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ISAF-Regeln zur Vermeidung ziviler Opfer

Bei dem Angriff der Bundeswehr in der afghanischen Provinz Kundus starben über 130 Menschen, darunter auch Zivilisten.Großansicht
Kabul (dpa) - Der Kommandeur der Internationalen Afghanistan- Schutztruppe ISAF, Stanley McChrystal, hat die Vermeidung ziviler Opfer zu einem seiner wichtigsten Ziele gemacht.

Seit seinem Dienstantritt in Kabul vor etwa drei Monaten hat der US-General mehrere Maßnahmen ergriffen, um die Zahl der bei Militäroperationen getöteten Unbeteiligten zu verringern. McChrystal, der auch Kommandeur aller US-Truppen in Afghanistan ist, erließ dazu eine «taktische Direktive». Außerdem befasst sich eine «Richtlinie zur Aufstandsbekämpfung» von Ende August mit dem Schutz von Zivilisten.

Die taktische Direktive

McChrystal ordnete kurz nach Dienstantritt eine Verringerung der Luftangriffe an, die immer wieder zu zivilen Opfern führen. In seiner Direktive heißt es: «Ich erwarte von Anführern auf allen Ebenen, den Einsatz von Gewalt wie unterstützende Luftangriffe gegen Wohnsiedlungen und andere Orte, bei denen zivile Opfer wahrscheinlich sind, im Einklang mit dieser Richtlinie genau zu prüfen und zu begrenzen.» Der US-General ordnete an: «Kommandeure müssen den durch direkte Luftunterstützung erzielten Gewinn gegen die Kosten ziviler Opfer abwägen, die den langfristigen Erfolg unserer Mission erschweren und das afghanische Volk gegen uns aufbringen.» Vorrangiges Ziel müsse sein, die Unterstützung der Afghanen zu erlangen.

«Wir müssen die Falle vermeiden, taktische Siege zu erzielen - während wir gleichzeitig strategische Niederlagen erleiden, indem wir zivile Opfer oder exzessive Schäden verursachen und damit das Volk verprellen», heißt es weiter. «Wir werden die Bevölkerung durch unsere tägliche Durchführung (...) von Militäroperationen nicht von uns isolieren.» Ausschließlich afghanische Sicherheitskräfte sollten sich Zutritt zu Häusern von Zivilisten verschaffen. «Keine ISAF- Truppen werden in eine Moschee oder einen anderen religiösen oder historischen Ort eindringen oder darauf schießen, außer in Selbstverteidigung.» Durchsuchungen solcher Orte dürften nur von afghanischen Sicherheitskräften vorgenommen werden.

Die Richtlinie zur Aufstandsbekämpfung

McChrystal betont in der Richtlinie, dass die wichtigste Aufgabe der Soldaten der Schutz der Bevölkerung ist, nicht das Töten von Taliban. «Verdient Euch die Unterstützung der Menschen, und der Krieg ist gewonnen, unabhängig davon, wie viele Militante getötet oder gefangen werden», heißt es in dem Ende vergangenen Monats veröffentlichten Papier. «Wir müssen sehr anders denken und handeln, um Erfolg zu haben.» 95 Prozent der Zeit müssten darauf verwendet werden, Beziehungen zu den Menschen aufzubauen. «Richtet Euer Augenmerk auf die Menschen, nicht auf die Militanten.»

McChrystal mahnt: «Wir werden nicht einfach dadurch gewinnen, dass wir Aufständische töten.» Die Soldaten müssten die Art und Weise ändern, in der sie denken, handeln und operieren. «Wir müssen die Menschen verstehen und Dinge durch ihre Augen sehen. Es sind ihre Ängste, Frustrationen und Erwartungen, die wir ansprechen müssen», heißt es weiter. «Wir werden den Afghanen zum Sieg verhelfen, indem wir sie sichern, sie vor Bedrohung, Gewalt und Missbrauch schützen, und indem wir in einer Art und Weise operieren, die ihre Kultur und Religion respektiert.» Das internationale Engagement habe die Erwartungen der Afghanen in den vergangenen knapp acht Jahren nicht erfüllt.

Konflikte / Bundeswehr / Afghanistan
07.09.2009 · 22:35 Uhr
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