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«Irene» hat New York lahmgelegt, aber nicht verwüstet

Überschwemmung in New YorkGroßansicht

New York/Washington (dpa) - Hunderttausende auf der Flucht, 15 Tote und mindestens vier Millionen Menschen ohne Strom: Wirbelsturm «Irene» hat am Wochenende an der US-Ostküste getobt und New York vollkommen lahmgelegt.

Die Millionenmetropole glich einer Geisterstadt, nachdem die Behörden Massenevakuierungen angeordnet hatten. U-Bahnen fuhren nicht, Flüge fielen aus, Geschäfte und Theater wurden geschlossen. Doch der Big Apple bliebt von der befürchteten Katastrophe verschont. Der Hurrikan schwächte sich kurz vor der Ankunft in New York zum Tropensturm ab.

Andere Regionen kamen nicht so glimpflich davon. Allein im Bundesstaat North Carolina, wo «Irene» am Samstagmorgen (Ortszeit) zum ersten Mal auf die USA traf, starben nach Angaben des Senders CNN sechs Menschen, im benachbarten Virginia vier. In den Staaten Maryland, Florida und auch in Connecticut nördlich von New York starb jeweils ein Mensch. Nach Angaben von New Jerseys Gouverneur Chris Christie kamen in seinem Staat zudem zwei Menschen ums Leben.

Christie schätzt die Schäden durch den Sturm auf «Milliarden, wenn nicht Dutzende Milliarden Dollar». Auch Virginia rechnet mit gewaltigen Schäden, allerdings weniger als befürchtet. «Wir hatten uns auf das Schlimmste vorbereitet, aber es ist etwas besser gekommen, als wir erwartet hatten», sagte Gouverneur Bob McDonnell CNN. Es habe aber dennoch erhebliche Schäden und Überflutungen gegeben. 2,5 Millionen Menschen seien von der Stromversorgung abgeschnitten. Als teuerster Hurrikan gilt bislang «Katrina», der vor sechs Jahren New Orleans verwüstete und Schäden in Höhe von 100 Milliarden Dollar hinterließ.

New York hatte sich gut auf den Sturm vorbereitet, direkt über der Stadt schwächte er sich aber ab und zog zudem rascher weiter als gedacht. New York habe das schlimmste überstanden, sagte Bürgermeister Michael Bloomberg, in der Stadt habe es keine Opfer gegeben. Er warnte aber vor zu schneller Erleichterung. Noch immer könnten Äste oder Fassadenteile abbrechen und gefährlich werden. Der Evakuierungsbefehl soll erst um 15 Uhr Ortszeit (21.00 Uhr MESZ) aufgehoben werden.

Am Montag sollte das New Yorker Leben aber wieder seinen normalen Gang gehen. Es könne zwar schwierig werden, zur Arbeit zu kommen. Aber der New York Stock Exchange und die anderen Börsen planten zu öffnen. Bloomberg hatte am Freitag zum ersten Mal in der Geschichte der Stadt die Räumung tieferliegenden Gegenden angeordnet. Rund 370 000 Menschen waren betroffen.

Auch Heimatschutzministerin Janet Napolitano sah New York aus dem Gröbsten raus, warnte aber vor weiteren Gefahren. «Wir sind noch nicht über den Berg», sagte sie. Der Sturm bleibe «groß und potenziell gefährlich». In den vom Sturm besonders betroffenen Staaten North Carolina und Virginia begannen die Behörden mit der Begutachtung der Schäden. Eine Summe wollte der Chef der Katastrophenschutzbehörde FEMA, Craig Fugate, aber nicht nennen.

Ein Block eines Atomkraftwerks im Staat Maryland hatte sich in der Nacht zum Sonntag während des Durchzugs von «Irene» automatisch abgeschaltet. Der Haupttransformator der Anlage sei von einem Stück Aluminiumverschalung eines Hauses getroffen worden, woraufhin es zu der Abschaltung kam, teilte die Betreibergesellschaft mit. Die Öffentlichkeit sei zu keiner Zeit gefährdet gewesen.

In den Häusern nahe des Hudson River in New York waren Keller vollgelaufen, die Menschen pumpten das Wasser am Sonntagnachmittag wieder heraus. Touristen und Einheimische strömten nach dem Unwetter zur Uferpromenade, als ob nichts gewesen wäre, die meisten trugen nur Shorts und T-Shirt. Die meisten Straßen in Manhattan waren frei, kleinere Erdrutsche und abgebrochene Äste hatte die Feuerwehr vielfach schon beseitigt. Der Verkehr hielt sich aber noch in Grenzen, viele New Yorker erkundeten ihre Stadt lieber zu Fuß oder genossen den Sonntag daheim.

Der Sturm zog von New York aus kommend den Hudson River hoch. Er sollte noch die Neuengland-Staaten und sogar Kanada berühren - Gebiete, die mit tropischen Wirbelstürmen alles andere als vertraut sind. Weil er sich weiter abschwächt, sind die schlimmsten Folgen von «Irene» aber aller Wahrscheinlichkeit vorüber.

Unwetter / Karibik / USA
28.08.2011 · 21:40 Uhr
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