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ISAF-Truppe nimmt Abschied von getöteten Deutschen

Trauer um gefallene SoldatenGroßansicht
Masar-i-Scharif/Berlin (dpa) - Wieder eine Trauerfeier für tote Bundeswehrsoldaten: Im nordafghanischen Feldlager Masar-i-Scharif nimmt die ISAF-Truppe an diesem Sonntag Abschied von den vier Kameraden. Wann die Särge mit den am Donnerstag getöteten Soldaten in die Heimat geflogen werden können, bleibt wegen des Flugverbots in Deutschland weiter offen.

Zwei schwer verletzte Soldaten sollen unterdessen auf ihrer Zwischenstation in der Türkei operiert werden, wie Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) im Amerikanischen Krankenhaus in Istanbul sagte. Erst am Karfreitag waren drei Bundeswehrsoldaten bei Gefechten nahe Kundus getötet worden.

Die Sperrung des Luftraums wegen der Vulkanasche aus Island stellt auch die Bundeswehr weiter vor große Probleme. Der Airbus, der die getöteten Soldaten nach Hause holen soll, steckt weiterhin in Deutschland fest. Guttenberg gelang es am Samstag zumindest, Istanbul in Richtung Deutschland zu verlassen. Nähere Angaben machte das Ministerium in Berlin unter Verweis auf die Sicherheit Guttenbergs nicht. Unklar blieb auch, ob Guttenberg wie ursprünglich geplant am Montag mit dem Kommandeur der Internationalen Schutztruppe ISAF, US-General Stanley McChrystal, in Berlin zusammentreffen wird.

Die Trauerfeier für die getöteten Bundeswehrsoldaten in Masar-i- Scharif beginnt am Sonntag um 7.15 Uhr MESZ. Im Anschluss sollen die Särge zum Bundeswehr-Stützpunkt Termes im benachbarten Usbekistan geflogen werden. Von dort aus geht es dann mit der nächsten Fluggelegenheit nach Deutschland.

Angesichts der jüngsten Verluste der Bundeswehr in Nordafghanistan forderten die Grünen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf, eine Regierungserklärung zur Lage am Hindukusch abzugeben. «Ich rufe die Bundeskanzlerin dringend dazu auf, im Bundestag darzulegen, wie die neue Afghanistan-Strategie umgesetzt werden soll», sagte Grünen- Fraktionschefin Renate Künast dem Berliner «Tagesspiegel» (Sonntag). Ein Abzug der Bundeswehr innerhalb weniger Jahre sei nur möglich, wenn in dieser Zeit gewaltige Fortschritte beim zivilen Aufbau des Landes erzielt würden. Dafür habe die Bundesregierung bisher aber kein schlüssiges Konzept vorgelegt.

Nach Ansicht der FDP-Fraktionsvorsitzenden Birgit Homburger soll sich der Bundestag in der kommenden Woche mit der Lage in Afghanistan befassen. Nach ergänzendenden dpa-Informationen soll die Debatte in einer Kernzeit der Bundestagsberatungen stattfinden und damit größtmögliche öffentliche Aufmerksamkeit haben. Über eine Änderung des Bundeswehrmandats wird in der Koalition nicht nachgedacht.

Verteidigungsminister Guttenberg, der nach einem Truppenbesuch in Afghanistan die verletzten Soldaten auf dem Rücktransport begleitet hatte, bekräftigte den Willen zum Verbleib der Bundeswehr am Hindukusch. Trotz der jüngsten Opfer müsse Deutschland an der Aufgabe festhalten, die afghanischen Sicherheitskräfte in die Lage zu versetzen, ihr Land selbst zu schützen. «Ein nicht wünschenswertes Ziel wäre es, Hals über Kopf abzuziehen», sagte Guttenberg vor seiner Abreise in Istanbul.

In der Debatte um die Ausrüstung der Bundeswehr sicherte Außenminister Guido Westerwelle (FDP) den deutschen Truppen in Afghanistan eine optimale Ausstattung zu. «Unsere Soldaten sollen die bestmögliche Ausrüstung bekommen, die sie benötigen», sagte er der «Bild am Sonntag». «Bundeswehr und Bundesregierung werden alles tun, um das sicherzustellen.» Zuletzt hatte die Kritik zugenommen, die Bundeswehr sei für den immer gefährlicher werdenden Einsatz in Nordafghanistan nicht hinreichend ausgestattet.

Unions-Fraktionschef Volker Kauder (CDU) warf der Opposition vor, mit Forderungen nach einem schnellen Abzug der Bundeswehr politisches Kapital aus dem Tod deutscher Soldaten schlagen zu wollen. «Die Anschläge zeigen gerade, wie groß die Gefahren durch den internationalen Terrorismus sind. Ohne den Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan wäre die Bedrohung in Deutschland noch größer», sagte Kauder der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung».

Für ein schnelles Ende des Afghanistan-Einsatzes sprach sich Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) aus. Er wolle nicht, «dass wir Deutsche uns daran gewöhnen müssen, Nachrichten von im Kriege gefallenen Soldaten zu hören», sagte er am Samstag dem Sender NDR Info. Dagegen hatte der SPD- Fraktionsvorsitzende und frühere Außenminister Frank-Walter Steinmeier bekräftigt, Deutschland müsse zu dem Einsatz stehen.

Konflikte / Bundeswehr / Afghanistan
17.04.2010 · 19:33 Uhr
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