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Israel beschwert sich bei UN über Syrien

Palästinenser ziehen einen verwundeten Mann hinter einen Erdwall.Großansicht

Jerusalem (dpa) - Israel wirft Syrien vor, die palästinensischen Grenzstürmer für die eigenen Interessen zu missbrauchen. Der jüdische Staat fürchtet, die Aktionen an der israelischen Grenze könnten in Zukunft eine regelmäßige Form des Protests werden.

Nach dem tödlichen Grenzsturm Hunderter Palästinenser auf den besetzten Golanhöhen legt Israel bei den Vereinten Nationen offiziell Beschwerde gegen Syrien ein. Ein Sprecher des israelischen Außenministeriums in Jerusalem bestätigte dies am Montag. Am Montag blieb es an der Grenze zu Syrien weitgehend ruhig, obwohl Demonstranten sich weiter in Grenznähe aufhielten.

Am Sonntag waren nach syrischen Berichten an der Grenze 23 Menschen getötet und 350 weitere verletzt worden. Bei den Toten handelt es sich nach Angaben der Aktivisten um 17 Palästinenser und 6 syrische Sympathisanten, die zum Teil aus weit entfernten Ortschaften stammen. Darunter waren auch eine Frau, ein zwölfjähriger Junge und ein Journalist. In mehreren palästinensischen Flüchtlingslagern in Syrien wurden die Toten am Montag unter großer Anteilnahme der Bevölkerung beigesetzt.

Die Demonstranten hatten am sogenannten Naksa-Tag versucht, die Grenze zu den von Israel besetzten Golanhöhen zu überrennen. Die israelische Armee blieb deswegen am Montag weiter in erhöhter Alarmbereitschaft. Eine Armeesprecherin in Tel Aviv sagte, die Soldaten hätten Anweisung erhalten, niemanden von Syrien aus über die Grenze zu lassen. Israel hält die von Syrien eroberten Golanhöhen seit 1967 besetzt.

Der israelische Vize-Außenminister Danny Ajalon warf dem syrischen Präsidenten Baschar al-Assad vor, er setze die Demonstranten als «Kanonenfutter» gegen Israel ein. Israel habe das Recht und die Pflicht, seine Souveränität zu verteidigen, sagte er dem israelischen Rundfunk am Montag.

Das von den Muslimbrüdern und der noch jungen Demokratiebewegung bedrängte syrische Regime hatte die dramatischen Szenen, die sich auf den Golanhöhen abspielten, am Sonntag offensichtlich ausgeschlachtet, um von den Massakern im eigenen Land abzulenken. Das syrische Staatsfernsehen strahlte am Sonntag eine Dokumentation mit dem Titel «Der Golan in meinem Herzen» aus.

Das Assad-Regime soll Gerüchten zufolge Demonstranten für die Teilnahme an dem Grenzsturm bezahlt haben. Syrische Bauern hätten 1000 Dollar für ihre Anwesenheit bekommen, Familien von Todesopfern sollten sogar 10 000 Dollar bekommen, hieß es in einer Mitteilung der oppositionellen syrischen Reformpartei, die sich auf Geheimdienstinformationen berief.

Nach Angaben der Armee hatte man die palästinensischen Demonstranten über Lautsprecher in arabischer Sprache dazu aufgerufen, die Waffenstillstandslinie nicht zu überschreiten. Scharfschützen hätten auf die Beine von Grenzstürmern gezielt, die diese Anweisung missachteten. Die Militärsprecherin teilte mit, es seien im Grenzbereich auch bis zu vier Tretminen explodiert, als in einem Dornenfeld Feuer ausbrach. Dieses sei durch eine Brandflasche entfacht worden, die einer der Palästinenser in Richtung der Soldaten geworfen habe.

Naksa bedeutet Rückschlag. Die Palästinenser wollten mit den Protesten an die Eroberung des Westjordanlands, des Gazastreifens und Ost-Jerusalems und auch der Golanhöhen durch Israel während des Sechstagekriegs von 1967 erinnern.

Konflikte / Nahost
06.06.2011 · 14:40 Uhr
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