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Israel und Türkei reden wieder miteinander

Israelische Soldaten bringen nach dem blutigen Schlag gegen die «Solidaritätsflotte» Verwundete in ein Hospital in Tel Aviv (Foto vom 31.5.2010).Großansicht
Tel Aviv/Istanbul (dpa) - Israel und die Türkei haben einen Monat nach der gewaltsamen Übernahme eines türkisches Passagierschiffes wieder Kontakt aufgenommen.

Der türkische Außenminister Ahmet Davutoglu habe den israelischen Industrieminister Benjamin Ben-Eliezer zu einem vertraulichen Gespräch getroffen, berichteten türkische Medien am Donnerstag.

Das Treffen fand offenbar auf Druck der US-Regierung statt. Sowohl Israel als auch die Türkei sind Verbündete der USA in der Region. Nach türkischen Angaben sprachen beide Minister in Brüssel miteinander. Nach Informationen israelischer Zeitungen war es Zürich. In Israel löste die Unterredung eine Vertrauenskrise zwischen Regierungschef Benjamin Netanjahu und Außenminister Avigdor Lieberman aus.

Davutoglu verlangte bei dem Treffen mit Ben-Eliezer erneut eine offizielle Entschuldigung Israels für den Angriff auf die Gaza- Hilfsflotte. Darüber hinaus solle Israel Entschädigungen für die Opfer zahlen und die Blockade des Gazastreifens beenden. «Dazu gibt es nichts Neues zu sagen», sagte der israelische Regierungssprecher Mark Regev auf Anfrage.

Lieberman beschwerte sich vehement, dass er von dem vertraulichen Gespräch nichts gewusst habe, während das Treffen von Regierungschef Netanjahu mit der US-Regierung koordiniert gewesen sei. Auch Verteidigungsminister Ehud Barak und andere Regierungsvertreter seien eingeweiht worden.

Dies sei eine Beleidigung der Normen akzeptablen Verhaltens und ein schwerer Schlag für das Vertrauen zwischen dem Außenminister und dem Ministerpräsidenten, heißt es in einer Erklärung des Außenministeriums. Lieberman bezeichnete das Gespräch am Donnerstag im israelischen Rundfunk als Fehler und unvernünftig. Zugleich stellte der ultra-rechte Politiker klar, dass er trotz allen Ärgers die Regierungskoalition nicht verlassen wolle.

Regierungssprecher Regev machte auf Anfrage eine technische Panne dafür verantwortlich, dass Lieberman nicht informiert worden sei. Zur Art dieser Panne wollte er nichts sagen. Lieberman hat dann am Donnerstag nach Medienberichten den Spieß umgedreht. Netanjahu hatte mehrfach vergeblich versucht, mit dem Außenminister zu telefonieren und die Verstimmung auszuräumen. Eine technische Panne habe dies verhindert, wird Lieberman zitiert.

Ein israelisches Spezialkommando hatte Ende Mai im Mittelmeer das türkische Passagierschiff «Mavi Marmara» mit mehr als 500 pro- palästinensischen Aktivisten an Bord gestürmt. Dabei waren 9 Aktivisten getötet und mindestens 45 weitere verletzt worden. Israel wollte den Schiffskonvoi daran hindern, die Seeblockade vor dem Gazastreifen zu durchbrechen. Der Zwischenfall führte zur bislang größten Krise im Verhältnis der beiden strategischen Partner.

Konflikte / Nahost / Türkei
01.07.2010 · 14:51 Uhr
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