entschärfung der Situation. Nach einem Gespräch mit dem ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak im Badeort Scharm el Scheich sagte er: «Wir sind in engem Kontakt mit Ägypten und unseren anderen Partnern, um neue Wege zu finden, wie man die humanitären, wirtschaftlichen, politischen und sicherheitspolitischen Aspekte der Lage im Gazastreifen angehen kann.» Der Status quo sei für alle Beteiligten ein unhaltbarer Zustand.

Die Europäische Union könnte nach Ansicht des französischen Außenministers Bernard Kouchner eine größere Rolle bei der Überwachung der Hilfslieferungen in den Gazastreifen spielen. So könne die EU für das Palästinensergebiet bestimmte Frachtschiffe auf versteckte Waffen hin überprüfen. «Die Europäische Union muss sich politisch und konkret mehr beteiligen», sagte Kouchner.

Im Küstenbereich vor dem Gazastreifen kam es am Montag zu einem neuen Zwischenfall. Ein israelischer Armeesprecher teilte mit, mehrere Männer seien unterwegs zu einem Anschlag in Israel gewesen. Sie hätten Taucheranzüge getragen. Eine Patrouille der israelischen Marine habe auf die Gruppe geschossen und vier Männer getroffen.

Konflikte / Gaza / Nahost / Frankreich / Großbritannien
07.06.2010 · 15:37 Uhr
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